Ein Geheimnis ist es in der Formel 1 schon lange nicht mehr. Anteile des als Alpine startenden Teams aus Enstone stehen aktuell zum Verkauf. Mutterkonzern Renault hält momentan noch 76 Prozent des Rennstalls. Die restlichen 24 Prozent fallen auf das Konsortium von Otro Capital. Die Investorengruppe hatte diesen Anteil im Dezember 2023 für 200 Millionen Euro erstanden.
Wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs der Königsklasse in den vergangenen Jahren hat sich der Wert der Teams deutlich erhöht. Otro Capital bietet deshalb die 24 Prozent zum Verkauf an. Interessenten gibt es zur Genüge. Auch Christian Horner brachte sich mit Investoren in Position. Der ehemalige Red-Bull-Teamchef sucht nach seiner Entlassung im Juli 2025 nach einer neuen Aufgabe. Dieses Mal möchte er aber selbst Anteile besitzen und mitbestimmen.
Der Engländer hat in der Zwischenzeit aber Konkurrenz bekommen. Ausgerechnet sein langjähriger Mercedes-Rivale Toto Wolff will Horner dazwischengrätschen. Wolff besitzt mit seiner Holding-Group bereits ein Drittel des Silberpfeil-Werksteams. Die anderen 66 Prozent teilen sich Mercedes und das Chemieunternehmen Ineos. Nun will das Top-Team auch noch die 24 Prozent des Alpine-Rennstalls von Otro Capital schnappen.
Renault will Mercedes als Käufer
Laut Berichten von "Racer" soll Renault das Silberpfeil-Imperium bevorzugen, statt mit Horner einen Deal einzugehen. Schnell ist allerdings mit keiner Einigung zu rechnen. Mercedes selbst prüft aktuell die Investition. Otro Capital wittert dank der Wertsteigerung ein gutes Geschäft. Ende 2025 war Alpine noch rund 1,89 Milliarden Euro wert.
Auch auf sportlicher Seite würde ein Deal mit Mercedes Sinn ergeben. Seit dieser Saison startet Alpine mit der Power Unit des Automobil-Herstellers. Trotz einer fortgeschrittenen Entwicklung des eigenen Antriebsprogramms entschied sich der alte Renault-CEO Luca de Meo im Sommer 2024 den Stecker zu ziehen. Selbst der Widerstand der französischen Belegschaft in Viry-Châtillon änderte nichts mehr an der Entscheidung.
Der Erfolg gibt Alpine auf der Strecke aktuell recht. Nach dem desolaten Vorjahr, das man als Tabellenletzter abschloss, liegt der Rennstall nach vier Grands Prix mit 23 Punkten momentan auf dem fünften Platz. Nur die Top-Teams starteten besser in die Saison. Der vollständige Fokus auf das 2026er-Reglement und die frühe Einstellung der Weiterentwicklung des letztjährigen Autos machen sich bezahlt.

McLaren-CEO Zak Brown (links) würde es lieber sehen, wenn Christian Horner (rechts) Anteile an Alpine übernehmen würde.
Konkurrenz gegen Mercedes-Deal
Das haben auch die Gegner registriert. Die anbahnende Übernahme der Otro-Anteile stößt einigen im Fahrerlager auf. "Gemeinsame Eigentümerverhältnisse von A- und B-Teams lehne ich ab. Alle elf Teams sollten so unabhängig wie möglich sein. Es besteht immer ein großes Risiko, dass die Integrität des Sports kompromittiert wird", wetterte McLaren-CEO Zak Brown. "Power-Unit-Lieferanten zu haben, ist die Grenze, bis zu der man gehen sollte."
Zuspruch bekam Brown von Mohammed Ben Sulayem. "Ich bin persönlich gegen diese Art von Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Teams auf dem Grid", erklärte der FIA-Präsident im Rahmen des Miami-Grand-Prix.
Renault dürfte das kaum interessieren. Unter dem neuen CEO François Provost stehen alle Motorsport-Aktivitäten auf dem Prüfstand. Das Programm in der Sportwagen-Weltmeisterschaft (WEC) endet nach der laufenden Saison. Das teuerste und auch bekannteste Projekt in der Formel 1 mit Mercedes zu verzahnen, erscheint für Alpine daher nur allzu logisch.












