Viel wurde in den vergangenen Wochen diskutiert. Die Ingenieure der Teams und Motorenhersteller versuchten zusammen mit den Experten der FIA nach Lösungen zu suchen, wie man die größten Probleme des neuen Reglements ausmerzen kann. Alle Beteiligten sprachen anschließend von einem konstruktiven Dialog.
Zwei Themen standen auf der Agenda: Im Qualifying sollen die Piloten endlich wieder über eine komplette Runde Vollgas geben können. Und im Rennen sollen gefährlich große Geschwindigkeitsunterschiede verhindert werden. Crashs, wie der von Ollie Bearman in Suzuka, sollen sich nicht wiederholen.
Auch die Fahrer waren an den Gesprächen beteiligt und gaben wichtigen Input aus der Cockpit-Perspektive. Wenn die Teamchefs am Montag (20.4.) gemeinsam an einem Tisch sitzen und die endgültigen Entscheidungen treffen, dürfen die Piloten aber nicht mehr mitreden. Laut FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem soll das Maßnahmenpaket anschließend direkt per E-Voting vom FIA-Weltrat abgesegnet werden und schon in Miami in Kraft treten.

Unfälle wie der von Ollie Bearman in Suzuka sollen sich nicht wiederholen.
Reglement fundamental falsch
"Dass wir überhaupt darüber reden, kann man schon als Fortschritt betrachten", kommentierte Chefkritiker Max Verstappen den ganzen Prozess. "Das Problem liegt aber daran, dass man nur kleine Nachjustierungen an einem Reglement vornehmen kann, das fundamental falsch ist. Das wird nicht jeder öffentlich zugeben, aber es ist die Wahrheit."
Einer der Vorschläge, der gute Chancen auf Einführung hat, ist die Erhöhung der Energiemenge, die per Super-Clipping in die Batterien geladen werden darf. Aktuell füllen sich die Energie-Speicher im Vollgas-Rekuperationsmodus am Ende der Geraden nur mit 250 kW. Künftig könnte der Wert auf 350 kW gesteigert werden. Dann müssten die Piloten nicht mehr so häufig künstlich vom Gas gehen.
Eine weitere aussichtsreiche Idee lautet, die Energiemenge, die pro Runde von den Piloten rekuperiert werden darf, zu reduzieren. Aktuell dürfen 8,5 Megajoule eingesammelt und wieder eingesetzt werden. Der Wert könnte auf bis zu 6 Megajoule nach unten sinken. Auch das würde dafür sorgen, dass die Piloten nicht mehr so häufig den Gasfuß lupfen müssen.

Die Rundenzeiten könnten ein gutes Stück langsamer werden.
Neue Regeln mit Kompromissen verbunden
Das Senken der Energie-Menge hat allerdings einen Preis. Insgesamt würden die Rundenzeiten deutlich langsamer werden – um mehr als eine Sekunde, befürchten Experten. Zweitens würde den Piloten auf den Geraden künftig noch früher die elektrische Energie ausgehen. Die sogenannte Clipping-Phase würde auch der Fan deutlich anhand der absinkenden Top-Speed-Kurve erkennen.
Eine weitere Frage lautet, inwieweit die Teamchefs bei der Entscheidung auf eigene Vorteile verzichten würden. Mercedes kam in den ersten Rennen am besten mit den Regeln zurecht. Jede Anpassung könnte etwas vom Vorsprung wegnehmen. So würde eine Reduzierung der Elektro-Power zum Beispiel dazu führen, dass das Überholen wieder schwieriger wird. Davon würden theoretisch die Schnellstarter von Ferrari profitieren.
Nach außen betonen alle Beteiligten stets, dass politische Argumente bei der Entscheidung hinten anstehen sollten. Jeder wolle nur das Beste für das Gesamtwohl der Formel 1. Man darf gespannt sein, ob sich alle an die guten Absichten halten, wenn es zur finalen Abstimmung kommt.

Es ist viel Politik im Spiel. Gibt Mercedes freiwillig etwas vom Vorsprung auf?
Nächste Stufe für 2027?
Die Anpassungen vor Miami können auch nur ein erster Schritt sein. Viele Experten sind der Meinung, dass eine Reduzierung der Elektro-Power alleine die Probleme höchstens lindern, aber nicht beheben kann. Um die Situation spürbar zu entspannen, müsste gleichzeitig auch mehr Power vom Verbrennungsmotor kommen. Die einfachste Stellschraube wäre die Erhöhung der erlaubten Benzindurchflussmenge.
Hierbei handelt es sich aber um einen fundamentalen Eingriff, der hardwareseitige Änderungen am Verbrennungsmotor nach sich ziehen würde. Das wäre frühestens für 2027 denkbar. Einige befürchten, dass es sogar bis 2028 dauern könnte.
Die Frage lautet, ob alle Motorenhersteller überhaupt an Bord sind, wenn sich das ursprünglich angepeilte Verhältnis von 50:50 zwischen Elektro und Verbrenner deutlich in Richtung Verbrenner verschiebt. Der hälftig gesplittete Energie-Mix war auch ein Grund, warum Motorenhersteller wie Audi und Honda überhaupt in die Formel 1 eingestiegen sind.












