Seit rund zwei Jahren ranken sich Abwanderungsgerüchte um Max Verstappen bei Red Bull. Die Saga begann mit der Affäre um Christian Horner zu Beginn der Saison 2024. Innerhalb des Red-Bull-Kosmos tobte ein Machtkampf, den Horner mit Rückendeckung der Familie von Chalerm Yoovidhya zunächst gewinnen konnte.
Peu à peu zerfiel das einstige Weltmeister-Team. Star-Designer Adrian Newey nahm den Hut und weitere hochrangige Mitarbeiter wie unter anderem Jonathan Wheatley suchten das Weite. Das hatte vor allem Mercedes-Teamchef Toto Wolff registriert. Der Österreicher machte Verstappen öffentlich Avancen, hatte er doch für 2025 ein Cockpit zu vergeben. Letztendlich hielt Verstappen aber Red Bull die Treue.
Im vergangenen Jahr brodelte es wieder in der Gerüchteküche. Laut den Informationen von auto motor und sport soll die Verstappen-Seite um dessen Vater Jos und Manager Raymond Vermeulen Druck ausgeübt und eine Macht-Verringerung Horners gefordert haben. Schlussendlich musste der Engländer im Juli 2025 gehen. Die Situation bei Red Bull entspannte sich und Max Verstappen geht auch dieses Jahr für das Team aus Milton Keynes an den Start.
Klausel macht es möglich
Zwar sind erst vier Grands Prix 2026 absolviert, doch das Thema eines möglichen Verstappen-Wechsels nimmt bereits wieder Fahrt auf. Red Bull war bis Miami nicht in der Lage, um Spitzenergebnisse zu kämpfen. Mit dem RB22 dümpelte Verstappen nur im Mittelfeld herum. Der Entwurf der Ingenieure leidet noch an Übergewicht. Erste technische Fortschritte zeigten sich in Florida. Der abgespeckte Wagen und die verbesserte Aerodynamik zauberten Verstappen wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Schlussendlich wurde der viermalige Weltmeister aber nur Fünfter. In der WM-Tabelle rangiert er mit nur 26 Punkten auf Platz sieben. Spitzenreiter Andrea Kimi Antonelli hat bereits 100 Zähler gesammelt. An einen neuerlichen WM-Kampf ist trotz der Verbesserung aktuell nicht zu denken.
Für Verstappen könnte das aber zum Jackpot werden – und das trotz seines laufenden Vertrags bis Ende 2028. Letztes Jahr musste der Niederländer am 1. Juli 2025 mindestens auf Platz drei in der Fahrerwertung liegen, damit er seine Ausstiegsklausel nicht aktivieren konnte. Für diese Saison soll sich diese Bedingung sogar verschärft haben. Liegt er zum Stichtag nicht mindestens auf Rang zwei, darf er die Klausel ziehen.

Kimi Antonelli (links) sitzt aktuell im Mercedes. Liefert er weiter so gute Leistungen ab, wird es für Max Verstappen (rechts) schwer, das Cockpit für 2027 zu bekommen.
Mercedes ist dicht
Die Frage lautet nur, wer sich um den Ausnahmefahrer bemühen würde, sollte er auf den Markt kommen. Nach den Vorstößen Wolffs wäre Mercedes erneut ein Kandidat. Allerdings liefert dort Antonelli gerade richtig gut ab. Der Teenager räumt alle Zweifel an seinen Fähigkeiten, die es während seiner Rookie-Saison gab, aus. Teamkollege George Russell hat seinen Vertrag erst letztes Jahr verlängert und will nach drei schwächeren Rennen seinen ersten Titel holen.
Dafür soll McLaren seine Fühler nach Verstappen ausgestreckt haben. Nach Informationen englischer Journalisten habe es bereits Gespräche gegeben. Analog zu Mercedes müsste einer der Piloten Platz machen. Sowohl Weltmeister Lando Norris als auch Oscar Piastri haben gültige Verträge, jedoch scheint ein Verbleib des Australiers nicht in Stein gemeißelt.
Nach dem knapp verpassten Titel 2025 und den diskussionswürdigen Team-Entscheidungen im Duell mit Norris hat sich Piastri ungerecht behandelt gefühlt. Mittlerweile ist wieder Ruhe bei McLaren eingekehrt. Zudem zeigt der sportliche Trend nach oben. Piastri holte in Suzuka und Miami zwei Podestplatzierungen.

Oscar Piastri könnte im Tausch mit Max Verstappen von McLaren zu Red Bull wechseln.
Kommt Piastri für Verstappen?
Der Marktwert des 25-Jährigen ist hoch. Das weiß auch sein Manager Mark Webber. Der ehemalige Red-Bull-Pilot pflegt nach wie vor gute Kontakte zu seinem alten Rennstall. Die Führung um Teamchef Laurent Mekies könnte sich Piastri als Nachfolger von Verstappen vorstellen, wenn dieser Red Bull verlassen will.
Das Top-Team würde dabei auch mit der eigenen Philosophie brechen. In der Vergangenheit bildete man seine Fahrer selbst beim B-Team Racing Bulls aus und zog sie später hoch. Das aktuelle Beispiel heißt Isack Hadjar, der seit diesem Jahr neben Verstappen bei Red Bull fährt.
Dieser Weg brachte mehrere Rennsieger hervor und vor allem Weltmeister wie Sebastian Vettel und Max Verstappen. Eine Verpflichtung Piastris würde das Fördersystem konterkarieren. Der letzte Pilot, der außerhalb des Fahrerkaders in den Red Bull kletterte, war Sergio Perez. Der Mexikaner war Ende 2020 aber als Nummer 2 neben Verstappen verpflichtet worden. Piastri wäre der erste Top-Pilot, den Red Bull dem eigenen Nachwuchs vorziehen würde.












