Red Bull RB17: Neweys 1.200-PS-Rakete im neuen, (fast) noch geheimen Outfit

Red Bull RB17 Hypercar von Adrian Newey
1.200-PS-Rakete im neuen, (fast) noch geheimen Outfit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.01.2026
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Aus seiner Arbeit in der Formel 1 ist bekannt, dass Adrian Newey keine Kompromisse eingeht und die Grenzen des Machbaren bis ins extremste Detail auslotet. Entsprechend gespannt reagierte die Autowelt, als Red Bull im Sommer 2022 ankündigte, dass der in der Zwischenzeit zum Aston-Martin-Formel-1-Team gewechselte Design-Guru ein Hypercar entwickeln würde, bei dessen Konstruktion er sich komplett austoben durfte. Der Aston Martin Valkyrie, der ebenfalls von Newey mitgestaltet wurde, sollte dagegen verblassen.

Red Bull RB17 mit entscheidenden Design-Änderungen

Ein erstes Ergebnis wurde bereits im Sommer 2025 im Rahmen des Goodwood Festival of Speed (FoS) vorgestellt. Doch diese RB17-Version präsentierte sich noch nicht im finalen Design. Dieses debütierte nämlich erst jetzt. Und auf Bildern, die das britische Magazin "Top Gear" zuerst zeigte, lassen sich kleine, aber entscheidende gestalterische Änderungen ausmachen.

Auf den ersten Blick fallen die Änderungen an den Leuchten auf. Die LED-Frontscheinwerfer weisen nun die Form von Hockeyschlägern auf; zuvor waren sie als schmale Schlitze gestaltet. In der Seitenansicht sticht ein riesiges Luftleitelement ins Auge, das oberhalb der Lufthutze angebracht ist, die ihrerseits den mächtigen Mittelmotor mit Frischluft versorgt. Die Türen sind vorn angeschlagen und öffnen scherenartig nach oben. Im Vergleich zur FoS-Version verzichtet der RB17 im nun vorgestellten Design auf Aerodynamik-Verkleidungen an den Rädern und ist der Michelin-Schriftzug von den Reifen verschwunden.

Laut "Top Gear" sollen die Dimensionen im Vergleich zum vergangenen Sommer etwas geschrumpft sein, jedoch weiterhin jenen eines modernen Formel-1-Autos entsprechen. Nach wie vor handelt es sich beim Red Bull RB17 also um eine etwa fünf Meter lange und zwei Meter breite Hardcore-Flunder, deren Außenhaut überall zerklüftete Öffnungen, Luftkanäle und Leitbleche aufweist. Durch die Löcher in der Verkleidung sind die Pushrod-Radaufhängungen gut zu erkennen. So wirkt das zweisitzige Hypercar wie eine Mischung aus Le-Mans-Prototyp und Formel-1-Renner. Nur eben mit praktischen Details wie Außenspiegeln und Scheibenwischern, die inzwischen neu ans Auto gekommen sind.

RB17-Technik auf Formel-1-Niveau

Dass der RB17 aerodynamisch in der obersten Rennwagen-Liga mitspielen würde, war beim Ruf seines Schöpfers schon vorher klar. Wie kompromisslos die Luft durch das Auto hindurchgeführt wird, überrascht dann aber doch. Ein großer Splitter an der Frontpartie, der in der Seitenansicht fast wie der Frontflügel eines Formel-1-Autos wirkt, teilt die Strömung horizontal auf. Was unter den Boden fließt, wird durch einen riesigen Diffusor am Heck so beschleunigt, dass sich das Auto fest auf den Asphalt saugt.

Ein großer Flügel am Heck wäre wohl gar nicht mehr nötig gewesen. Aber Abtrieb kann man bekanntlich nie genug haben. Nach dem Motto "viel hilft viel" packt Newey über die komplette Breite des Hinterteils noch ein zusätzliches Spoiler-Element drauf. Dessen vertikale Endplatten erinnern fast ein wenig an ein Formel-1-Leitwerk. Das Element schmiegt sich durch seine flache Bauweise fast unsichtbar in das Gesamtdesign ein, was dem Auto bei aller Radikalität auch eine gewisse Eleganz verleiht.

Groundeffect maximal ausgenutzt

Das Chassis liegt dank aktiver Aufhängung stets ultraflach auf dem Boden, um den Groundeffect maximal auszunutzen. Hier ist sicher auch viel Know-how aus den aktuellen Formel-1-Rennwagen eingeflossen. Der Fahrer kann die aerodynamische Balance im Cockpit je nach Wunsch und Rennstrecke mal weiter nach vorn oder nach hinten schieben. Bei 250 km/h soll das Geschoss 1.700 Kilogramm Abtrieb produzieren. Gebremst wird natürlich mit Carbon-Scheiben, auf der Hinterachse betätigt durch ein Break-by-Wire-System.

Die radikale Form ist aber nicht das Einzige, was dem Red Bull RB17 einen Sonderstatus in der Automobilgeschichte verleihen wird. Der Cosworth-Antrieb unter der Haube hat es ebenfalls in sich. Newey entschied sich für ein reinrassiges Zehnzylinder-Aggregat mit 4,5 Liter Hubraum. Der Mittelmotor-Sauger soll bis 15.000/min drehen und allein über 1.000 PS leisten, während ein kleiner Hybrid-Boost die Systemleistung gar auf mehr als 1.200 PS pusht. Ein Carbon-Getriebe von Xtrac wuchtet die Power auf die Hinterachse. Zum Glück ist natürlich eine Traktionskontrolle an Bord.

Den Auspuff lassen die Red-Bull-Entwickler neuerdings oben in der Motorabdeckung austreten, um den Thermohaushalt Motorraum zu optimieren. Beim Sound sollen Nostalgiker voll auf ihre Kosten kommen: Er ahmt jenen des McLaren MP4/15 mit Dreiliter-V10-Motor von Mercedes nach, mit dem das britische Team in der Saison 2000 in der Formel 1 angetreten war. Newey war damals Technischer Direktor bei McLaren und dieser Silberpfeil gilt in puncto Klang als sein persönlicher Favorit.

Reduziertes Cockpit

Neben radikaler Aerodynamik und maximaler Power ist extremer Leichtbau die dritte Säule, die den RB17 über die Rennstrecke fliegen lassen soll. Das Monocoque besteht natürlich wie alle Verkleidungselemente aus einem Kohlefaser-Verbundstoff. Das Ziel lautete, die Marke von 900 Kilogramm Gesamtgewicht nicht zu überschreiten. Das Leistungsgewicht von 0,75 Kilogramm pro PS sorgt für wahnsinnige Performance-Werte: Red Bull gibt einen Topspeed von 350 km/h an. Die Rundenzeiten auf der Rennstrecke sollen denen von Formel-1-Autos in nichts nachstehen.

Red Bull gewährt zudem einen ersten Blick in den Innenraum des RB17. Er verfügt über ein extrem reduziertes Cockpit, dessen eckiges Lenk"rad" ein kleines Display, diverse Tasten und Drehrädchen sowie eine Schaltpunkt-Skala im oberen Bereich aufweist. Die Mittelkonsole steigt stark Richtung Armaturenbrett an und präsentiert weitere physische Bedienelemente sowie im oberen Bereich den Startknopf für den Motor. Hierbei handelt es sich wohl noch nicht um das finale Layout, doch klassische Instrumente oder gar Touchscreens wird es im Serienauto nicht geben.

Limitierte Serie schon ausverkauft

Ein Preis für das auf 50 Exemplare limitierte Hardcore-Tracktool wurde nicht offiziell genannt. Wie man aber hört, werden sechs Millionen Euro aufgerufen. Auch hier spielt der RB17 also in einer ganz eigenen Liga. Newey war in den letzten Monaten vor seinem Red-Bull-Abgang auf der ganzen Welt unterwegs, um betuchte Interessenten persönlich von seinem Rennwagen zu überzeugen. Und er steht den Red-Bull-Entwicklern auch heute noch beratend zur Seite.

Adrian Newey- RB17 - Zeichenbrett - 2024
Red Bull

Im Sommer diesen Jahres sollen RB17-Prototypen im Rahmenprogramm diverser Formel-1-Rennen erste öffentliche Auftritte absolvieren. Der Start der Serienproduktion ist dann für das Frühjahr 2027 geplant. Neben technischem Werks-Support bekommen Kunden auch Zugang zu Simulatoren sowie die Möglichkeit, an Fahr- und Rennstreckentrainings teilzunehmen. Ein Exemplar bleibt übrigens in der Garage seines Schöpfers.

RB17 kommt auch auf die Straße

Newey hat den RB17 ausschließlich für den Rundstreckeneinsatz konzipiert; es gibt aber wohl Kunden, die das Hypercar auch auf der Straße bewegen wollen. Hilfe kommt hier von den britischen Spezialisten Lanzante. Die haben bereits gegenüber "Top Gear" angekündigt, den RB17 auch für den Straßeneinsatz umzurüsten. Die entsprechenden Anpassungen sollen eng in Abstimmung mit den Kunden erfolgen. Lanzante möchte dabei so wenig wie möglich Kompromisse eingehen, damit die Fahrdynamik auf der Rundstrecke nicht allzu sehr geschmälert wird. Der Aufwand wird jedoch seinen Preis haben. Ohne dass Lanzante bisher eine Hand an einen RB17 legen konnte, nennen die Briten eine Hausnummer von 300.000 bis 600.000 Euro für die Umrüstung.

"Ich habe viele Jahre mit dem Gedanken gespielt, mein eigenes Hypercar zu konstruieren – vom ersten Entwurf bis zur Auslieferung. Es war ein tolles Projekt", sagte der Konstrukteur nicht ohne Stolz bei der offiziellen Vorstellung. "Der RB17 beinhaltet alles, für das wir stehen: unwiderstehliche Power, Speed und Schönheit. Seine Fähigkeiten sind sehr anpassungsfähig. Und wir wollten sicherstellen, einen echten Zweisitzer zu designen, damit der Thrill einer Fahrt mit F1-Tempo mit einem Freund oder Partner gemeinsam genossen werden kann."

Fazit