Toyota Yaris Harald Dawo
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Neuer Toyota Yaris (2019)

Außen kleiner, innen größer, alles besser

Toyota stellt die vierte Generation des Yaris vor. Der Kleinwagen wurde außen kleiner, wuchs aber im Innenraum. Auch sonst haben die Ingenieure alles angefasst und verbessert.

Bei der vierten Generation des Yaris haben sich die Toyota-Designer ordentlich reingekniet: Der Kleine sieht kräftig, modern und frisch aus. Besonders auffällig sind seine kräftig ausgeformten Radhäuser hinten, die ihn wie einen Hecktriebler aussehen lassen – was der japanische Kleinwagen natürlich nach wie vor nicht ist. Seine Heckleuchten strecken sich weit nach hinten aus der Karosserie und bilden die Basis für eine Art Heckspoiler. Bei den Abmessungen dann eine Überraschung: Die Länge schrumpft um 50 auf jetzt 3.895 Millimeter. Toyota stoppt den Wahn, dass jede nachfolgende Fahrzeug-Generation etwas größer ausfallen muss als ihr Vorgänger. Gleichzeitig wächst der Radstand um 50 auf 2.560 Millimeter. Das ist die Voraussetzung dafür, dass der Innenraum trotz geschrumpfter Außenabmessungen gewachsen ist.

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Trotz geschrumpfter Außenlänge wächst der Radstand gegenüber dem Vorgängermodell um 50 Millimeter.

Fahrer, Motor, Batterie tiefer, Schwerpunkt tiefer

Der neue Yaris basiert auf der Toyota New Global Architecture (TNGA-Strategie), die so etwas ähnliches ist, wie der Modulare Querbaukasten (MQB) von VW und wie bei den Wolfsburgern eine Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeugkonzepte möglich macht. Die auf dieser Architektur basierende Yaris-Plattform heißt GA-B und ist für das Wachstum des Radstands verantwortlich. Auch die Höhe sinkt um 40 auf 1.470 Millimeter – laut Hersteller bei gleicher Kopffreiheit. Dafür sitzen die Insassen tiefer als vorher. Die Übersichtlichkeit nach vorn soll darunter nicht leiden – die neue Motorhaube ist flacher als beim Vorgänger und die A-Säulen sind näher am Fahrer, was dessen Sichtfeld vergrößert. Das Maßnahmenpaket umfasst noch einen tiefer sitzenden Motor und eine ebenso tiefer sitzende Batterie und führt insgesamt zu einem um 15 Millimeter tieferen Fahrzeug-Schwerpunkt. Der Platz des Fahrers rückt zudem um 60 Millimeter nach hinten – in Kombination mit dem um sechs Grad steiler angestellten Lenkrad soll sich eine ergonomischere Fahrposition ergeben. Bei einem Maß legt der neue Yaris aber zu: Die Breite wächst ein wenig. Das kommt den Platzverhältnissen im Innenraum zugute und ist bei einem Maß von etwas über 1,70 Meter verschmerzbar. Auch die Spur vorn und hinten wächst, was auf eine stämmigere Optik einzahlt.

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Viel Platz und bessere Materialien als beim Vorgänger: Der Innenraum des neuen Toyota Yaris.

Geräumige erste Reihe, höherwertige Materialien

Auch den Innenraum haben die Designer komplett überarbeitet. Die Anzahl der Schalter sinkt und die verwendeten Verkleidungs-Materialien sollen hochwertiger sein als bisher. So bestehen die Türfüllungen aus nachhaltig produziertem Filz und der Instrumententräger erhält eine Softtouch-Oberfläche – die Friss-oder-Stirb-Hartplastikzeiten sind beim Yaris vorbei. Am oberen Ende der Mittelkonsole thront ein Infotainment-Touchscreen, der Fahrer schaut auf zwei Tuben mit digitalen Leuchtziffern, zwischen denen ein TFT-Display sitzt. Gegen Aufpreis gibt es sogar ein Headup-Display, das fahrrelevante Informationen in einer Größe von zehn Zoll ins Sichtfeld des Fahrers auf die Windschutzscheibe projiziert. Die Mittelkonsole ist etwas breiter als beim Vorgänger und auf die Fläche zum kabellosen Laden von dafür geeigneten mobilen Endgeräten passen auch moderne, große Bauformen. Zwischen den Vordersitzen ist eine neue Sicherheits-Ausstattung Serie: Zwei sogenannte Center Airbags sorgen bei einem Unfall dafür, das die Köpfe der vorne Sitzenden nicht zusammenknallen.

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Die Vordersitze des neuen Yaris sind aufwendig gemacht, der Hüftpunkt des Fahrers ist niedriger als bisher.

Viele Versteifungsmaßnahmen

Für ein besseres Fahrverhalten haben die Ingenieure die GA-B-Plattform des Yaris möglichst steif ausgelegt. So umgibt den Motorraum genauso eine Ringstruktur aus hochfesten Stählen wie den Armaturenträger und den Kofferraum. Zudem laufen die hochfesten Verstärkungen unter den Sitzen von vorn nach hinten. Die Sitzschienen sind direkt mit dem Chassis verschraubt – eine Technik, die bisher eher höheren Fahrzeugklassen vorbehalten war. Das unter dem Armaturenträger verlaufende Querrohr ist jetzt außerdem in seinen Lagerpunkten gegen Verdrehen gesichert, was die Steifigkeit weiter erhöht. Trotz einer insgesamt um 30 Prozent erhöhten Steifigkeit ist die Plattform 20 Kilogramm leichter als bisher. Den größten Fortschritt macht die Hinterachse: Deren Profil ist komplett neu konstruiert – das vom österreichischen Zulieferer Benteler in Deutschland produzierte Bauteil ist um 140 Prozent steifer als sein Vorgänger. An der Vorderachse übernehmen McPherson-Federbeine mit verringerten Reibungsverlusten die Führung, hinten arbeiten Verbundlenker. Die Federn rundum sind weicher, aber die Wanksteifigkeit steigt von 320 auf 580 Newtonmeter pro Grad.

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Harald Dawo
Das Chassis des Yaris basiert auf der neuen GA-B-Plattform, die sich wiederum von der Toyota New Global Architecture (TNGA-Strategie) ableitet. Das Querrohr vor dem Lenkrad sorgt für mehr Steifigkeit.

Ohne großartig ins Detail zu gehen, verspricht Toyota für den Yaris auch eine Vielzahl von Assistenzsystemen. Schon bekannt ist, dass ein adaptiver Abstandstempomat und ein Spurhalte-Assistent zum Serienumfang gehören.

Hybridantrieb mit 15 Prozent mehr Leistung

Den neuen Yaris bietet Toyota wieder mit einem Hybridantrieb an. Die Japaner haben das System des Vorgängers gründlich überarbeitet – Fahrspaß zählt für Toyota bei Otto-Normalverbraucher-Modellen eher zu den neuen Tugenden, Toyota-Hybride gelten als sparsam und haltbar – aber nicht als Spaßmaschinen. Jetzt soll alles anders sein. Beim neuen Hybrid verspricht Toyota eine um 15 Prozent gesteigerte Leistung. Einen konkreten Wert nennen die Japaner nicht, aber der Vorgänger hat eine Systemleistung in Höhe von 100 PS – also dürfte der Yaris der Generation vier mit 115 PS vorfahren. Die Effizienz soll gleichzeitig um 20 Prozent steigen. Außerdem bewältigt das selbstladende Hybridsystem Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h rein elektrisch. Toyota hat es im Stadt-Kanon Rom-Paris-Darmstadt getestet: 80 Prozent der Fahrstrecken kann der Yaris rein elektrisch zurücklegen.

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Harald Dawo
140 Prozent steifer als beim Vorgänger: Die neu entwickelte Hinterachse (rot) des Yaris.

Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Verbrennungsmotor des Yaris leitet sich von den 2,0- und 2,5-Liter-Triebwerken aus Corolla, RAV4 und Camry ab. Das Yaris-Aggregat arbeitet mit einer die Effizienz verbessernden variablen Atkinson-Ventilsteuerung. Die dadurch bedingte geringere Leistung kompensiert der Elektromotor des Hybridsystems. Der thermische Wirkungsgrad des Verbrenners soll 40 Prozent betragen – für einen Benzinmotor wäre das ein guter Wert. Für eine Verbesserung der Effizienz haben die Ingenieure ein neues Hybrid-Transaxle-System mit zwei integrierten Elektromotoren entwickelt. Es ist um neun Prozent kompakter als sein Vorgänger.

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Gregor Hebermehl
Jetzt speichert ein Lithiumionen-Akku Energie für den Hybridantrieb. Er ist 9,4 Kilogramm leichter als die Nickel-Metallhydrid-Batterie des Vorgängers.

Lithiumionen-Akku statt Nickel-Metallhydrid-Batterie

Die bisher eingesetzte Nickel-Metallhydrid-Batterie ersetzt Toyota gegen einen modernen Lithiumionen-Akku. Der ist kompakter, um 27 Prozent (9,4 Kilo) leichter und speichert mehr Leistung. Das Hybridsystem des neuen Yaris ist selbstladend – eine extern nachladbare Plugin-Variante könnte später folgen. Für bestimmte Märkte, vermutlich auch für Europa, kündigt Toyota auch reine Verbrennungsmotor-Antriebe mit dem 1,5-Liter-Dreizylinder und einem 1,0-Liter-Dreizylinder an.

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Die Auslieferungen des neuen Toyota Yaris beginnen in der zweiten Hälfte 2020.

Der neue Toyota Yaris kommt in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf den Markt, die Preise sind noch nicht bekannt, die aktuelle dritte Generation geht mit 72-PS-Benziner bei 13.640 Euro los, für die Hybridvariante berechnen die Japaner 18.590 Euro.

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Fazit

Den neuen Yaris hat Toyota außen, innen und technisch gründlich angepackt. Herausgekommen ist ein Kleinwagen, der frisch und sportlich aussieht, innen gute Platzverhältnisse bietet und in Sachen Hochwertigkeit deutlich vor seinem Vorgänger liegt.

In Sachen Fahrverhalten müssen wir auf erste Fahrberichte warten, allerdings sind das deutlich steifere Chassis, das weniger wankfreudige Fahrwerk und der kraftvollere Antriebsstrang vielversprechend. Sollte auch noch die Performance stimmen, könnte Toyota mit dem Kleinen ein großer Wurf gelungen sein.

Tech & Zukunft Technik erklärt 09/2019, Toyota-Kleinwagenplattform GA-B GA-B-Plattform Toyota entwickelt neue Kleinwagen-Plattform

Die Japaner erweitern die TNGA-Plattform-Familie um den GA-B-Baukasten.

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