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McLaren 600LT
Porsche 911 Turbo S
McLaren 600LT, Exterieur
Porsche 911 Turbo S 14 Bilder

Porsche 911 Turbo S (992) gegen McLaren 600LT

Leichtbau gegen Porsche-Perfektion

Der neue Porsche 911 Turbo S (992.1) stellt sich dem McLaren 600LT. Der Elfer punktet mit mehr Leistung, mehr Drehmoment und der typischen Porsche-Perfektion. Doch der McLaren stellt sich mit aller Macht dagegen.

Es ist Fluch und Antrieb zugleich. Wie mache ich einen Sportwagen besser, der im Alltag mit Komfort glänzt und auf der Rennstrecke schnelle Rundenzeiten erlaubt, ohne Schweißausbrüche zu erleiden? Der Porsche 911 Turbo S, Generation 991.2, war der Alleskönner unter den Supersportwagen. Ein scheinbarer Perfektionist sozusagen.

Ein Sportwagen, mit dem man die Kleinkinder auf der Rückbank in den Kindergarten bringen kann, danach selbst zur Arbeit fährt und am Abend über die Landstraße fetzt. Oder über die Rennstrecke. Sicherer Geradeauslauf bei hohem Tempo auf der Autobahn, hoher Federungskomfort in der Stadt, 580 PS, ein Drehmoment von bis zu 750 Newtonmeter, eine Rundenzeit von 7:17 Minuten im Supertest auf der Nürburgring-Nordschleife. Noch Fragen?

McLaren 600 LT / Sperrfrist 28.06.18 14 Uhr
McLaren
Der McLaren 600LT ist vom Auftritt her deutlich auffälliger als ein Porsche 911 Turbo S.

Perfektionist gegen Exot

Doch besser geht immer. So denken Ingenieure. Für sie bedeutet Stillstand einen Rückschritt. Jedes neue Auto muss besser werden. Auch wenn der Vorgänger die Messlatte noch so hochgelegt hat. Mit dem neuen 911 Turbo S, Generation 992, sei dieser Fortschritt gelungen, verspricht Porsche. Klar, was soll der Hersteller auch anderes sagen. Wie gut der neue Allradler ist, wird sich erst bei Tests herausstellen.

Bis es soweit ist, bleibt nur der Vergleich anhand von Zahlen. Als Konkurrent eignet sich ein Sportwagen, der nicht den Perfektionisten raushängen lässt, sondern den Exoten spielt. Die Rede ist von McLarens 600LT, der ähnlich schnell beschleunigt wie der 911 Turbo S, ähnlich teuer ist, aber mit anderen Eigenschaften heraussticht.

Allein schon seiner Optik wegen. Nach welchem der beiden würde man sich in Deutschland sofort umdrehen? Der McLaren ist kerniger, auffälliger, seltener als ein Elfer. Und mit seinem geringen Gewicht setzt er den zweiten Stich. So ein 600LT wiegt auf dem Papier fast 300 Kilogramm weniger als ein Turbo S.

Porsche ruft für seinen neuen 650-PS-Sportwagen einen Grundpreis von 218.181 Euro auf. Der McLaren 600LT kostet ab 230.000 Euro. Dafür erhält der Käufer einen zweisitzigen Sportwagen, den ein 3,8 Liter großer V8-Biturbomotor antreibt. Der 32-Ventiler leistet 600 PS bei 7.500 Touren. Das maximale Drehmoment gibt McLaren mit 620 Newtonmeter an.

Mit dieser Kraft schiebt der 600LT zwischen 5.500 und 6.500 Touren an. Ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, bei McLaren Seamless Shift Gearbox genannt, kümmert sich um die Kraftübertragung. Das Porsche-PDK hat einen Vorwärtsgang mehr.

Porsche 911 Turbo S
Porsche
Der Turbo S wiegt laut Datenblatt fast 300 Kilogramm mehr als der McLaren.

McLaren deutlich leichter

Der McLaren-Achtzylinder gehört nicht mehr zu den jüngsten. Das Grundgerüst hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, hat sich aber in unterschiedlichen Modellen bewährt. Der vier Liter große Achtzylinder bleibt anderen Modellen vorbehalten. Zum Beispiel dem McLaren 720S.

Es gibt in der Sportwagenbranche Turbomotoren, die spontaner auf Gaseinsatz reagieren und aus unteren Drehzahlregionen kraftvoller anschieben als der 3,8 Liter, urteilten unsere Tester. Und trotzdem reißt einen der McLaren 600LT mit. Weil der Turbomotor wenig Gewicht schleppen muss.

Das DIN-Leergewicht des englischen Supersportwagens beträgt laut Datenblatt 1.356 Kilogramm. Im Supertest von sport auto (Ausgabe 9/2019) wog der 600LT mit vollem Tank 1.434 Kilogramm. Der McLaren profitiert von seinem Kohlefaser-Chassis und Heckantrieb. Da kann der allradgetriebene Porsche 911 Turbo S nicht mithalten. Porsche spricht von einem DIN-Leergewicht von 1.640 Kilogramm.

Es trifft auf eine Leistung von 650 PS (bei 6.750/min) und 800 Newtonmeter, die zwischen 2.500 und 4.000 Touren auf die Kurbelwelle drücken. Sie sehen: Der Sechszylinder-Motor mit zwei Turboladern und variabler Turbinengeometrie häuft mehr Drehmoment an und stellt es dem Fahrer gleichzeitig früher parat. Dafür aber dreht der M838TE genannte McLaren-Motor höher. Maximal rotiere die Kurbelwelle 8.500 Mal in der Minute, sagt der britische Sportwagenbauer. Beim 911 Turbo S sind maximal 7.200 Touren drin.

McLaren 600LT, Exterieur
Achim Hartmann
Auf 100 km/h ist der 600LT langsamer als der Turbo S, auf 200 km/h dafür schneller.

Turbo S schneller auf 100 km/h

Vergleichen wir das Leistungsgewicht. Da kommt der McLaren 600LT auf einen Wert von 2,26 Kilogramm pro PS. Beim stärksten Serien-Elfer der 992-Baureihe sind es 2,52 kg/PS. Ein kleiner Vorteil für die Briten.

Mittelmotor gegen Heckmotor, Heckantrieb gegen Allrad. In 2,9 Sekunden soll der Longtail mit Launch Control aus dem Stand auf Landstraßentempo beschleunigen. Im Supertest verpasste der 600LT diese Marke jedoch knapp. Die Uhr stoppte nach 3,1 Sekunden. So oder so: In dieser Disziplin ist der stärkste Elfer einen Tick schneller. Er profitiert von seinem höheren Drehmoment.

Mit Allradantrieb und Launch Control sprintet der Turbo S laut Datenblatt in 2,7 Sekunden auf 100 km/h. Und da der alte Turbo S (991.2) seinen Sprintwert von 2,9 Sekunden auch tatsächlich bei Tests reproduzierte, kann man annehmen, dass der Neue das ebenfalls schafft.

Bis 200 km/h dreht der McLaren die Rangfolge um. Der 600LT soll nach 8,2 Sekunden durch die Lichtschranke rennen, der Elfer nach 8,9 Sekunden. Das wäre immerhin eine Verbesserung von einer Sekunde gegenüber dem Vorgänger. Bei der Höchstgeschwindigkeit herrscht praktisch Gleichstand: 330 km/h (911) zu 328 km/h.

Porsche 911 Turbo S
Porsche
Gegen Aufpreis hat der 911 Turbo S eine Hinterachslenkung an Bord.

Elfer mit Hinterachslenkung

Porsche fährt bei der Fahrwerkstechnik groß auf. Eine hydraulische Wankstabilisierung und ein elektronisch geregeltes Hinterachsdifferential sind im Grundpreis enthalten. Wer die Fahrdynamik weiter steigern will, muss ein Häkchen in der Optionsliste beim PASM-Sportfahrwerk setzen. Kostenpunkt: 1.487,50 Euro.

Dann legt Porsche den 911 Turbo S um zehn Millimeter tiefer, ändert Federn, Dämpfer und Stabis und stimmt die Regelsysteme auf noch sportlicheres Fahren ab. Und: Die Hinterachslenkung ist dann an Bord. Gegenlenkende Hinterräder bei niedrigen Geschwindigkeiten verbessern die Wendigkeit in langsamen Kurven. Mitlenkende Hinterräder verlängern bei höheren Geschwindigkeiten virtuell den Radstand, stabilisieren und erlauben so höhere Geschwindigkeiten in langgezogenen, schnellen Kurven.

Solche Gimmicks kennt der McLaren 600LT nicht. Der Brite beschränkt sich auf die Basics: ABS, ESP (ESC), Traktionskontrolle und Launch Control. McLaren spart sich selbst eine Differentialsperre an der Hinterachse. Frontlippe und Heckflügel haben beide. Bei McLaren ausgeprägter und feststehenden, bei Porsche ausfahrend. Beide verzögern mit einer Keramikbremsanlage, die bei Porsche größer ausfällt. Wie auch die Räder.

McLaren schnallt an die Vorderachse Reifen der Dimension 225/35 R19. Hinten sind es 285/35 R20. Bei Porsche fällt die Mischbereifung so aus: 255/35 und 315/30 auf 20 Zoll vorn und 21 Zoll hinten. McLaren stellt seinen 600-PS-Sportwagen auf Pirelli P Zero Trofeo R. Darauf umrundete der Longtail die Nürburgring-Nordschleife in 7.08,82 Minuten, also etwa neun Sekunden schneller als der alte Turbo S. Diese Rundenzeit ist die Referenz für den neuen 911 Turbo S, 992.1.

Fazit

Egal, ob McLaren 600LT oder Porsche 911 Turbo S: Beide sind sauschnell. Wer Komfort bevorzugt, sollte zum Elfer greifen. Wer es radikaler möchte, den McLaren wählen.

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