Wenn Du zum ersten Mal vor dem ID. Polo GTI stehst, hast Du einen fetten Golf-V-GTI-Moment. So wie damals, als VW das GTI-Lenkrad wieder fest in die Hand nahm und aus einer blutleeren Ausstattungsvariante bei Gen. 4 wieder einen vollwertigen GTI machte. Richtige Optik außen mit Wabengrill, Wählscheibenrädern und roten Akzenten, richtige Optik innen mit haltstarken Karostoffsitzen und dreidimensionalen Instrumenten, richtiger Motor mit Zweiliter-Turbodirekteinspritzer sowie richtigem Fahrwerk mit Elektrolenkung und Multilenker-Hinterachse. Das Ganze noch stimmig zusammengebracht. Unvergessen die Werbespots, in denen Peter Stormare als deutscher Ingenieur Konkurrenz-Hatches gewaltsam ins Nirwana beförderte. Der GTI fuhr nicht ins Nirwana, sondern in die Herzen der GTI-Fans.
Tornadorotes Déjà-vu
Das könnte dem elektrischen Polo GTI jetzt auch gelingen. Mit einem tornadoroten Déjà-vu. Er heißt zwar noch (oder wieder?) Polo, geht die Sache aber irgendwie entschlossener an als der vor Kurzem eingestellte Verbrenner-Polo-GTI. Der röhrte immerhin auch per Zweiliter-Turbo, aber nie so hundertprozentig mit dem nötigen Charakter. Den zu erzeugen, ist halt nicht so leicht. Umso schwieriger jetzt mit einem Elektriker. Doch man sieht die Mühe, liest die Daten und kennt aus buchstäblicher Erfahrung bereits den Zwilling Cupra Raval VZ. Der powert ebenfalls mit der maximalen Ausbaustufe des APP290-Einheitsmotors der neuen Frontantriebs-Bande aus Wolfsburg, Mlada Boleslav und Martorell, allesamt gefertigt in Martorell.
226 PS lässt der Permanentsynchron-Motor auf die Vorderachse mit der elektronisch geregelten mechanischen Quersperre (VAQ) los. Dieselbe, die den größeren Kollegen von Cupra und VW in die Spur hilft. Eine Quersperre, die nicht mit Bremseingriffen arbeitet, sondern mechanisch per Lamellenkupplung. Sie verteilt die Kraft asymmetrisch auf die Vorderräder, ermöglicht also Torque Vectoring. Und da sie elektronisch gesteuert wird, arbeitet sie feinfühliger und situativer als rein mechanische Systeme, die ja manchmal ganz schön rupfen und in die Linie pfuschen.
Mechanisch-elektronische Quersperre und Adaptivdämpfer
Beim Vorserien-Raval tat sie das jedenfalls nie und deshalb wird sich auch der ID. Polo GTI mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schwungvoll und feinsinnig Kurven widmen. Feinsinnig schon deshalb, weil sein Fahrwerk (MacPherson vorn, Verbundlenkerachse hinten) mit Adaptivdämpfern operiert. Und wenn 226 PS und maximal 290 Newtonmeter auf einen gut vier Meter langen und rund 1,6 Tonnen schweren Hatchback einwirken, muss einfach GTI-Fahrfreude dabei rauskommen.
Die kündigt sich schon im Innenraum an. Der profitiert zunächst vom Elektro-Package, mit dem relativ flach im Boden liegenden, selbst entwickelten und gefertigten Akkupack mit 52 kWh Kapazität netto, das zudem den Schwerpunkt senkt. Statt eines raumfressenden Mitteltunnels bietet der Polo hier unterschiedliche Ablagen, im Kofferraum gibt es ein großes Fach unter dem Boden. Vor allem aber kommt er mit zwei ebenso gut aussehenden wie stützenden Sportsitzen samt Großkaro-Stoffbezug. Die Progressivlenkung kommandiert ein griffiges Sportlenkrad inklusive beleuchtetem GTI-Zeichen. Dieses ist gleichzeitig Taster für den GTI-Modus, der den Sport-Polo in Lenkung, Pedalkennlinie und Dämpfern anschärft. Selbst die Sperre kann nun effektiver wirken.
6,8 auf hundert, 175 km/h Topspeed
Und wer sich mit der Beschleunigung von Null auf Hundert in 6,8 Sekunden und der Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h vertraut gemacht hat, wird feststellen, dass das Laden mit maximal 105 kW doch etwas länger dauert als bei manch fixerem Mitbewerber, speziell solchen mit 800-Volt-Technik. Dies ist dem grundsätzlichen Anspruch der MEB+-Baureihe auf Bezahlbarkeit geschuldet – wie auch die maximale AC-Ladefähigkeit von 11 kW. Immerhin soll die Ladung von 10 auf 80 Prozent SoC in 24 Minuten erledigt sein, der GTI bei WLTP-konformer Fahrweise grundsätzlich 424 Kilometer weit kommen. Exzess fordert eben Zuschlag.
So oder so: Wir freuen uns drauf!
Fazit
| VW ID. Polo GTI 166 kW | |
| Außenmaße | 4053 x 1816 x 1530 mm |
| Kofferraumvolumen | 435 l |
| Verbrauch | 0,0 kWh/100 km |












