Mercedes testet Elektro-Lkw eActros

Elektrischer Actros kommt 2021

Mercedes E-Actros. Mercedes-Benz eActros Mercedes-Benz eActros Mercedes-Benz eActros 17 Bilder

Eine Flotte von 10 eActros schickt Mercedes schon 2018 zum Testen auf die Straße, ab 2021 soll der Elektro-Lkw in Serie gebaut werden. Erforscht werden sollen zunächst Alltagsnutzen, Energieverbrauch und Wirtschaftlichkeit. Wir sind mitgefahren.

Testen statt Ankündigen: Während Firmen wie Tesla oder Nikola Elektro-Lkw mit schier unglaublichen Reichweiten und Fahrleistungen ankündigen, geht Mercedes auf die Straße: Noch in diesem Jahr testen Kunden 10 Elektro-Actros, ab 2021 soll der elektrische Lastwagen serienreif sein. Bis dahin gilt es, Reichweite, Nutzen und Kosten zu klären. Das Projekt fördern die Ministerien für Umwelt und Wirtschaft aus einem Zehn-Millionen-Topf.

Zwei Elektromotoren mit je 485 Nm

Der elektrische Actros fährt ganz konkret mit einer aus einem Hybrid-Omnibus entlehnten Portalachse von ZF, die für den Einsatz im Lastwagen stark modifiziert wurde: Unter anderem steigt die Bodenfreiheit auf 20 Zentimeter. Nahe der Radnaben sitzen zwei Elektromotoren, die mit jeweils 170 PS und 485 Nm den Lkw ähnlich zügig antreiben sollen wie ein Dieselmotor. Wobei der Elektromotor den Vorteil hat, dass er keine Drehmomentkurve kennt und keinen Lärm macht.

Akkus mit 240 kWh Kapazität

Gedacht sind die 18 und 25 Tonnen schweren Zwei- und Dreiachser für den innerstädtischen Verteilerverkehr. Dort sollen sie mit einer Akkuladung bis zu 200 Kilometer weit fahren können. Sind die elf Akkupakete mit insgesamt 240 kWh Kapazität leergefahren, hängt der eActros je nach Lademöglichkeit mit 20 bis 80 kW in drei bis elf Stunden wieder aufladen.

Elektrische Nebenaggregate

Die Akkus sind in Stahlgehäusen im Rahmen untergebracht. Bei einem Unfall geben laut Mercedes zunächst die Halterungen nach, bevor sich die Gehäuse verformen. Drei Akkupakete sind im Rahmen untergebracht, acht unterhalb des Rahmens. Nebenaggregate wie der Druckluftkompressor für die Bremse, die Servolenkung und das Kühlaggregat für den Aufbau werden elektrisch betrieben. Zusätzlich zum Hochvolt-Netz für den Antrieb versorgt ein 12-Volt-Netz Licht, Blinker, Hupe und Fahrerhaus mit Strom.

Fahreindruck von der Mitfahrt

Doch nun zur spannenden Frage: Wie fährt sich der eActros? Dies lässt sich vorerst nur aus Beifahrersicht beantworten, da auf dem Testgelände in Stuttgart-Untertürkheim ausschließlich Werksfahrer ans Steuer dürfen. Aus der Beifahrerperspektive macht der Fahrer das, was er auch im konventionellen Actros oder Antos macht: Motor beziehungsweise Bordnetz starten – das typische Klack-Geräusch fällt hier deutlich intensiver aus und ist rund ums Fahrzeug zu vernehmen -, Tritt aufs Bremspedal, beim Lenkstockschalter auf „D“ schalten und die Feststellbremse lösen: Noch ein Blick in die Spiegel und das Erlebnis eActros kann beginnen.

Beschleunigt lautlos und brachial

Wenn der Fahrer beherzt aufs Gas tritt, was natürlich unnötig Strom verbraucht, aber an der Ampel garantiert für erstaunte Autofahrergesichter sorgen wird, beschleunigt der ausgewachsene Lastwagen so brachial, dass einem glatt der Stift von der Ablage entgegen fliegt. Und das, wie von kleineren E-Fahrzeugen bekannt, stufen- und nahezu geräuschlos. Auf der Strecke dreht der eActros aber genauso unaufgeregt und zuverlässig seine Runden, mit dem stetigen Auf und Ab der Federung, wie sein konventioneller Bruder. Ob der eActros die Spediteure im harten Arbeitsalltag genauso elektrisiert wie die Pressevertreter, nicht mehr leer auf der freien Teststrecke sondern beladen mitten im Großstadtdschungel, wird sich dann im Laufe des Jahres zeigen.

Der Eindruck von der Mitfahrt stammt von eurotransport.de

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