Porsche Taycan (2019) vor dem Produktionsstart

So kommt der Elektro-Sportwagen

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Auf der IAA 2015 hatte Porsche die Studie Mission E gezeigt. 2019 kommt das Serienmodell des sportlichen Elektro-Viersitzers als Porsche Taycan auf den Markt – und zwar zuerst als Topversion mit 600 PS und 500 Kilometer Reichweite. Drum wird der Taycan nicht ganz billig – aber günstigere Versionen und eine Karosserievariante sind schon beschlossen. Alles, was wir über den neuen Elektro-Porsche wissen.

„Taycan – so heißt der Porsche Mission E nun offiziell“, verrät Porsche-Chef Oliver Blume im Rahmen des Festaktes „70 Jahre Porsche-Sportwagen“ im Porschemuseum. Der Name Taycan kommt aus dem Türkischen: Tay = Fohlen und Can = Leben, Seele. Porsche übersetzt es frei in „lebhaftes, junges Pferd“. Auf der IAA 2015 hatte Porsche die Studie Mission E gezeigt. 2020 kommt also das Serienmodell mit dem Namen Porsche Taycan – die neusten Fakten zum 600 PS starken Elektro-Sportwagen und dem neuen Werk in Zuffenhausen.

Taycan vor dem Produktionsstart

Porsche bereitet sich auf die Serienfertigung des viertürigen Elektro-Sportwagens Taycan vor, krempelt dafür die Produktion im Stammwerk Zuffenhausen um, kümmert sich um eine Schnellade-Infrastruktur. Die größte Herausforderung allerdings: Der Taycan muss Geld in die Unternehmenskasse bringen.

Porsche Taycan Produktion Foto: Porsche
Virtueller Einblick in die künftige Taycan-Produktion.

Manchmal liegen Anfang und Ende erschreckend nahe beieinander, mit bedrückender Offensichtlichkeit. Jene drei Taycan, die im dritten Stock eines Gebäudes im Werk Zuffenhausen in Handarbeit gefertigt werden, tragen ihr Ende schon im Lack. Dessen orange Farbe deutet nicht etwa auf eine Zukunft bei der Autobahnmeisterei als Schnelleinsatzfahrzeug hin, sondern auf ein Schicksal bei Crashtests. Andererseits: Allen weiteren Taycans der so genannten Produktionsvorserie, kurz PV, droht in absehbarer Zeit ebenfalls das Recycling. In den Verkauf gehen diese Fahrzeuge nicht. Die Serienproduktion beginnt in rund einem Jahr, bis dahin gilt es noch einige Baumaßnahmen fertigzustellen.

Ein komplett neues Modell, dass eine völlig eigenständige Architektur aufweist, dazu noch mit batterieelektrischem Antrieb in ein bestehendes Werk zu integrieren, das dazu noch mitten in einer Stadt liegt? Eigentlich unmöglich. „Tatsächlich wäre rein betriebswirtschaftlich nur ein Werk auf der grünen Wiese infrage gekommen. Nur das Entgegenkommen der Belegschaft ermöglichte diesen Schritt“, erklärt Albrecht Reimold, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Produktionsvorstand von Porsche. Die Mitarbeiter zahlen nun einen Teil der tariflich vereinbarten Lohnerhöhungen der nächsten Jahre in einen Fonds ein, zudem wurde die 35-Stunde-Woche wieder eingeführt (zuvor: 34 Stunden).

Riesiger Aufwand, hohe Kosten

Der Aufwand jedenfalls ist beträchtlich: Allein um die entsprechenden Flächen für die Neubauten zu erschließen, wurden in 21 Projekten rund 50 Millionen Euro verbuddelt. Und der Aufwand soll sich lohnen. Die Produktion muss flexibel sein, denn im Vorstand regiert der Optimismus: „Wir planen derzeit mit einer Jahreskapazität von 20.000 Einheiten, doch die Resonanz potenzieller Kunden ist sehr positiv. Beim Macan haben wir mal mit 40.000, bestenfalls 50.000 Einheiten geplant, zuletzt bauten wir 90.000 Fahrzeuge pro Jahr.“

Porsche Taycan Produktion Foto: Porsche
Porsche bereitet sich auf die Serienfertigung des viertürigen Elektro-Sportwagens Taycan vor, krempelt dafür die Produktion im Stammwerk Zuffenhausen um.

Zudem seien durchaus weitere Varianten denkbar, eine nimmt die Studie Cross Turismo vorweg, deren Serienfertigung der Vorstand am 18. Oktober 2018 beschlossen hat. „Da sind wir sehr kreativ. Denken Sie daran, dass der 911 ja auch nur in einer Variante startet. Und wie viele haben wir heute?“ sagt Reimold. Übrigens: Die Fertigungstiefe des Taycan liegt auf einem ähnlichen Niveau wie die der Baureihen 911 und 718, die weiterhin in Zuffenhausen von den Bändern laufen.

Ein Band indes wird es für den Taycan nicht geben. Stattdessen bewegen sich die Elektro-Porsches auf autonom fahrenden Transportwagen durch die Hallen. Nichts Neues? Stimmt. Fast zumindest, denn die Transportwagen stoppen nicht mehr an einzelnen Stationen sondern bewegen sich kontinuierlich fort. Zu den Derivaten äußerst sich Finanzvorstand Lutz Meschke noch ein wenige konkreter: „Ja, daran arbeiten wir, investieren rund 500 Millionen Euro“. Was er nicht sagt: Damit sind zunächst unterschiedliche Leistungsstufen der viertürigen Limousine gemeint – und eben jener Cross Turismo.

Zweistellige Rendite

Doch er ist unumgänglich, denn Meschke bekräftigt, dass „auch der Taycan jene 15 Prozent Rendite erwirtschaften muss, die auch die anderen Baureihen bringen“. Hinter vorgehaltener Hand räumen Porsche-Manager ein, dass das eher als mittelfristiges Ziel zu verstehen sei. Aber eine gerade so zweistellige Rendite wäre durchaus von Beginn an möglich, heißt es. Dazu trägt auch bei, dass interne Vorgaben das Unternehmen zwingen, die Effizienz der Produktion jährlich um sechs Prozent zu steigern, drei Prozent müssen alle anderen Bereiche bringen.

Damit das alles funktioniert, darf der Taycan Käufer und Fans der Marke nicht enttäuschen. „Die Ziele gelten noch immer: In weniger als 3,5 Sekunden von Null auf 100 km/h, mehr als 600 PS Leistung sowie eine Reichweite von rund 500 Kilometern nach NEFZ“, bekräftigt Robert Meier, Projektleiter Gesamtfahrzeug Taycan. Die markentypische Fahrdynamik könne unter anderem durch den tiefen Schwerpunkt realisiert werden, der 80 Millimeter unter dem des aktuellen 911 liege. „Hinzu kommen die permanent erregten Synchronmotoren, die reproduzierbare Höchstleistung ermöglichen“.

Porsche Mission E Cross Turismo
Elektro-Kombi geht in Serie

Zu der Batteriekapazität macht der Hersteller noch keine Angaben, nur dass das im Fahrzeugboden untergebrachte Akku-Paket aus 400 Zellen besteht und idealerweise in einem Temperaturfenster von 20 bis 40 Grad Celsius arbeitet. Die Besonderheit ist die 800 Volt-Technik, die zum einen Kabel mit einem deutlich geringeren Querschnitt und damit geringerer Masse erlaubt, was sich positiv auf das Fahrzeuggewicht auswirkt. Zum anderen lässt sich der Taycan deutlich schneller laden, in 15 Minuten auf 80 Prozent der Gesamtkapazität oder in vier Minuten für 100 Kilometer Reichweite.

Dazu muss eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, wofür das Joint-Venture-Unternehmen Ionity zuständig ist. Bis 2019 entstehen 400 Ladestation mit einer Leistung von 350 kW. „Anfangs kostet hier ein Ladevorgang pauschal acht Euro“, sagt Michael Kiefer, Leiter Hochvoltsysteme bei Porsche Enigneering. Und dann? Keine Auskunft. Wie große der Energiebedarf ist, verdeutlicht Fabian Grill, Projektleiter Elektromobilität: „Bei einer angenommenen Jahresfahrleistung von 17.000 Kilometern verdoppelt ein Taycan den Stromverbrauch eines Drei-Personen-Haushaltes“. Daher müsse ein intelligentes Lademanagement etabliert werden, dass die Temperatur des Antriebs, die Energiequelle, den Energiepreis sowie andere Verbraucher berücksichtigt. Um sicher zu gehen, dass das klappt, werden in der Entwicklung rund 100.000 Ladevorgänge durchgeführt. Mehr noch: „Wir werden mit 200 Prototypen etwa sechs Millionen Testkilometer in der ganzen Welt abspulen“, sagt Projektleiter Meier.

Türkonzept nicht von der Studie

Auf dem Weg von der Studie Mission E zum käuflichen Taycan verliert der Sportwagen übrigens sein Türkonzept, bekommt vier konventionell angeschlagene Türen mit rahmenlosen Seitenscheiben – und B-Säulen. „Das hat einfach Gewichts- und Sicherheitsgründe“, erklärt Meier. Auch Kameras anstelle von Seitenspiegeln sein wegen der breiten hinteren Kotflügeln und der erforderlichen Einbaulage der Monitore in den Türinnenverkleidungen nicht zu realisieren gewesen. Design und Proportionen entsprechen aber weitgehend der Studie, soviel verraten die noch nicht kompletten PV-Fahrzeuge bereits.

Wenn sie rollen, dann geräuschlos. Doch das soll nicht so bleiben. „Der Taycan bekommt einen spezifischen Klang. Wir wollen dabei keinen Achtzylindermotor imitieren, sondern einen Elektro-Sound schaffen. Dazu nehmen wir den Klang direkt an der E-Maschine ab, filtern jene Frequenzen, die an einen Zahnarzt-Bohrer erinnern raus. Was bleibt, ist ein faszinierender, tiefer, eigenständiger Klang“, verrät Meier. Und was soll der Taycan nun kosten? „Der Preis liegt irgendwo in der Mitte von Panamera und Cayenne“, orakelt er. Unser Tipp: Ab 145.000 Euro geht’s los. Nach oben: Keine Grenzen. Denn: „Auch der Taycan wird ein hochindivduelles Modell sein, Porsche wird nie ein Massenhersteller werden“, bekräftigt Produktionsvorstand Reimold. Eine Lackierung in Autobahnmeisterei-Orange sollte also kein Problem sein, selbst wenn kein schnelles Ende an der Crash-Barriere droht.

Porsche testet Taycan gemeinsam mit Tesla Modellen

Porsche Taycan Foto: Jochen Knecht
Der Porsche Taycan soll 2020 auf den Markt kommen.

Porsche testete sein neues Sportcoupé mit Elektroantrieb zuletzt im hohen Norden unter winterlichen Bedingungen. Zuvor war das Elektroauto auf der Nordschleife unterwegs – allerdings noch unter der modifizierten Karosserie eines Porsche Panamera – und interessanterweise mit auffälligen Auspuff-Endrohren. Unter dem Blechkleid sind jedoch schon der Antriebsstrang, Fahrwerk und weitere technische Komponenten des künftigen Elektro-Porsche verbaut, die von den Ingenieuren auf Herz und Nieren geprüft werden. Die neusten Bilder geben auch einen ersten Eindruck von den Abmessungen des neuen Elektro-Porsche. Die Abgasanlage dient offenbar eher der Irreführung von Beobachtern – unser Erlkönigfotograf gab jedenfalls zu Protokoll, dass ihnen weder Schall noch Rauch entwich. Das ließ sich ausgerechnet beobachten, als die Testflotte in eine Tankstelle einfuhr. Begleitet wurden die Mission E-Erlkönige übrigens von Tesla Model S- und Model X-Modellen.

Porsche Mission E Foto: Porsche
Der Porsche Mission E in der Fertigung: Zu sehen, die kleine Heckklappe und der "Sport Auto"-Aufkleber unserer Schwesterzeitung auf dem Werkstattwagen ;)

Auf dem Genfer Autosalon zeigte Porsche mit dem Porsche Mission E Cross Turismo einen weiteren Ausblick auf den Elektro-Sportwagen. Nun gibt es weitere Bilder, die den Mission E in der Produktion zeigen. Auffällig, die vergleichsweise kleine Heckklappe. Außerdem zu erkennen, die Linienführung des Dachs, die neuen Scheinwerfer und der schwarz hinterlegten LED-Leuchten. Besonders freut uns an der Stelle, dass die Porsche-Werker offensichtlich große Fans unserer Schwester-Zeitschrift „Sport Auto“ sind und ihren Werkstattwagen mit einem entsprechenden Aufkleber verziert haben!

Taycan mit Porsche-Dynamik

IAA 2015, Porsche Mission E
Porsche Konzeptstudie Mission E auf der IAA 1:25 Min.

Am 4. Dezember 2015 – verschickte Porsche eine Pressemitteilung, in der der Mission E angekündigt wurde: „Der erste rein elektrisch angetriebene Porsche kommt auf die Straße. Der Aufsichtsrat hat grünes Licht für das Projekt Mission E gegeben“. Der neue Porsche-Chef Oliver Blume, glaubt man schlage damit ein „neues Kapitel in der Sportwagengeschichte auf“. Wermutstropfen: Das Fahrzeug – intern unter dem Code „J1“ geführt – soll erst Ende dieses Jahrzehnts auf den Markt kommen. Aber angesichts der Eckdaten des Mission E stehen die Chancen gut, dass auch Porsches Elektrosportwagen, der als Taycan in Serie gehen wird, die markentypische Dynamik nicht vermissen lassen wird.

Denn das genau ist Porsche natürlich besonders sehr wichtig. Gegenüber dem britischen Magazin „Top Gear“ sagte Blume: „Es ist wichtig das Fahrerlebnis von Porsche auf ein Elektroauto zu übertragen. Wir können kein E-Auto unter der Marke Porsche bauen, das nicht die Erwartungen der Kunden an ein Porsche-Modell erfüllt“. Der Porsche Taycan werde sich wie ein 918 Spyder im E-Modus fahren.

Längsdynamisch hatte bislang die wenigsten E-Autos dank ihres enormen Drehmoments bei niedrigen Drehzahlen Probleme. Damit der Taycan auch bei der Querdynamik ein markentypisches Niveau schafft, wandte Porsche beim Batterielayout einen Trick an, der einen besonders niedrigen Schwerpunkt erlaubt: Der Akku sitzt zwar wie bei den meisten E-Autos zwischen den Achsen im Fahrzeugboden, aber um trotz der geringen Fahrzeughöhe (der Taycan soll die 1,30 Meter des Concept Cars nicht wesentlich überragen) noch genug Platz für die Passagiere zu erhalten, planten die Ingenieure „Fußgaragen“ ein. Soll heißen: In den vier Fußräumen sitzen in der Bodengruppe des Elektroautos keine Batteriezellen – der Akku hat insgesamt die Form eines flachen Quaders, spart aber vier kleine Quader vor den Sitzen aus. Dort bleibt entsprechend Platz für die Füße der Passagiere, während die Sitzschienen quasi auf Akkuzellen montiert sind.

Porsche 918 Spyder im Supertest
Der Herr des Rings

Türkonzept des Porsche Mission E wird überarbeitet

Auch zum kommenden Design des Porsche Mission E äußerte sich der CEO: „Das Design wird sehr ähnlich sein, wir müssen jedoch ein paar Kleinigkeiten ändern“, so Blume. Insbesondere das Tür-Konzept mit den gegenläufig zu öffnenden Türen ohne eine B-Säule wird wohl nicht in die Serie zu retten sein. „Das ist ein großes Problem“, so der Porsche Boss, „aber unsere Idee ist, etwas ähnliches zu machen.“

Auch in Sachen Technik gibt es bereits die ersten Hinweise. Die Stuttgarter bauen für den Porsche Taycan eine Elektroplattform auf, die strukturell unterschiedlich zu der EV-Plattform von Volkswagen ausfällt. Des Weiteren soll die Reichweite der Studie von 500 km auf das Serienmodell übertragen werden, ebenso die Ladezeit von 15 Minuten. Allerdings ist sich Porsche bewusst, dass es aktuell keine Ladeinfrastruktur mit 800-Volt-150 kW-Ladesäulen gibt. Gegenüber auto motor und sport sagte Blume: „Der Staat möchte Elektromobilität fördern und wird deshalb Investitionen in die Infrastruktur tätigen müssen. Aber als Hersteller haben wir auch ein großes Interesse an einem schnellen Ausbau des Ladenetzes. Ich will nicht ausschließen, dass wir selbst in Lade-Infrastruktur investieren. Wichtig ist, dass ein solches Netz nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern schnell entsteht. Für uns liegt die Priorität dabei auf einem flächendeckenden Schnellladenetz mit einer Leistung von über 150 kW pro Ladestation.

Abmessungen und Karosserie-Layout

09/2015, Porsche Mission E Foto: Porsche
Das Design des Mission E wird in weiten Teilen in die Serie gerettet.

Der nur 1,30 Meter hohe Porsche Mission E trat auf der IAA 2015 als viersitzige Studie an, und liegt mit seinem Design irgendwo zwischen 911 und Panamera. Im Streben nach aerodynamischer Effizienz trägt der Mission E zahlreiche Luftein- und -auslässe an Front, Seite und Heck. Die so durchströmte Karosserie aus Aluminium, Stahl und kohlefaserverstärktem Kunststoff soll den Verbrauch drücken und die Fahrdynamik steigern. So verbessern integrierte Luftführungen die Umströmung der Räder, Auslässe in den Flanken verringern den Überdruck in den Radhäusern und damit den Auftrieb. Die Front des Mission E wird durch Matrix-LED-Scheinwerfer im Vier-Punkt-Lichtdesign geprägt. Die Flanken zeigen gegenläufig öffnende Türen ohne B-Säule, sowie 21 und 22 Zoll große Räder aus Kohlefaserlaminat. Die Außenspiegel wurden durch Kameras ersetzt. Am Heck sorgen kräftig ausgeformte Radläufe, ein schmales dunkles Lichtband unter einem Spoilerbürzel sowie eine fette Diffusorschürze für die entsprechende Sportwagenoptik.

Sitzprobe Porsche Mission E

Porsche Mission E Sitzprobe Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Porsche hatte uns auf der IAA 2015 exklusiv die Türen der Elektrostudie Mission E geöffnet und erste Einblicke in die Zuffenhausener Sportwagen-Zukunft gewährt. Die gegenläufig angeschlagenen, aber leider serienfernen Türen sind natürlich optisch erste Sahne, erleichtern aber auch den Einstieg in den Innenraum enorm, denn wer den Mission E entern will, muss sich ohnehin schon tief ducken. Vorbei an den breiten Seitenschweller aus Carbon geht es auf eng geschnittene, recht spärlich gepolsterte Sportledersitze, die auch in der zweiten Reihe in gleicher Form verbaut sind, die Studie ist als Viersitzer konzipiert. Die schmale Mittelkonsole läuft bis nach hinten durch.Besonders imposant ist der Arbeitsplatz des Fahrers. Das Lenkrad kennen Sportwagen-Fans schon aus dem 918 Spyder. Ähnlich wie im Hybrid-Sportwagen verläuft die frei stehende Mittelkonsole mit integriertem Touch-Pad und kleinem Getriebewähl-Knubbel schräg nach oben in den Armaturenträger – der Herberge zahlreicher Displays. Der gebogene Bildschirm hinter dem Lenkrad ist im Vergleich zu den volldigitalen Instrumenten aus aktuellen VW- und Audi-Modellen riesig und liefert dem Fahrer neben den wichtigsten Fahrinfos auch die Bilder der Außenkameras (ersetzen die Außenspiegel), Verkehrs- und Wetterdaten sowie Neuigkeiten aus sozialen Netzwerken. Weitere Daten des Infotainmentsystems liefert ein zweiter, schmaler Bildschirm der ab der Mittelkonsole bis zum Beifahrer reicht. Natürlich ist der Mission E auch vernetzt – so können die Passagiere online gehen oder sich das Fahrzeug beispielsweise mit der Werkstatt in Verbindung setzen. Einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal bleibt Porsche aber auch in seinen Zukunftsmodellen treu: Der Startknopf für die E-Motoren befindet sich linker Hand.

Nordschleife in unter 8 Minuten

Die schöne neue Porsche-Welt soll aber auch dynamisch fahren können. Dazu trägt der Taycan zwei Elektromotoren – an jeder Achse einen – die zusammen über 600 PS leisten und ihre Kraft per Torque Vectoring an die einzelnen Räder abgeben. Eine Allradlenkung sorgt für Agilität. Für den Spurt von Null auf 100 km/h gibt Porsche 3,5 Sekunden an, die 200-km/h-Marke soll in unter 12 Sekunden fallen. Vmax? keine Angabe. Dafür soll der Porsche Taycan die Nordschleife in unter 8 Minuten schaffen. “Ich war bereits mit einem Entwicklungsfahrzeug auf der Straße. Die Power beim Durchbeschleunigen ist sehr beeindruckend – vor allem schafft er zahlreiche Sprints, ohne dass die Reichweite direkt in den Keller sinkt„, verspricht Porsche-Pressesprecher für Elektromobilität Mayk Wienkötter.

Als Reichweite mit einer Batterieladung nennt Porsche rund 500 Kilometer. Revolutionär soll aber die Turbo Charging-Ladetechnik sein. Über einen 800 Volt-Anschluss soll die im Wagenboden liegende Lithium-Ionen-Batterie in rund 15 Minuten zu etwa 80 Prozent wieder geladen sein – das wäre Saft für 400 Kilometer. Der Mission E soll sich sich aber auch konventionell und sogar induktiv laden lassen. In nur vier Minuten tankt der Sportwagen Energie für 100 Kilometer Reichweite. In einer Kooperation mit Daimler, BMW, VW, Audi, Ford, sowie dem Raststättenbetrieber Tank und Rast plant Porsche den Ausbau einer schlagkräftigen Ladeinfrasturktur für Deutschland und Europa. Zielsetzung: Nie mehr als 120 Kilometer Entfernung zwischen zwei Ladestationen.

Die Mega-Baustelle von Porsche

Porsche Mission E Werk Zuffenhausen Baustelle Foto: Porsche AG / Marco Prosch
Rund eine Millarde Euro hat Porsche bereits in die Mega-Baustelle in Zuffenhausen investiert. Hier soll der Mission E CO2-Neutral gebaut werden.

Inzwischen (Januar 2018) sind die Bauarbeiten an der Produktionsstätte des Taycan in Zuffenhausen weit gediehen, nachdem der Aufsichtsrat im Dezember 2015 grünes Licht für das Projekt “Mission E„ gegeben hatte. 28.000 Lkw-Ladungen Erdaushub gab es bereits, 15.000 Betonmischer wurden bis dato entleert. Mit 38.000 Tonnen Stahl hat Porsche Material in der Größenordnung von mehr als 100.000 Sportwagen-Karossen verarbeitet. Dafür sind zu Spitzenzeiten bis zu 2.000 Bauarbeiter und Anlagenspezialisten tätig. Insgesamt soll eine Fläche begrünt werden, die der fünffachen Rasenfläche des Berliner Olypmiastadions entspricht; die Bruttogeschossfläche liegt bei 170.000 Quadratmetern. Eine Millarde Euro hat Prosche bislang am Standort investiert, insgesamt entstehen 1.200 neue Arbeitsplätze. Porsche möchte von seinem Elektroauto rund 30.000 Einheiten CO2-neutral produzieren.

Porsche Mission E Cross Turismo
Elektro-Kombi geht in Serie

Fazit

Der Preis des Taycan soll zwischen Cayenne und Panamera liegen – bei vergleichbarer Leistung. Weil der Taycan mit der Topversion und 600 PS in die Serie startet, wird wohl anfangs der Funke zum Elektro-Porsche nur überspringen, wenn zuvor mindestens 145.000 Euro geflossen sind.

Die bereits bestätigten schwächeren Varianten könnten bei etwa 95.000 Euro beginnen. Der ebenfalls beschlossene Taycan Cross Turismo dürfte zur Version ohne Kombiheck den gleichen Preisabstand haben, wie der Panamera Sport Turismo zum Panamera (rund 7000 Euro). Er wird also anfangs mindestens 152.000 Euro teuer, später vielleicht für 102.000 Euro zu haben sein.

Aber mit hohen Preisen hat Porsche auch im bisherigen Portfolio kein Problem. Gegenüber anvisierten Rivalen wie dem Model S von Tesla wäre der Taycan immer noch konkurrenzfähig. Denn dem US-Pionier dürfte der Taycan der Längsdynamik ebenbürtig, aber bei der Querdynamik angesichts der angestrebten Rundenzeit auf der Nordschleife überlegen sein.

Und dass es Porsche damit ernst ist, zeigen die Erlkönige, die aktuell am Nürburgring zu beobachten sind. „Die Zukunft von Porsche hängt auch vom Mission E ab“, erklärte Blume beim Neujahrsempfang des Sportwagenherstellers. Den Fortschritts-Skeptikern sei an dieser Stelle aber auch versichert, dass das Lenkrad als solches, bei aller Weiterentwicklung immer ein Bestandteil eines Porsches bleiben werde. Denn, so sagte Oliver Blume, ein Porsche wird auch in der Zukunft noch ein Auto sein, das man selbst fahren will.

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