Nach der Insolvenz von Bugatti Automobili SpA im September 1995 verliert sich seine Spur. Erst rund 25 Jahre später wird das Auto wiederentdeckt. Jetzt soll es im Mai 2026 bei Mecum in Indianapolis versteigert werden.
Um die Geschichte einzuordnen, lohnt sich ein Blick zurück in die frühen 1990er-Jahre. Romano Artioli hatte Bugatti neu aufgestellt und in Campogalliano ein Werk aufgebaut, das technologisch ganz vorn mitspielen sollte. Der EB 110 war das Ergebnis dieses Anspruchs: ein Supersportwagen mit Carbon-Monocoque von Aérospatiale, Allradantrieb und einem 3,5-Liter-V12, der von vier Turboladern unterstützt wurde. Für die damalige Zeit war das eine ungewöhnlich komplexe Kombination.
Die Super-Sport-Version ging noch einen Schritt weiter. Weniger Gewicht, mehr Leistung (611 PS) und eine klare Ausrichtung auf maximale Performance. Insgesamt entstanden nur 30 Exemplare.
Während der Insolvenz nicht erfasst
Eines davon ist Chassis 39021. Seine Produktion beginnt am 30. März 1994, verläuft aber nicht nach dem üblichen Schema. Statt in den regulären Fertigungsprozess zu gehen, nutzt man das Fahrzeug laut Certificate of Conformity bei Zulieferern als Trainings- und Demonstrationsobjekt. Das verzögert die Fertigstellung und sorgt dafür, dass der Wagen im entscheidenden Moment nicht am richtigen Ort ist.
Als Bugatti 1995 Insolvenz anmeldet, steht das Auto bei einem externen Partner. Weil es keine finale Qualitätsfreigabe, die sogenannte "Beliberata", erhalten hat, wird es von den Insolvenzverwaltern nicht erfasst. Während andere Fahrzeuge dokumentiert und verwertet werden, fällt dieser EB 110 schlicht durch das Raster. Er gilt fortan als "verloren”.
Erst viele Jahre später taucht der Wagen wieder auf, und zwar in München. Ein Segen für die Automobilwelt, denn dieser EB 110 ist wie beschrieben eines der seltensten Modelle von Bugatti. Gleichzeitig befindet sich dieses Modell in einem sehr guten Zustand mit nur 674 Kilometern Laufleistung.
Technische Überholung
Nach der Wiederentdeckung geht es für den Bugatti zurück nach Italien. Bei B Engineering in Campogalliano kümmern sich ehemalige Mitarbeiter der damaligen Bugatti-Mannschaft um die technische Überarbeitung. Ziel ist keine Restaurierung im klassischen Sinn, sondern eine sorgfältige Wiederinbetriebnahme. Motor, Antrieb und Fahrwerk werden geprüft und auf Werksniveau gebracht, ohne die Originalsubstanz zu verändern.
Optisch entspricht der Wagen weiterhin seiner Auslieferungsspezifikation: Blu Bugatti außen, Grigio Scuro im Innenraum. Dazu kommen die originalen Unterlagen, Werkzeuge und das Certificate of Conformity. Auch auf internationaler Bühne bleibt das nicht unbemerkt. Bei The Quail 2022 und der Amelia Island Concours d’Elegance 2023 wird das Fahrzeug jeweils mit "Best in Class" ausgezeichnet.
Der EB 110 Super Sport gilt heute als eines der technisch prägendsten Modelle seiner Zeit. Allradantrieb, Turboaufladung und konsequenter Leichtbau treffen hier in einer Form zusammen, die viele Elemente moderner Hypercars vorwegnimmt. Die wenigen erhaltenen Exemplare sind endsprechend gefragt.
Auf dem Markt bewegen sich EB110 Super Sport aktuell meist zwischen zwei und über drei Millionen US-Dollar (1,71 bis 2,57 Millionen Euro). Dieses Fahrzeug nimmt durch seine Geschichte und den Erhaltungszustand eine Sonderstellung ein. Wenn es im Mai in Indianapolis unter den Hammer kommt, wird ein Preis von rund 2,5 Millionen US-Dollar (2,14 Millionen Euro) erwartet.
Im Video stellen wir Ihnen den Bugatti EB 112 vor.












