Geheime Hallen von VW: 5 Prototypen, die nie auf den Markt kamen

5 VW-Studien von 1965 bis 2016
Prototypen, die nie auf den Markt kamen

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.05.2026
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Zur im Jahr 2000 von Volkswagen in Wolfsburg eröffneten Autostadt gehört ein Museum, das für einen Autohersteller eher ungewöhnlich ist: Im Zeithaus zeigt der Autokonzern Modelle aus 140 Jahren Automobilgeschichte, die Design und Technik besonders geprägt haben. Da sind auch Autos der Konzernmarken dabei, doch die haben in den Pavillons des 28 Hektar großen Parks ihren eigenen Auftritt. Zur Sammlung des Zeithauses gehören mehr als 260 Fahrzeuge von 60 Marken. Nicht alle davon stehen ständig in einer der beiden Dauerausstellungen "Beziehungs-Kisten" und "Design-Ikonen" oder in einer der Sonderschauen. Bis November 2026 sind Studien und Rekordfahrzeuge von Bugatti zu sehen.

VW EA 128 Variant: Kombi für die USA

Was nicht in der Ausstellung steht, parkt im Depot. In den Heiligen Hallen des Museums stehen zwischen den Sammlungsautos diverse Prototypen von VW. Zum Beispiel ein EA 128, der rechts hinter dem großen Tor parkt. Nicht schlimm, wenn Ihnen EA 128 nicht sofort etwas sagt – dieses Auto hat VW nie in Serie gebaut, es blieb bei zwei Prototypen: einer Limousine und einem Kombi. Das Kürzel steht für "Entwicklungsauftrag". Mitte der Sechzigerjahre machte sich Volkswagen Gedanken über ein größeres Modell für die USA. Es sollte, das war in der Nordhoff-Ära klar, ein Auto mit luftgekühltem Boxermotor sein. Weil ein größeres Auto einen größeren Motor braucht, setzte man einen Sechszylinder ins Heck – ähnlich wie beim 1963 präsentierten Porsche 911. Von Porsche stammten unter anderem das Lenkrad und die Instrumente. Ob eine im Hubraum reduzierte 911-Maschine im Heck steckt, oder ein um zwei Zylinder verlängerter VW-Motor, ist nicht ganz klar. Sicher ist: Der 1,8-Liter-Sechszylinder leistet 85 PS bei 4800 U/min. Das reicht für 160 km/h – und locker für US-Highways. Da fast gleichzeitig der ähnlich konzipierte Chevrolet Corvair wegen seines tückischen Fahrverhaltens in Verruf kam, liegt die Vermutung nahe, dass es VW deswegen bei zwei Prototypen beließ.

VW EA 266: Nachfolger für den Käfer

Als Volkswagen einen Nachfolger für den Typ 1 brauchte, gab Heinrich Nordhoff Porsche den Auftrag, einen Auto zu entwickeln, das weniger als 5.000 Mark kosten, Platz für vier bis fünf Personen bieten und die Nachteile des Käfers vermeiden sollte. Der war damals mit seinem schmalen Innenraum, dem kleinen Kofferraum und der rundlichen Form etwas aus der Zeit gefallen; Konkurrenten wie der Opel Kadett A, der 1963 auf den Markt kam, wirkten moderner und boten mehr Platz. Porsche entschied sich für einen Mittelmotor, der flach unter der Rücksitzbank eingebaut, Platz für einen Kofferraum ließ. Die Passagiere auf der Rückbank saßen jedoch auf dem Motor und der Ölpeilstab war 1,5 Meter lang. Der niedrige Schwerpunkt brachte ein agiles Fahrverhalten, das im Grenzbereich jedoch tückisch werden konnte. Angedacht waren wassergekühlte Reihen-Vierzylinder mit 1,3 bis 1,5 Liter Hubraum und bis zu 105 PS. Diese sollten mit Vier- und Fünfgang- oder Automatikgetriebe kombiniert werden. Am Ende stoppte Volkswagen das Projekt, ließ bis auf zwei alle Prototypen vernichten und brachte 1974 den Golf auf den Markt; mit vorn quer eingebautem Vierzylinder, Frontantrieb und großer Heckklappe.

Auto 2000: Leichtbau für die Zukunft

Vier Jahre nach der Ölkrise von 1973/74 stellte das Bundesministerium für Forschung und Technologie 110 Millionen Mark zur Verfügung, damit Autohersteller und Hochschulen ein besonders sparsames, leises und sauberes Familienauto konstruieren. Audi, Mercedes, Opel und VW konstruierten jeweils ein Auto der Zukunft. Das Auto 2000 von VW stand 1981 auf der IAA. Leichtbau senkte das Leergewicht auf 780 Kilogramm; unter anderem kamen eine Motorhaube aus Aluminium und eine Kunststoff-Hinterachse zum Einsatz. Die Frontpartie des aerodynamisch optimierten Autos fans sich so ähnlich 1988 am Passat B3 wieder. Der Cw-Wert betrug günstige 0,35 und unter der Haube arbeitete ein Dreizylinder-Turbodiesel mit 1,2 Liter Hubraum und modernen Spritspar-Merkmalen wie Start-Stopp.

1-Liter-Auto: 0,89 Liter für 100 km

Ferdinand Piëch, von 1993 bis 2002 Vorstandschef bei Volkswagen, mochte die Extreme: Bei Porsche hatte er den 917 entworfen und gegen Ende seiner Amtszeit bei VW den Bugatti Veyron auf den Markt gebracht. Leichtbau und Effizienz war ein Steckenpferd des kühl kalkulierenden Ingenieurs und so gab er drei Jahre vor Ende seiner Amtszeit den Auftrag, ein Einliterauto zu entwickeln. Ein Auto mit Straßenzulassung inklusive der vorgeschriebenen Crashtests. Das Ziel legte die Form fest: Für eine möglichst gute Aerodynamik musste das Auto flach und schmal sein und eine Tropfenform haben. Zwei Sitze in Tandemposition sorgen für eine schmale Silhouette: Das Auto ist nur 1,25 Meter breit und hat einen Cw-Wert von 0,159. Eine Carbonhülle und eine spartanische Ausstattung senken das Gewicht auf 290 Kilogramm. Der Motor, ein Saugdiesel mit 299 Kubikzentimeter Hubraum, einem Zylinder und 8,5 PS hat eine besonders effiziente Pumpe-Düse-Einspritzung. Piëch fuhr mit dem 1-Liter-Auto am 16. April 2002 die 237 Kilometer von Wolfsburg zur 42. Hauptversammlung der Volkswagen AG nach Hamburg. Der Durchschnittsverbrauch lag bei 0,89 Liter. Später brachte VW mit dem XL1 ein Auto mit einem ähnlich geringen Verbrauch in Kleinserie.

VW Phaeton D2: Anlauf für die zweite Generation

Der Phaeton war für VW nie ein großer Erfolg. Trotzdem dachte die Entwicklungsabteilung nicht nur über eine zweite Generation nach, sondern baute fahrbereite Prototypen. Der Nachfolger sollte ausschließlich in einer etwa 5,30 Meter messenden Langversion entstehen und auch wieder in den USA zum Verkauf angeboten werden. Eine solide C-Säule und ein großer Chromgrill sorgten für Wiedererkennbarkeit, das Heck ähnelt mit seinen horizontalen Leuchten und Sicken dem Audi A8. Mit diesem ist der D2 auch technisch verwandt: Der Modulare Längsbaukasten (MLB) liefert die technische Basis. Der Phaeton sollte mit aufwendigen Innnenraumfiltern, elektrisch abdunkelbaren Fenstern im Fond und vorausschauender Wankstabilisierung Hightech-Luxus bieten. Geplant waren Motoren vom V6-TDI mit 286 PS über einen Plug-in-Hybrid mit V6-Benziner und 455 PS bis zum 612 PS starken W12.

Fazit