03/2019, Mercedes 230 TE S 124 Daimler AG
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GTÜ-Oldtimer-Mängelquote 2019

Mercedes 230 TE bleibt unzuverlässigster Oldtimer

Die GTÜ hat die Zuverlässigkeit von mindestens 30 Jahre alten Autos untersucht. Wie im Vorjahr wies der Mercedes-Kombi die höchste Mängelquote auf – vor einem Markenkollegen. Porsche-Oldies sind dagegen meist gut in Schuss.

Alte Autos sind rollende Gefahrenquellen für sich und andere Verkehrsteilnehmer? Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) kann dieses Vorurteil locker entkräften. Im Gegenteil: In der Altersgruppe von 30 bis 60 Jahren ist die Zahl der Autos mit gefährlichen Mängeln mit 17,9 Prozent um 4,1 Prozent geringer als in der Gesamtstatistik inklusive der jüngsten Pkw (22,0 Prozent). „Mit dem Fahrzeugalter sinkt die Mängelzahl“, bestätigt Marco Oehler, stellvertretender Technischer Leiter bei der GTÜ. „Oldtimer-Besitzer achten offenbar auf einen guten Zustand ihres rollenden Kulturguts.“ Autos mit H-Kennzeichen seien meist sehr gepflegt und technisch sicher unterwegs.

Höchste Mängelquote beim Mercedes 230 TE

Dennoch gibt es unter den Ü30-Autos auch Mängelriesen. Der größte von ihnen ist, wie im vergangenen Jahr, der Mercedes 230 TE. Bei 152 während einer GTÜ-Hauptuntersuchung überprüften Autos fielen 293 Mängel auf – macht eine Quote von 1,93. Direkt im Windschatten folgt der Markenbruder 240 D mit einer Mängelquote von 1,92. Platz drei „sichert“ sich der VW Polo (1,91) knapp vor dem BMW 316i (1,91).

GTÜ-Statistik: Die 10 unzuverlässigsten Oldtimer 2019

Hersteller Bezeichnung Anzahl Untersuchungen Anzahl Mängel Mangelquote (Mängel pro Untersuchung)
DAIMLER-BENZ 230 TE 152 293 1,93
DAIMLER-BENZ 240 D 205 393 1,92
VOLKSWAGEN-VW POLO 175 335 1,91
BAYER.MOT.WERKE-BMW 316I 136 259 1,90
AUDI AUDI 80 137 244 1,78
AUDI AUDI 100,-CS,-CD,-CC 279 491 1,76
VOLKSWAGEN-VW POLO COUPE 171 298 1,74
VOLKSWAGEN-VW JETTA 188 322 1,71
VOLKSWAGEN-VW KOMBI 415 698 1,68
DAIMLER-BENZ 260 E 147 246 1,67
Hersteller Bezeichnung Anzahl Untersuchungen Anzahl Mängel Mangelquote (Mängel pro Untersuchung)
DAIMLER-BENZ 230 TE 152 293 1,93
DAIMLER-BENZ 240 D 205 393 1,92
VOLKSWAGEN-VW POLO 175 335 1,91
BAYER.MOT.WERKE-BMW 316I 136 259 1,90
AUDI AUDI 80 137 244 1,78
AUDI AUDI 100,-CS,-CD,-CC 279 491 1,76
VOLKSWAGEN-VW POLO COUPE 171 298 1,74
VOLKSWAGEN-VW JETTA 188 322 1,71
VOLKSWAGEN-VW KOMBI 415 698 1,68
DAIMLER-BENZ 260 E 147 246 1,67

Beim Mercedes-Kombi wiesen 47 der 152 vorgeführten Autos sogar erhebliche Mängel auf. Auch diese Quote von 30,9 Prozent ist die höchste unter allen überprüften Autos. Wieder folgt ein weiteres Daimler-Modell auf dem zweiten Platz: der 260 E mit 29,9 Prozent. Auf den Positionen drei und vier platzierten sich Audi-Modelle: der 80/90 (27,3 Prozent) vor dem 100er mit 27,2 Prozent. Allerdings kamen hier neben der Haupt- auch die Untersuchungen fürs H-Kennzeichen in die Wertung.

Alltagsautos statt topgepflegter Oldtimer

Allerdings gilt es, die Ergebnisse richtig zu interpretieren. Zuerst sei erklärt, dass alle von der GTÜ geprüften Ü30-Autos in die Wertung kamen, nicht nur jene mit H-Kennzeichen. Das bedeutet: In dieser Liste taucht nicht nur topgepflegtes Garagengold auf. Sondern auch echte Arbeitstiere und Alltagsautos, die zwar älter als 30 Jahre sind, aber ihren Besitzern regelmäßig treue Dienste erweisen müssen – was ihnen nicht zwangsläufig durch jährliche Inspektionen oder Premium-Autowäschen gedankt wird. Gerade die schlecht platzierten Mercedes – vor allem das T-Modell – dürften trotz ihres hohen Alters heute noch zuhauf im Alltagseinsatz sein. Was wiederum für ihre Robustheit spricht.

GTÜ-Statistik: Die 10 zuverlässigsten Oldtimer 2019

Hersteller Bezeichnung Anzahl Untersuchungen Anzahl Mängel Mangelquote (Mängel pro Untersuchung)
PORSCHE 911 CARRERA 661 325 0,49
PORSCHE 911 SC 242 137 0,57
DAIMLER-BENZ 300 SL 338 198 0,59
DAIMLER-BENZ 230 SL 135 103 0,76
PORSCHE 944 256 236 0,92
VOLKSWAGEN-VW 1303 172 159 0,92
VOLKSWAGEN-VW VW 1600,KAEFER 1303 LS 850 803 0,94
BAYER.MOT.WERKE-BMW BMW 325I 566 538 0,95
BAYER.MOT.WERKE-BMW BMW 320I 519 528 1,02
VOLKSWAGEN-VW VW 1500,KAEFER/KARMANN 142 150 1,06
Hersteller Bezeichnung Anzahl Untersuchungen Anzahl Mängel Mangelquote (Mängel pro Untersuchung)
PORSCHE 911 CARRERA 661 325 0,49
PORSCHE 911 SC 242 137 0,57
DAIMLER-BENZ 300 SL 338 198 0,59
DAIMLER-BENZ 230 SL 135 103 0,76
PORSCHE 944 256 236 0,92
VOLKSWAGEN-VW 1303 172 159 0,92
VOLKSWAGEN-VW VW 1600,KAEFER 1303 LS 850 803 0,94
BAYER.MOT.WERKE-BMW BMW 325I 566 538 0,95
BAYER.MOT.WERKE-BMW BMW 320I 519 528 1,02
VOLKSWAGEN-VW VW 1500,KAEFER/KARMANN 142 150 1,06

In die Kategorie Oldtimer, die nur bei perfektem Wetter und ausgewählten Veranstaltungen an die frische Luft dürfen, fallen die Vertreter mit den kleinsten Mängelquoten. An der Spitze stehen zwei Elfer-Varianten: Nicht mal die Hälfte aller vorgeführten 911 Carrera wiesen bei einer GTÜ-HU Mängel auf (Quote 0,49). Nicht weit dahinter platziert sich der 911 SC mit 0,57. Es folgen zwei Mercedes-Modelle, die somit die Ehre der bereits erwähnten Markenbrüder retten: 300 SL (0,59) und 230 SL (0,76). Es ist übrigens genau dieses Quartett, dass am seltensten mit erheblichen Mängeln bei der HU oder beim Oldtimer-Gutachten auffällt. Allein diese vier Autos bleiben in dieser Hinsicht im einstelligen Prozentbereich.

23 Jahre alte Autos haben die meisten Mängel

Bei dieser GTÜ-Auswertung gilt: Unter einer Verkaufsbezeichnung summieren sich alle geprüften Autos, die vor dem Stichtag 1. Januar 1990 erstmals zugelassen wurden. Das bedeutet: Beim Mercedes 230 TE kamen sowohl die 123er- als auch die 124er-Baureihe in die Wertung. Beim VW Polo zählt sowohl die erste als auch die zweite Generation und beim BMW 316 neben dem E21 auch der E30. Und so weiter. Auffällig ist zudem: Unter den „Flop 50“ tauchen nur anderthalb Importautos auf: Der Trabant P 601 aus der DDR und der Citroën 2 CV, die Ente aus Frankreich.

GTÜ-Statistik: Die 10 Oldtimer mit den meisten erheblichen Mängeln 2019

Hersteller Bezeichnung Anzahl Untersuchungen EM %EM
DAIMLER-BENZ 230 TE 152 47 30,92%
DAIMLER-BENZ 260 E 147 44 29,93%
AUDI AUDI 80,AUDI 90 568 155 27,29%
AUDI AUDI 100,-CS,-CD,-CC 279 76 27,24%
VOLKSWAGEN-VW JETTA 188 50 26,60%
BAYER.MOT.WERKE-BMW 316I 136 36 26,47%
MERCEDES-BENZ (D) 190 E 138 36 26,09%
VOLKSWAGEN-VW GOLF 1.597 408 25,55%
DAIMLER-BENZ 240 D 205 51 24,88%
VOLKSWAGEN-VW POLO 175 43 24,57%
Hersteller Bezeichnung Anzahl Untersuchungen EM %EM
DAIMLER-BENZ 230 TE 152 47 30,92%
DAIMLER-BENZ 260 E 147 44 29,93%
AUDI AUDI 80,AUDI 90 568 155 27,29%
AUDI AUDI 100,-CS,-CD,-CC 279 76 27,24%
VOLKSWAGEN-VW JETTA 188 50 26,60%
BAYER.MOT.WERKE-BMW 316I 136 36 26,47%
MERCEDES-BENZ (D) 190 E 138 36 26,09%
VOLKSWAGEN-VW GOLF 1.597 408 25,55%
DAIMLER-BENZ 240 D 205 51 24,88%
VOLKSWAGEN-VW POLO 175 43 24,57%

Laut GTÜ-Statistik steigt die Mängelzahl im Übrigen bis zu einem Fahrzeugalter von 23 Jahren an – und sinkt danach kontinuierlich. Oldtimer ohne H-Kennzeichen weisen zudem mehr Mängel auf als solche mit dem Nummernschild für historische Autos. 44,2 Prozent dieser Autos sind mängelfrei – mit H-Kennzeichen sind es 55,1 Prozent. 29,7 Prozent haben geringe Mängel (mit H-Kennzeichen: 27,1 Prozent) und 26,1 Prozent erhebliche Mängel (17,8 Prozent). Am besten schneiden aber überraschenderweise Vorkriegs-Klassiker ab: 78 Prozent der in Deutschland zugelassenen Oldtimer der Baujahre 1920 bis 1940 waren 2019 bei der Hauptuntersuchung mängelfrei. 16,8 Prozent wiesen geringe Mängel auf, nur 5,2 Prozent hatten erhebliche Mängel.

„Neue“ Oldtimer durchaus empfehlenswert

Aber auch jene Modelle, die 1990 auf den Markt kamen und demzufolge nun erstmals das H-Kennzeichen erhalten können, „dienen durchaus als ideale Einstiegsmodelle in die Passion Oldtimer“, sagen die GTÜ-Experten. Bei Autos wie dem Audi 100 C4, BMW 3er E36, Mercedes 500 E (W 124) oder VW Golf Country „handelt es sich zumeist um technisch ausgereifte Fahrzeuge mit einfacher und damit beherrschbarer Elektronik sowie guter Ersatzteilversorgung.“

02/2020, GTÜ Mängelstatistik 2020 Junge Oldtimer
Gesellschaft für Technische Überwachung mbH (GTÜ)
Auch die "neuen" Oldtimer sind durchweg zuverlässig, sagt die aktuelle GTÜ-Statistik.

Für diese „neuen“ Oldtimer liegt bereits eine detaillierte statistische Auswertung vor. Besonders stark schneidet der Mercedes 500 E ab: Etwa 50 Prozent der vorgeführten Exemplare zeigten sich ohne Mängel, nur zehn Prozent wiesen erhebliche Mängel auf. Auch der Audi 100 und der VW Golf Country zeigen sich öfter völlig problemlos als zu unsicher für den Straßenverkehr; bei der dritten BMW 3er-Generation sind die Werte ausgeglichen. Ein anderes Bild zeigt sich beim 1990er Ford Escort, beim VW T4 und beim Volvo 940: Sie sind öfter mit großen Mängeln als mängelfrei unterwegs.

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Fazit

Ob ein Oldtimer fährt oder zickt, hängt vor allem vom Besitzer und dessen Bereitschaft ab, seinem Auto die nötige Pflege angedeihen zu lassen. Deshalb schneiden vorwiegend als Alltags-Mobile genutzte Ü30-Modelle in der GTÜ-Statistik auch deutlich schlechter ab als gepflegte Schönwetterautos. Generell sind betagte Autos aber besser – vor allem zuverlässiger und sicherer – als ihr Ruf. Am meisten überrascht das starke Abschneiden der Vorkriegs-Klassiker. Aber auch der 1990er-Jahrgang befindet sich beim Eintritt ins H-Kennzeichen-Alter meist in einem guten Zustand und bietet so einen simplen Einstieg in dieses Hobby.

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