So mancher Film-Fan dürfte stutzig werden: Lee Iacocca, der im Kinofilm "Le Mans 66" als treibende Kraft hinter Fords Rennprogramm und schlauer Charakter dargestellt wird, war Erstbesitzer eines Ferrari F40. Doch die Rivalität auf der Rennstrecke hielt den einstigen Geschäftsführer von Ford und Autoliebhaber offensichtlich nicht davon ab, die Ingenieurskunst aus Maranello privat zu schätzen.
Jahre nach Iacoccas Tod sorgt dieses spezielle Fahrzeug für Spannung. RM Sotheby's wird den F40 im Rahmen der Monterey Car Week (7. bis 16. August) versteigern. Der Schätzpreis liegt bei 4 bis 5 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 3,5 bis 4,4 Millionen Euro).
Der Mythos F40
Der hohe Wert erklärt sich aber nicht allein durch den prominenten Vorbesitz. Der F40 selbst ist ein Mythos. Als letztes Modell, das unter der persönlichen Aufsicht von Enzo Ferrari entstand, markiert er das Ende einer Ära und gilt als die reinste Verkörperung der Ferrari-Philosophie: ein Rennwagen für die Straße. Technisch basiert er auf dem für die Gruppe B entwickelten 288 GTO Evoluzione. Sein mit zwei IHI-Turboladern ausgerüsteter 2,9-Liter-V8 leistet 471 PS und ermöglichte eine für damalige Verhältnisse kaum fassbare Höchstgeschwindigkeit von 324 km/h.
Die Karosserie aus Kohlefaser und Kevlar sowie der radikal auf Leichtbau getrimmte Innenraum betonen den sportlichen Ansatz. Auf jeglichen Komfort wurde verzichtet: Statt Türgriffen gibt es Seilzüge, die Pedale sind gebohrt, und die Sitze sind mit einfachem Stoff bezogene Karbon-Schalen. Dieses spezielle Exemplar ist das 94. von 213 für den US-Markt gebauten Modellen und verfügt entsprechend über Instrumente mit Meilen-Anzeige, Katalysatoren und das nicht verstellbare Fahrwerk.
Ein Auto mit besonderem Status
Die Verbindung zu Lee Iacocca macht diesen F40 einzigartig. Ferrari lieferte ihn als seltenen "Diretto"-Verkauf direkt ab Werk aus – ein Privileg, das nur engsten Freunden und VIPs vorbehalten war und im originalen Garantieheft vermerkt ist. Eine Plakette mit der Gravur "Built exclusively for Lee Iacocca" zeugt zusätzlich von diesem besonderen Status.

Als letztes Modell, das unter der persönlichen Aufsicht von Enzo Ferrari entstand, markiert der F40 das Ende einer Ära und gilt als die reinste Verkörperung der Ferrari-Philosophie: ein Rennwagen für die Straße.
Nach einer kurzen Nutzung mit italienischem Touristen-Kennzeichen exportierte Iacocca den Wagen in die USA. Bereits 1992 wurde er mit nur 72 Meilen auf dem Tacho wieder zum Verkauf angeboten. Es folgten nur wenige Besitzer, die den Wagen kaum bewegten. Eine kuriose Modifikation aus dieser Zeit sind zwei unauffällig unter der Front montierte Skateboard-Achsen, deren kleine Räder die tief liegende Frontpartie vor Beschädigungen durch steile Einfahrten schützen. Vor der jetzigen Auktion investierte der Verkäufer 40.000 US-Dollar in einen großen Service bei Ferrari of Newport Beach. Heute hat der Wagen laut Auktionstext 320 Meilen auf der Uhr, umgerechnet 515 Kilometer.
Volksheld Iacocca
Lee Iacocca war eine der prägendsten Figuren der US-Autoindustrie. Bei Ford war er der Vater des Mustang und stand voll hinter dem Le-Mans-Projekt, um Ferrari zu besiegen. Seine Karriere dort endete abrupt, als Henry Ford II. ihn mit den Worten "Ich mag Sie einfach nicht" entließ. Iacocca wechselte zum angeschlagenen Konkurrenten Chrysler – für das symbolische Gehalt von einem US-Dollar. Mit staatlichen Krediten und einer radikalen Sanierung rettete er das Unternehmen vor dem Bankrott und führte es 1984 zu einem Rekordgewinn, was ihn in den USA zum Nationalhelden machte. Dass sich dieser Mann, der den Kampf gegen die Importeure zu seiner Mission machte, privat für den ultimativen italienischen Supersportwagen entschied, zeigt vor allem eines – seine tiefe Leidenschaft für das Automobil.












