Porsche 917-031/026 KH (1970) Gulf Nat Twiss/RM Sotheby's
Porsche 917-031/026 KH (1970) Gulf
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Porsche 917-026/031 (1970) KH Gulf Le Mans Auktion

Porsche 917-026/031 (1970) KH Le Mans Auktion Doch kein Rekordpreis für den Gulf-917

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Mitte August war von RM Sotheby's in Monterey die Auktion eines Porsche 917 geplant, der 1970 in Le Mans fuhr. Er sollte der teuerste Porsche der Welt werden, aber es kam anders.

Der von RM Sotheby‘s angebotene Porsche 917K 031/026 ist in der Sammlerszene bekannt. Bereits 2010 wurde dieses Auto von Bonhams während einer Auktion in den USA im Rahmen der Monterey Car Week versteigert. Der Preis betrug inklusive Aufgeld 3,27 Millionen Euro. Damals war es allerdings noch ein in den Farben des Sponsors Shell gelb-rot-lackierter Spyder. Inzwischen wurde der Rennwagen wieder auf eine Coupé-Karosserie in den Farben des Sponsors Gulf umgebaut und entspricht so optisch wieder der Startnummer 22, wie sie 1970 bei den 24 Stunden von Le Mans gestartet ist.

Der Schätzwert lag bei 16,0 bis 18,5 Millionen US-Dollar. Umgerechnet sind das 13,47 bis 15,58 Millionen Euro. Wäre der Preis erzielt worden, hätte der Porsche der teuerste Auktions-Oldtimer des Jahres werden können. Doch die Konjunktive verraten es bereits: Dazu kam es nicht. Offensichtlich fand sich bei der Versteigerung in Kalifornien kein Interessent, der bereit war, die enorme Summe für das Auto auszugeben. Der 917K steht demnach weiterhin zum Verkauf. Den Preis nennt das Auktionshaus "auf Anfrage".

917K mit kurzer Le-Mans-Historie

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Die Zurückhaltung liegt vielleicht in der Historie dieses Exemplars begründet, die die am wenigsten ruhmreiche von allen Gulf-Porsche mit Kurzheck ist. Mike Hailwood und David Hobbs sind 1970 mit Porsche 917-026 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans gestartet. Das Auto trug die Farben des Sponsors Gulf; es war eines von drei von John Wyer Automotive Engineering und Gulf Racing eingesetzten 917 bei diesem Rennen. Während die beiden anderen Autos unten einen schmalen orange-farbenen Streifen trugen und sonst hellblau lackiert waren, verhielt es sich bei der Startnummer 22 umgekehrt: Hier ist das Dach orange, der Rest der Karosserie hellblau.

Verunfallt und umgebaut

Porsche 917-031/026 KH (1970) Gulf
Nat Twiss/RM Sotheby's
Arbeitsplatz der Le-Mans-Fahrer David Hobbs und Mike Hailwood.

David Hobbs lag im Rennen auf dem dritten Platz, bevor er an seinen Teamkollegen Mike Hailwood übergab. Der ehemalige Motorrad-Weltmeister fuhr während seines Stints trotz sintflutartiger Regenfälle weiter auf Intermediates. Kurz nach den Boxen rutschte er in Runde 50 auf Aquaplaning von der Strecke und prallte dann frontal auf einen am Streckenrand abgestellten Alfa T33. Dabei wurde der Vorderwagen stark beschädigt. Alle drei Gulf-Porsche schieden aus. Porsche reparierte das Auto und verwendete dafür einen neuen Gitterrohrrahmen. Dabei wurde aus dem Kurzheck-Coupé ein Spyder für die Interserie und die Gruppe 7.

Das Rätsel um Nummer 031

Porsche 917-031/026 KH (1970) Gulf
Nat Twiss/RM Sotheby's
Startnummer 22 fiel in der 50. Runde aus - Hailwood hatte in der nassen Dunlop-Kurve die Kontrolle über den 917 verloren.

Hier wird es dann ein bisschen unübersichtlich. Denn der Gitterrohrrahmen, den Porsche für die Reparatur des Autos mit der Nummer 026 verwendet hatte, trug die Nummer 031. Für die Reparatur wurde die Chassisnummer in 026 geändert. Das beschädigte Chassis blieb im Werk. Es wurde vom Versuch in 031 renummeriert und ins Sportteilelager aufgenommen. Für die Saison 1971 wurde mit dieser Chassisnummer ein offener 917 Interserie-Spyder für das Team Heckersbruch aufgebaut. Dieses Auto steuerte Jürgen Neuhaus aus Wuppertal in der Interserie, von manchen auch "europäische CanAm" genannt, wie auch bei weiteren Rundstrecken- und Bergrennen mit einer gelb-roten Karosserie in den Farben des Sponsors Shell.

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In der Interserie war Neuhaus der Titelverteidiger, konnte aber mit dem Spyder keinen Lauf gewinnen. Aber er war mit dem Auto bei insgesamt sieben nationalen Rennen erfolgreich: Nürburgring, Krähberg, Mainz-Finthen, Oberpfalz, Ellerberg, Niedermendig und Sauerland. 1972 bestritt er den ersten Interserie-Lauf im April auf dem Nürburgring (300 km-Rennen), bevor der 917 Spyder an das Kölner Gelo Racing Team von Georg Loos verkauft wurde. Sein Fahrer Franz Pesch bestritt damit 1972 zwei Interserie-Läufe und Loos selbst startete im Dezember bei der Coppa Brazil in Interlagos. 1973 fuhr Jürgen Barth vier Interserie-Läufe. Die besten Platzierungen waren zwei fünfte Plätze auf dem Norisring und auf dem Hockenheimring. Gegen die 917/10 mit dem extrem leistungsstarken Turbomotor von Teamchef Georg Loos, vor allem aber von Leo Kinnunen, Willi Kauhsen und dem 917/30, der in Hockenheim von Vic Elford gefahren wurde, hatte der Spyder mit dem 660 PS starken Saugmotor keine Chance.

Mehrere Besitzerwechsel

Porsche 917-031/026 KH (1970) Gulf
Phil Norton/RM Sotheby's
Nach dem Unfall in Le Mans wurde das Auto mit einem neuen Chassis wieder aufgebaut.

Ende 1973 begann für das Auto die Sammlungsphase: Loos verkaufte den 917 Spyder an den "Champagner-Grafen" und Chef von Moët Hennessy, Frédéric Chandon. Laut der Angabe von 917-Experte Walter Näher wurde es 1978 an den US-amerikanischen Sammler Mike Amalfitano (Jupiter,FL) verkauft. RM Sotheby‘s nennt 1988 als Verkaufsdatum, Bonhams schrieb seinerzeit von 1987. Mit seinem Team "Amalfi Racing" aus Jupiter in Florida setzte Amalfitano das Auto einige Male bei historischen Veranstaltungen ein.

Als es 2010 von Bonhams angeboten wurde, trug es die Lackierung vom Team Shell-Heckersbusch aus den Jahren 1972 und Anfang 1973. Wahrscheinlich war Shaun Lynn letztlich der Käufer bei Bonhams. Ab 2013 verzeichnet ihn jedenfalls Walter Näher als den Besitzer. Lynn fährt historische Rennen. Er ließ den Spyder bei Gunnar Racing restaurieren. Während der vier Jahre langen Restaurierung wurde das Auto wieder auf die Kurzheck-Coupé-Karosserie umgebaut und in Gulf-Farben lackiert. Mit der Startnummer 22 sieht es wieder aus wie das Le-Mans-Auto von 1970 – auch wenn inzwischen ein anderes Chassis druntersteckt. Theoretisch wäre damit eine Teilnahme an historischen Le-Mans-Rennen möglich. Lynn hat mit dem Auto allerdings lediglich Testfahrten unternommen.

Goodwood Memebers Meeting Porsche 917-001 Richard Attwood
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Piëch: "Der Wildeste unter den Wilden"

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Der damalige Porsche-Entwicklungschef Ferdinand Piëch bezeichnete den 917 rückblickend als das riskanteste Autos seines Lebens, wie er 2002 in seiner Autobiografie schreibt. Er hatte 1968 innerhalb von nur neun Monaten 25 Rennwagen nach dem neuen Fünfliter-Reglement der FIA bauen lassen. Den Zwölfzylindermotor mit 180 Grad Bankwinkel und Mittelabtrieb hatte Hans Mezger konstruiert. Er konstatiert im Vorwort zu Walter Nähers 917-Standardwerk: "Der Wettlauf mit der Zeit war gewonnen. Dank einer eingeschworenen, erfahrenen und hoch motivierten Mannschaft und dank eines beispiellos guten Betriebsklimas." Denn der Plan, vom Reißbrett weg 25 Autos zu bauen, war mutig. Doch er ging auf.

"Der 917 war das ultimative Tier unter den Rennwagen, ein dramatischer Auftritt und nach heutigen Maßstäben natürlich ein Wahnsinn", schrieb Piëch 2002 in seiner Autobiografie. Selbst gestandene Rennfahrer hatten damals Bedenken, so Piëch weiter: "Die Werksfahrer beschwerten sich über die üblen Manieren des Wagens, sie fürchteten sich, die Möglichkeiten voll auszuloten." Denn der 917 war fürchterlich schnell: Am Ende der sechs Kilometer langen Hunaudières lagen damals laut Getriebe-Diagramm 386 Kilometer pro Stunde an. Für die Saison 1970 hatte Porsche die Aerodynamik des 917 verbessert. Im selben Jahr gewann Porsche zum ersten Mal das 24h-Rennen von Le Mans – mit einem 917-Doppelsieg.

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Die seltene Gelegenheit, einen 917 zu kaufen, der in Le Mans gefahren ist, wäre nicht billig geworden: Auf umgerechnet 13,47 bis 15,58 Millionen Euro hat RM Sotheby's der Wert des Kurzheck-Coupés geschätzt. Es sollte der teuerste Porsche der Welt werden – und einer der teuersten Auktions-Oldtimer des Jahres. Allerdings sorgt die Historie rund um die Chassisnummern 026 und 031 für einige Verwirrung. Dass der 917 mit zwei unterschiedlichen Karosserien unterwegs war, erleichtert den Überblick nicht gerade. Möglicherweise wollte aus diesem Grund niemand derart viel Geld für den Rennwagen-Klassiker ausgeben.

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