Solitude Revival (2022) Arturo Rivas
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Solitude Revival 2022 im Porsche Formel 2 von 1960

Solitude Revival 2022 Rennen mit Formel-2-Porsche, Commodore und Capri

Inhalt von

Mit einem 718 Formel 2 von 1960 aus dem Porsche Museum am Solitude Revival teilzunehmen, zählt zum Besten, was einem im historischen Motorsport passieren kann. Und nicht nur da, findet der Autor, der gar nicht mehr aussteigen wollte.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich an Geschwindigkeiten gewöhnen kann und wie schwer es mitunter fällt, das eigene Tempoempfinden neu zu kalibrieren. Den Effekt kennt jeder: Wer eine Weile auf freier Autobahn mit, sagen wir, gut Richtgeschwindigkeit unterwegs ist, läuft schnell Gefahr, die folgende Abfahrt viel zu flott anzugehen.

Das so genannte Mahdental, eine kurvenreiche Landstraße zwischen Stuttgart und Leonberg, ist normalerweise aus Sicherheitsgründen auf 60 km/h begrenzt, damit die ortsansässigen jugendlichen Delinquenten hier nicht übermütig werden. Beim alle zwei Jahre stattfindenden Solitude Revival (siehe Bildergalerie) hingegen ist die Beschränkung zur Freude aller rund 400 Teilnehmer mit ihren Rennmotorrädern, Renngespannen und Rennwagen weitgehend aufgehoben.

Bis 1965 Grand-Prix-Rennstrecke

Solitude Revival (2022)
Arturo Rivas
Die Läufe starten am historischen Start-Ziel-Turm.

Solitude Revival? Tatsächlich braucht es diese Veranstaltung, um daran zu erinnern, dass es einst zwischen der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt und dem benachbarten Leonberg eine richtige Formel-1-Rennstrecke gab, auf der bis 1965 Grand-Prix-Rennen ausgetragen wurden – zu denen regelmäßig 400.000 Zuschauer pilgerten. Die Rennen und Heldentaten von damals sind längst Geschichte, doch die 11,3 Kilometer lange, dreiecksförmige Naturrennstrecke ist immer noch da und präsentiert sich bis auf 300 Meter im originalen Verlauf.

Jim Clark hält den Streckerekord

Und so donnert, brüllt und kreischt hier alle zwei Jahre auf ein paar Landstraßen, auf denen die Leute normalerweise zur Arbeit fahren, alles über die Piste, was im Rennsport Rang und Namen hat, von Abarth bis Zagato und von Vorkriegsrennwagen bis zur Formel 1. Damit es nicht zu wild wird, blickt der erfahrene Rennleiter Werner Aichinger bei der morgendlichen Fahrerbesprechung jedem tief in die Augen und mahnt zur Umsicht: "Wenn ihr einen vor euch habt, der offensichtlich noch nie was von der Ideallinie gehört hat, dann überholt ihn halt – aber ganz vorsichtig!". Dazu gibt es für jede Gruppe ein Führungsfahrzeug, dessen Fahrer genau die richtige Balance zwischen ordentlich flott, aber nicht halsbrecherisch schnell gelingt. Und die Strecke ist schnell, viel schneller als der Nürburgring beispielsweise: 1963 zementierte hier das britische Ausnahmetalent Jim Clark im Lotus den ewigen Rekord mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 179,4 km/h.

Solitude Revival (2022)
Arturo Rivas
Hinter einem Pacecar geht's auf die 11,3 Kilometer lange Strecke.

Diese Zahl sollte man voller Demut im Hinterkopf haben, wenn man mit einem 718 Formel 2 vom Porsche Museum aus dem Fahrerlager hinter dem Start-Ziel-Turm in die Startaufstellung rollt. Der silberne Monoposto von 1960 wird von einem Vierzylinder-Boxermotor befeuert, dessen vier obenliegende Nockenwellen via Königswellen in Rotation versetzt werden, Kenner sprechen hier nach dem Konstrukteur vom Fuhrmann-Motor. Aus 1,5 Litern Hubraum zaubert das mechanische Kleinod, für dessen Montage ein begabter Mechaniker mindestens eine Woche benötigt, rund 165 PS – klingt wenig, aber das Auto wiegt eben auch nur 470 Kilogramm.

Dan Gurney gewann 1962 auf der Solitude

Gestartet wird per Knopfdruck, der luftgekühlte Vierzylinder zündet sofort und gibt selbstbewusste, aber nicht zu laute Lebensgeräusche von sich, es ist eben ein reinrassiger Rennwagen. Auf dem Weg zum Vorstart kommt das Motoröl langsam auf Temperatur. Es ist heiß unter dem Helm und im feuerfesten Rennanzug, dafür muss ich mich mit dem Porsche nicht mehr groß vertraut machen, wir kennen uns von früheren Auftritten. Vor mir steht Marc Lieb im Porsche 804 Formel 1, mit dem der Amerikaner Dan Gurney hier auf der Solitude 1962 das Formel-1-Rennen gewonnen hat. Endlich winkt uns der Streckenposten auf die Start-Ziel-Gerade, und wer jetzt beim Anblick der vielen Zuschauer keinen erhöhten Puls bekommt, sollte wohl besser Briefmarken sammeln.

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Arturo Rivas
Historischer Motorsport zum Hören, Riechen und Anfassen: Aufstellung der Porsche-Meute im Fahrerlager.

Es geht los, die Kupplung des Formel 2 greift weich und lässt sich gut dosieren, das Fünfganggetriebe schaltet präzise und der Königswellenmotor liefert schon bei niedrigen Drehzahlen genug Drehmoment, um problemlos und ohne Krawall loszukommen. Werksfahrer Marc Lieb muss sich da deutlich mehr konzentrieren, sein Achtzylinder-Boxer hat ein eher schmales nutzbares Drehzahlband, und das Sechsganggetriebe ohne Schaltkulisse hat zumindest mich immer beten lassen, beim Runterschalten den richtigen Gang zu erwischen – sonst gibt es Kernschrott.

Dritter, vierter, fünfter, Schikane, Bremsen!

Hier im Zuschauerbereich hält sich der Fahrer des Führungsautos weise zurück, ab der Linkskurve beim Glemseck hoch zur Hedersbachkurve aber wird kräftig Gas gegeben. Für die 180-Grad-Kehre geht es nochmal zurück in den Zweiten, dann kann ich voll durchbeschleunigen, dritter, vierter fünfter Gang, immer das Drehzahllimit von 7.000 beachten. Der Asphalt hier hoch zum Frauenkreuz hat schon zu viele Winter und Lkw gesehen, der Formel 2 versetzt immer wieder leicht, aber es fühlt sich nie ungut an. Eine Schikane vor dem Dreispitz bremst uns ein, Reifen und die vier Trommelbremsen sind auf Temperatur, die Bremsleistung ist immer noch erstklassig.

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Es ist ein Fest: Tourenwagen diverser Jahrzehnte am Glemseck.

Überhaupt muss ich einmal mehr feststellen, wieviel Spaß so ein Formel-Rennwagen mit freistehenden Rädern macht: Es ist eben die reinste Form eines Rennautos, einzig und allein zum Schnellfahren gebaut – der Unterschied von einem Renntourenwagen zu einem kleinen Formel-Renault beispielsweise ist weit größer als zwischen einem Formel-Rennwagen der Nachwuchsklasse und einem Formel 1. Vom Dreispitz geht es nun runter zum Hotel Schatten, die schnelle Rechts war früher mit Sicherheit eine ziemliche Mutkurve. Überhaupt mag man sich nicht wirklich vorstellen, wie man hier fahren muss, um einen Schnitt von knapp 180 rauszufahren. Und eines ist sicher: Die Bäume an der Strecke sind seither nur noch dicker geworden.

Tanz durchs Mahdental

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Achtung, Kurve: Die Fahrt durch das Mahdental ist ein herrlicher Tanz.

Am Hotel Schatten wartet die nächste Spitzkehre, schön weit außen anfahren und dann reinziehen, schon sind wir an der Linkskurve, die uns zum eingangs erwähnten Mahdental bringt. Was nun folgt, ist ein wunderbarer Tanz, wie es Rennleiter Aichinger formuliert: Kurve reiht sich an Kurve, wer die richtige Linie erwischt, fährt sich beinahe in einen Rausch; im Formel 2 geht hier alles im vierten und fünften Gang. Viel zu schnell ist die Runde zu Ende, ein gutes Stück vor Start-Ziel bremst uns eine Schikane, mit moderatem Tempo geht es in den Zuschauerbereich – und dann zur nächsten Runde. Viel zu bald wird dann endgültig abgewunken, man möchte am liebsten fahren, bis der Sprit alle ist. Zurück im Fahrerlager brabbelt der 718 Formel 2 vergnügt vor sich hin, kein Ölfleck ist zu sehen – die Konstruktion ist zwar kompliziert, aber grundsolide. Mach‘s gut, kleiner Porsche, in spätestens zwei Jahren sehen wir uns hoffentlich wieder und tanzen zusammen durchs Mahdental.

Fazit

Am Tag nach meiner Fahrt mit dem Porsche 718 Formel-2-Rennwagen war ich in der Gegend mit dem Motorrad unterwegs – und musste mein Geschwindigkeitsempfinden neu ausrichten. Es dauerte immer verdammt lang, bis die nächste Kurve kam.

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