02/2019, 1987 Buick GNX bringatrailer.com

Versteigerung Buick GNX von 1987

Coupé mit 8,5 Meilen für 177.000 Euro verkauft

Über 30 Jahre alter Neuwagen: Dieses Exemplar des nur 547 mal gebauten US-Klassikers befindet sich im absoluten Bestzustand und wurde nie gefahren. Nun ist die Auktion beendet – eine enorme Wertsteigerung macht das Auto zum teuersten GNX überhaupt.

Manche Autos machen es einem nicht leicht, das Besondere ihres Wesens zu erfassen. Der Buick GNX ist so ein Auto. Auf den ersten Blick ist er mit seinen Ecken und Kanten, den langen Überhängen und solchen Details wie den aufgesetzten Außenspiegeln ein typisches Kind des amerikanischen Autodesigns der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre. Nur Kenner können ihn auf Anhieb von einem Chevrolet Monte Carlo SS oder Oldsmobile Cutlass Supreme Coupé unterscheiden. Doch blickt man tief hinter die Fassade dieses banal wirkenden Coupés, offenbaren sich die wahren Reize des Buick GNX.

3,8-Liter-V8-Turbo statt Standard-V8

Ford Fiesta (1978)
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Da ist zum Einen die Motorisierung. Unter der langen Fronthaube und hinter den seitlichen Luftauslass-Kiemen verbirgt sich nämlich kein Vertreter jener schnöden V8-Motoren, die in dieser Ära des US-Automobilbaus trotz enormer Hubräume kaum über die 150-PS-Marke zu springen vermochten. Nein, hier schlägt ein 3,8-Liter-V6-Herz, angestachelt von einem Garrett-Turbolader. Mit offiziell 280 PS und maximal 488 Newtonmeter war der GNX beispielsweise stärker als eine Corvette aus dieser Zeit. Selbst ein Porsche 911 Carrera war Ende der Achtziger deutlich schwächer als dieser Buick.

Hinzu kommt der ungewöhnliche Werdegang des GNX-Modells. Dessen Ursprung liegt im Buick Regal: Den Namen trägt heute eine gewöhnliche Limousine auf Opel-Insignia-Basis, doch damals verbarg sich dahinter eine Coupé-Baureihe war, die in den frühen Achtzigern in der NASCAR-Rennserie einige Erfolge errungen hatte. Um diese zu feiern, legte Buick den Regal Grand National mit dem V6-Turbo in einer 248-PS-Konfiguration auf. Und in pechschwarzer Lackierung. Die Farbe nahmen US-Automedien zum Anlass, das Coupé zum Herzensauto Darth Vaders zu erklären. Seitdem ist das Buick-Coupé als das Darth-Vader-Car bekannt.

Heiße Sonderserie zum Abschied

Und das sollte mit großem Pomp verabschiedet werden, als der deutlich langweiligere Regal-Nachfolger mit Frontantrieb bereits am Horizont auftauchte. Also gab es im letzten Produktionsjahr der zweiten Regal-Generation 1987 eine heiße Sonderserie, GNX (Grand National Experimental) genannt. An der haben neben den Buick-Ingenieuren auch die Dynamik-Experten von McLaren Performance Technologies mitgewirkt. Unter ihrer Aufsicht wanderte der Garrett-Lader nebst größerem Ladeluftkühler in den Bug und eine durchlässigere Abgasanlage unter das Auto. Außerdem erhielt die Viergang-Automatik einen größeren Ölkühler und das Fahrwerk eine sportlichere Abstimmung. All die Mühen mündeten seinerzeit in einer Zeit von 12,7 Sekunden für die Viertelmeile, an deren Ende der Tachozähler bei 113,1 mph (182 km/h) stand.

02/2019, 1987 Buick GNX
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Die Innenausstattung ist noch dick in Folie eingepackt.

Allein das würde reichen, um einen gewissen Kultfaktor im GNX zu verankern. Aber dann kommt noch der Fakt hinzu, dass das Auto nur 547 mal gebaut wurde. Und als Besonderheit des gerade auf der amerikanischen Auto-Versteigerungs-Website bringatrailer.com angebotenen Exemplars kommt dessen Neuwagenzustand hinzu. Und zwar im wahrsten Sinne: Wie Fotos des Tachos zeigen und die beiliegenden Dokumente belegen, hat dieser GNX gerade einmal 8,5 Meilen auf dem Buckel. Rund um die Instrumente, die auch eine Ladedruckanzeige umfassen, existieren noch die schützenden Aufkleber. Die schwarz-graue Innenausstattung ist ebenfalls noch dick in Folie eingepackt. Die 16-Zoll-Aluminiumräder sind dem Verkäufer zufolge noch immer mit dem allerersten Goodyear-Eagle-Reifensatz ummantelt.

Die Hammer fiel bei 200.000 Dollar

An den noch erhaltenen Schriftstücken lässt sich die Historie dieses Autos gut nachvollziehen. Das Werk lieferte den GNX zuerst an einen Vertragshändler in Mena, US-Bundesstaat Arkansas, von wo aus er zu einem weiteren Händler nach Texas kam. Der jetzige Verkäufer erwarb 2002 diesen GNX mit der Seriennummer 480 und stellte ihn dann in einen klimatisierten Showroom. Bewegt wurde er in dieser Zeit, wenn überhaupt, nur ein paar Meter. Das hat sich ausgezahlt. Wie das noch vorhandene Original-Preisschild verrät, hat dieser GNX ursprünglich 29.290 Dollar gekostet. Nun bekam ein Käufer den Zuschlag für 200.000 Dollar, umgerechnet knapp 177.000 Euro. Allein in den letzten zehn Auktionsminuten stieg der Preis um 80.000 Dollar. Damit ist dieser GNX der teuerste überhaupt; zuvor lag der Rekord bei 165.000 Dollar (etwa 146.000 Euro).

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