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Audi E-Tron 55 Quattro Advanced, Exterieur
Audi E-Tron 55 Quattro Advanced, Exterieur
Audi E-Tron 55 Quattro Advanced, Exterieur 19 Bilder

Elektro-Auto-Absatz weltweit

Fehlstart für deutsche E-Autos - Tesla uneinholbar?

Die deutschen Premium-Autobauer sind mit ihren E-Autos spät dran. Der Absatz war nur bei Audi vielversprechend. Aber insgesamt lag Tesla ganz weit vorn.

Bei der Elektromobilität waren die Premiummarken lange zurückhaltend, wofür sie teils heftig kritisiert wurden. Man habe den Einstieg in die Elektromobilität schlicht verschlafen, so der Tenor. Die große Anfangsnachfrage nach Audi E-Tron und Mercedes EQC beispielsweise schien den Kritikern recht zu geben: Die beiden Marken konnten gar nicht so schnell so viele E-SUV bauen, wie sie offenbar Bestellungen hatten – und bekam dann die Autos nicht schnell genug auf die Straße.

Mercedes EQC, Exterieur
Hans-Dieter Seufert
Der Mercedes EQC kostet ab 71.281 Euro - wenn er denn erhältlich ist. 2019 war das nur in homöopathischen Stückzahlen der Fall.

Den Elektro-Mercedes bremsten diverse Probleme, so dass Daimler schon bei der Fahrpräsentation ankündigte, dass es mit den Auslieferungen erst Anfang 2020 richtig losgehen würde. Bei Audi wollte man ursprünglich noch Ende 2018 liefern, aber der E-Tron hatte Homologationsprobleme mit der Software.

E-SUVs aus Deutschland mit Stolper-Start

2019 konnte der E-SUV aus Ingolstadt dann immerhin 26.400 Käufer finden. Davon 19.500 in Europa und 5.369.in den USA. Dabei dauerte es bis März 2019, bis die Auslieferungen in Europa begannen, die Produktion für die USA ging erst im Frühsommer los. Bis die Autos dann bei den Händlern waren, wurde es praktisch September. Vorher kamen auch die Zulassungszahlen in den USA nicht ins Rollen, denn dort kaufen gut 80 Prozent der Kunden im Laden – da wäre nach Einschätzung aus dem Unternehmen mehr drin gewesen.

China schließlich folgte erst im November. Dorthin wird der E-Tron allerdings exportiert, die lokale Produktion beginnt Ende 2020. Erst dann dürfte das E-Auto dort zu konkurrenzfähigen Preisen zu haben sein; diese werden aber für den Markt im Reich der Mitte vergleichsweise hoch bleiben, was einer bestimmten Klientel dort, die sich gern von der Masse absetzen möchte, nur recht ist. Für das chinesisches Modellangebot und die Stückzahlen wichtiger dürfte hingegen der Q2 L E-Tron mit der der Technik des e-Golf sein, Audis erstes lokal produziertes Elektroauto in China. Dessen Fertigung begann im letzten Quartal 2019.

Zu wenig Batterien für den E-Tron

Laut in der Regel gut informierten Unternehmenskreisen hätte die ermutigende E-Tron-Verkaufs-Bilanz erheblich besser ausfallen können – wenn man bei der Einkaufsplanung für die Batteriezellen weit vor Produktionsstart nicht so zurückhaltend gewesen wäre. So gesehen waren die Verzögerungen wegen der Software wohl nicht wirklich das Problem. Bereits ab Frühjahr sei klar gewesen: Jeder produzierte E-Tron muss zu Kunden, intern war das Modell für kaum einen Audi-Mitarbeiter mehr zu bekommen. Deswegen geht man bei Audi davon aus, dass man 2020 erheblich mehr E-Tron verkaufen wird. Die Hoffnungen bewegen sich zwischen 60.000 und 70.000 Stück, wohl inklusive E-Tron Sportback. Dessen Verbesserungen auch bei der Reichweite flossen direkt in die Produktion des E-Tron Steilheck ein, seine WLTP-Reichweite stieg in der laufenden Serie (ab KW 48 2019) von 411 auf 436 Kilometer.

Audi E-Tron 55 Quattro Advanced, Exterieur
Hans-Dieter Seufert
Der Audi E-Tron kostet als 55 Quattro mit der größeren Batterie mindestens 80.900 Euro.

Dass Audi mit dem E-SUV grundsätzlich auf dem richtigen Weg ist, nennenswerte Absatzzahlen bei E-Autos zu erzielen, zeigt der Vergleich mit BMW. Der i3, immerhin seit 2013 auf dem Markt, verkaufte sich 2019 weltweit 39.362 mal. Hauptmarkt war Europa mit 31.364 Einheiten (davon 9.140 in Deutschland). Auf den größten Automärkten der Welt fand BMWs Elektroauto hingegen nur wenig Käufer: 1.040 in China und 4.854 den in USA. Dort hat der E-Tron also schon in seinem ersten halben Jahr zehn Prozent mehr Kunden gefunden als der Münchner Karbon-Kleinwagen.

Wird 2020 das Jahr des E-Tron?

Erreichen die E-Tron-Stückzahlen 2020 tatsächlich das erhoffte Niveau, läge man über Produktionskapazität des Werks in Brüssel bei etwa 50.000 – im derzeit laufenden Einschichtbetrieb. In zwei Schichten wäre der Standort wohl auch für 80.000 Autos gut, mit entsprechenden Sondermaßnahmen sind wohl sogar 100.000 Stück denkbar.

Klingt gut? Verblasst aber neben den Zahlen des Platzhirsches: Tesla hat 2019 rund 368.000 Autos ausgeliefert– alle elektrisch, natürlich. Und die Prognosen für 2020 liegen bei 500.000. Das Siebenfache von Audis Absatzhoffnungen für die E-SUVs E-Tron und E-Tron Sportback 2020.

Tesla deklassiert die Etablierten

Der Absatzturbo von Tesla war das Model 3. Mehr als 302.000 Stück haben die Amerikaner gebaut. Besonders gut funktioniert also bezahlbare Elektromobilität kombiniert mit ausreichender Größe und alltagstauglicher Reichweite. Und davon ist der E-Tron mit einem Einstiegspreis von rund 70.000 Euro (kleinere Batterie) bzw. gut 80.000 Euro deutlich weiter entfernt als das Model 3, dessen Einstiegspreis in den USA bei umgerechnet gut 35.000 Euro liegt.

Bis Audi ein Modell in diesen Preisregionen anbieten kann, wird es 2021 (Audi Q4 E-Tron). Das ist dann zwar eines der beliebten SUVs, aber bis dahin kann Tesla neben dem vergleichsweise günstigen Model 3, dessen Produktion auch in der zweiten Gigafactory nahe Shanghai begonnen hat, zusätzlich das SUV Model Y auf gleicher technischer Basis anbieten. Es wird ziemlich genau im selben Segment antreten wie der Q4 E-Tron und kommt vielleicht noch 2021 auch aus der dritten Gigafactory in Berlin.

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Ja, Tesla zeigt, dass es schneller geht und blamiert die etablierten Autobauer.
Nein, E-Mobilität ist für hohe Stückzahlen noch zu teuer und kann daher aktuell kein großen Stückzahlen erreichen.

Fazit

Der Blick auf die Absatzzahlen 2019 zeigt: Der Vorsprung von Tesla ist enorm – bei Elektroautos. Beim Pkw-Absatz insgesamt aber ist Tesla ein kleines Licht, schafft nur gut ein Sechstel der Stückzahl von Audi, der am wenigsten absatzstarken Marke aus dem Dreigestirn der deutschen Premiummarken. Und Geld verdienen die Amerikaner erst, seit das Model 3 nennenswerte Stückzahlen liefert.

Die etablierten Autohersteller hingegen machten ordentlich Rendite mit dem Verkauf konventionell angetriebener Fahrzeuge. Geld, das sie in die Entwicklung von E-Autos stecken. Trotz des Vorsprungs von Tesla muss das noch nicht zu spät sein, um rechtzeitig in Stückzahl-Regionen vorzustoßen, die genug auf die Erreichung der CO2-Limits beim Flottenverbrauch einzahlen.

Audi scheint hier aktuell am weitesten vorn: Der E-Tron könnte 2020 hohe fünfstellige Absatzzahlen erreichen, der Zugriff auf die Technik des Modularen Elektrobaukastens (MEB) aus dem VW-Konzern erlaubt zudem bald, erschwingliche E-Autos anzubieten.

BMWs teurer Karbon-i3 dürfte da 2020 ins Hintertreffen geraten und hat kaum mehr Steigerungspotenzial beim Absatz. Allerdings stößt der etwas günstigere Mini E offenbar auf vielversprechendes Kundeninteresse und das E-SUV iX3 steht in den Startlöchern.

Daimler kann für 2019 im Wesentlichen 18.400 Elektro-Smart vorweisen, die Zahl der ausgelieferten EQC blieb im dreistelligen Bereich. Wenn Mercedes die lange Anlaufphase aber zum Ausmerzen aller Kinderkrankheiten genutzt hat, könnte 2020 für den EQC und damit für den E-Auto-Absatz von Daimler ein gutes Jahr werden. Die Nachfrage ist da.

Sie zu befriedigen lohnt sich für die Autobauer erst dann so richtig, wenn dadurch Strafzahlungen für einen zu hohen Flottenverbrauch bzw. CO2-Ausstoß vermieden werden.

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