Going Green
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Strommix 2020

So sauber ist unser Strom

Sind Elektroautos aktuell wirklich sauberer, nur weil sie mit Strom fahren? Wir zeigen, ob der Treibstoff der E-Mobilität tatsächlich "grüner" geworden ist.

Ob E-Auto oder Plugin-Hybrid – die Zukunft des Automobils schaut aktuell sehr elektrisch aus. Die großen Fahrzeughersteller haben sich dem Trend gefügt und ihre Modellpaletten umgekrempelt. Selten zuvor ist solch ein großer Umbruch vollzogen worden wie in den letzten Jahren. Das einzige Problem bei all der grünen Aufbruchsstimmung ist und bleibt – neben der Infrastruktur – der Strommix. Denn was bringt es lokal emissionsfrei zu fahren, wenn der imaginäre Auspuff eines Elektroautos der Schlot eines Braunkohlekraftwerks bleibt? Soll heißen, Elektroautos sind erst dann besser für die Umwelt, wenn ihr Treibstoff, der Strom, nachhaltig beziehungsweise erneuerbar produziert wird.

Im vergangenen Jahr betrug der Anteil von erneuerbarer Energie an der Nettostromerzeugung in Deutschland 46,2 Prozent (von 514,86 TWh). Kurz zur Historie dieses Anteils: Im Jahr 2002 betrug er 8,8 Prozent, 2011 mit 23,4 erstmals über 20 Prozent, 2015 genau ein Drittel und im Jahr 2018 40,6 Prozent.

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Windige Zeiten sorgen für Strom-Aufwind

Die Kernenergie war im Jahr 2019 zu 13,8 Prozent an der gesamten Nettostromerzeugung beteiligt. Von den aktuell noch sechs in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken werden drei Ende 2021 und die andere Hälfte ein Jahr später vom Netz genommen. Der Braun- und Steinkohleanteil schrumpfen seit 2014 erstmals nicht nur prozentual, sondern auch total. Allein im letzten Jahr ist der Anteil an der Nettostromerzeugung von Stein- und Braunkohle um 32,8 Prozent beziehungsweise 22,3 Prozent zurückgegangen. Den größten Zuwachs verzeichnet die Stromgewinnung aus Gas (+21,4 %) und Wasserkraft (21,1 %) gefolgt von Wind mit 15,7 Prozent. Allerdings ist letzterer Zuwachs nicht auf eine gleichermaßen angewachsene Anzahl an Windrädern oder gar Windparks zurückzuführen. Vielmehr gilt das Jahr 2019, Segler werden es bestätigen, als ein sehr windiges Jahr.

Energie Strom Nettostromerzeugung 2018 zu 2019
Fraunhofer ISE
Gas, Wind- und Wasserkraft sind auf dem Vormarsch.

So schön das Überspringen der nahenden 50-Prozent-Hürde auch auf den ersten Blick scheinen mag, so unsicher ist die Zukunft der Energiegewinnung. Denn sollte mal kaum Wind wehen oder die Sonne über einen längeren Zeitraum nicht scheinen, könnte es ziemlich düster ausschauen. Sich nur an die wachsende Zahl an Gaskraftwerken zu klammern, wäre fatal. Von den über 60 Projekten zum Neubau von Gaskraftwerken sollen laut Stefan Kapferer, ehemaliger Chef des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Mitte April 2019 gerade einmal zehn im Bau gewesen sein. Und auch Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, warnte Anfang 2019 auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel: "Kohlekraftwerke schnell komplett abschalten klingt populär, aber seriös ist es überhaupt nicht. Weil es Versorgungssicherheit gefährdet, Unternehmen erheblich belastet, Arbeitsplätze kostet und den Menschen in den Regionen den Boden unter den Füßen wegzieht."

Wer an dieser Stelle meint, dass es ganz offensichtlich ist, warum ein von der Energiewende betroffener Konzern wie RWE warnt, der irrt. Denn der Essener Versorger wird künftig zum weltweit zweitgrößten Offshore-Windanlagenbetreiber und zum drittgrößten Ökostrom-Produzenten Europas. Ab sofort investiert das Unternehmen 1,5 Milliarden Euro jährlich in erneuerbare Energien. Der Aktienkurs der RWE AG befindet sich spätestens seit der Bekanntmachung des Deals mit Eon am 11. März 2018 im Aufwind und aktuell auf dem höchsten Stand seit über fünf Jahren. Oder anders gesagt: Die Warnung darf durchaus ernst genommen werden.

VW ID.3 IAA 2019 Weltpremiere
Patrick Lang
Der ID.3 startet in diesem Jahr in den Markt.

Je sauberer der Strom, desto "grüner" das Auto

Im Jahr 2018 betrug der CO2-Wert pro produzierter Kilowattstunde im deutschen Strommix 474 Gramm pro kWh. Gegenüber 1990 ein Minus von 38 Prozent. Und auch für das Jahr 2019 ist ein Rückgang von rund zehn Prozent zu erwarten. Was heißt das nun für einen Stromer? Ein VW ID.3 muss nach 100 gefahrenen Kilometern mit etwa 14,8 Kilowattstunden (13,8 kWh/100 km interner Verbrauch + 1 kWh Ladeverlust) geladen werden. Im Jahr 2018 emittierte er demnach 70,15 Gramm CO2 pro Kilometer – natürlich nicht vor Ort.

Wer jetzt seinen konservativen Verbrenner mit solch einem E-Auto vergleichen möchte, muss jedoch beachten, dass beim Stromer bereits die gesamte Vorkette der Produktion miteingerechnet ist. Ein Fahrzeug mit Verbrennungsfahrzeug müsste demnach rund 20 Prozent seines CO2-Ausstoßes (CO2-Emissionen für Förderung, Transport, Raffinerie) nochmals auf die eigenen Emissionen packen. Das Vergleichsfahrzeug dürfte also nur 58,46 Gramm CO2 auf einem Kilometer emittieren, um auf das Niveau des ID.3 zu kommen. Im Jahr 2019 (zu erwartende 400 Gramm CO/kWh) dürften es sogar nur noch 49 Gramm CO2 pro Kilometer sein. In fossilen Brennstoffen gesprochen: 2,09 Liter Benzin beziehungsweise 1,85 Liter Diesel auf 100 Kilometern.

Fazit

Der stetig steigende Anteil erneuerbarer Energien am Strommix weckt Hoffnung. Die große Frage ist nur, ob die in den kommenden Jahren scheidenden Energieproduzenten rechtzeitig ersetzt werden können.

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