VW ID. 3 Testfahrt Jens Dralle VW
VW ID. 3 Testfahrt Jens Dralle
VW ID. 3 Testfahrt Jens Dralle
VW ID. 3 Testfahrt Jens Dralle
VW ID. 3 Testfahrt Jens Dralle 26 Bilder

Fahrbericht VW ID.3 (2020)

Unterwegs im fast fertigen Elektro-Golf

Dass VW mit einem als bunter Hund getarnten Prototypen des neuen ID.3 Werbung macht, ist auffällig. Dass wir das in Zwickau produzierten E-Auto schon fahren dürfen, ist super und dass Jogi gerade im Krankenhaus liegt nicht schön. Wie das alles zusammenhängt, lesen sie hier. Dazu im Video: der ID.3 im ausführlichen Innovationscheck und auf der Straße.

Der ID.3 macht aktuell negative Schlagzeilen – der Software wegen, die seinen Auslieferungsstart verzögert, VW zwang, Autos auf Halde zu produzieren. Aber am Ende ist die Aufregung vielleicht ein wenig übertrieben: Die Verzögerung liegt bei vier Wochen, die Software beherrscht zu Beginn gerade mal zwei Features nicht. Und wir können schon jetzt, Mitte Juni, den neuen ID.3 bewegen und statt der Software vor allem mal die Hardware testen – wie fährt der erste VW auf Basis des neuen Modularen Elektrobaukastens (MEB)?

"Seit dem Käfer", sagt VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch vergnügt, "bauen wir erstmals wieder ein Auto mit Heckantrieb!" Das dürfe aber keinesfalls Auswirkungen auf die Fahrsicherheit haben, befindet er – und dass ich das bitte überprüfen möge.

Frank Welsch, Mitglied des Vorstands der Marke Volkswagen Pkw,
Geschäftsbereich „Technische Entwicklung"
VW
Frank Welsch, Mitglied des Vorstands der Marke Volkswagen Pkw, Geschäftsbereich „Technische Entwicklung".

VW ID.3 mit überzeugender Straßenlage

Ein paar Kurven liegen tatsächlich im Inneren des Steilwand-Ovals herum, das mitten im VW-Werksgelände als kleine Teststrecke für zwischendurch dient. Wie der ID.3 da durch fährt? Ziemlich unbeeindruckt. Egal, ob Wechselkurven oder provozierter Lastwechsel in der Kurve – der 4,26 Meter lange Kompaktwagen verhält sich weitgehend neutral, schiebt brav über die Vorderräder, wenn es der Fahrer übertreibt, ohne jedoch zu viel Fahrbahn für sich zu beanspruchen. Das liegt vor allem am hervorragend-homogenen Lenkgefühl, das ausreichend Informationen über das Gripniveau zulässt, zudem die Lenkung mit wohldosiertem Rückstellmoment und niedrigen Haltekräften gefällt. Im Sportmodus wird sie dann fester, wie so oft ohne ein echtes Plus bei der Direktheit zu schaffen – Geschmackssache. Schließlich bietet der ID.3 einen Individualmodus, der die persönliche Komposition von Lenkungs-, Antriebs- und Fahwerksabstimmung erlaubt. Gegen Aufpreis liefert VW adaptive Dämpfer, der Testwagen kommt ohne aus, wirkt daher beim Überfahren von Unebenheiten ein wenig staksig, in etwa so, wenn ein Golf mit zu dicken Stabilisatoren ausgerüstet wird – eine bauartbedingte Eigenheit von Fahrzeugen mit tiefem Schwerpunkt.

Dafür ist beim ID.3 der Akku verantwortlich, der in den so genannten 1st-Modellen (Basis, Plus und Max) eine Kapazität von 58 kWh bietet. Er versorgt einen 150 kW starken E-Motor mit Energie, der unter dem Kofferraumboden sitzt und die Hinterräder antreibt. "Sollte es mal eine sportliche Variante geben, können wir uns das Konzept sicher zu Nutze machen", orakelt Welsch. Da läge die Regelschwelle ein wenig höher. Jetzt geht aber selbst im Sport-Modus der Regelelektronik Sicherheit vor. Eingriffe lassen sich trotzdem nur mit Gewalt am Lenkrad provozieren, was hier praktisch nicht möglich ist.

Der VW ID.3 in Blochs innovationscheck
45:08 Min.

Satter Durchzug, flüsterleise

Viel wichtiger jedoch: Die Souveränität des Antriebs und das niedrige Geräuschniveau. Das jederzeit abrufbare, verzögerungsfrei einsetzende Drehmoment von 310 Newtonmeter beschleunigt den vermutlich über 1,6 Tonnen schweren VW lässig, das Triebwerk kommt ohne aufgeregten Straßenbahn-Sound aus, ist gut gedämmt, Windgeräusche fallen ebenfalls nicht auf.

Wer eine hohe Rekuperationsleistung schätzt, wählt die Fahrstufe B, die ähnlich wie beim BMW i3 über einen Satelliten am Lenkrad gewählt werden muss. Der lässt sich problemlos erreichen, wie überhaupt alle Bedienelemente. Es darf viel berührt, nichts muss gedrückt werden, selbst die Bedien-Kreuze in den Lenkradspeichen nicht. Auch das Verdunklungsrollo des üppigen Glasdachs öffnet und schließt, in dem man mit dem Finger über eine kleine Fläche in der Dachkonsole streicht. Von oben kommt also viel Licht in den ID.3, die Passagiere genießen viel Platz. Der Autor (1,92 Meter) findet genug Platz auf der Rückbank, obwohl ein 1,95-Meter-Mannsbild den Sitz vor ihm mit 112 Kilogramm Körpergewicht belastet. Lediglich mit dem Kopf streifen groß Gewachsene im Fond schon am hinten stark abfallenden Dach und der Kofferraum ist zwar ordentlich, an Variabilität ist aber außer Rückbanklehnen umklappen wenig geboten. Insgesamt müssen sich die Passagiere zudem mit recht kargen Kunststoffen arrangieren.

VW ID Fahrbericht (2018)
2:36 Min.

Und die Verarbeitung? Solide, zumindest sorgen auf der wirklich, nun, schlechten Schlechtwegstrecke vor allem die 20-Zoll-Räder für Geräusche. Die hat nie jemand an einen Käfer geschraubt – und der wurde 65 Jahre lang gebaut. Ein derart langes Leben bleibt dem ID.3 trotz Heckantrieb wohl verwehrt.

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Angenommen, Sie würden bei einer Lotterie gewinnen und könnten sich zwischen den folgenden zwei Fahrzeugen frei entscheiden: Würden Sie sich eher für den aktuellen VW Golf oder den VW ID.3 entscheiden?
Für den Golf 8. Der wird auch in 9. Generation zukunftsfähig sein - als Plug-in-Hybrid.
Für den ID.3. Den kann man auch in 5 Jahren noch ohne großen Wertverlust verkaufen.

Fazit

Warum sollte es die VW-Truppe verlernt haben, Autos zu bauen, nur weil statt eines Verbrennungs- ein E-Motor drin steckt? Eben. Deshalb fährt der ID.3 agil, sicher und komfortabel, bietet zudem viel Platz bei kompakten Abmessungen und eine gute Ergonomie.

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