Elektroantrieb der nächsten Generation: Geely schafft Rekordverbrauch von 8,2 kWh/100 km

Geely präsentiert 16-in-1-Elektroantrieb
Geely schafft Rekordverbrauch von 8,2 kWh/100 km

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.07.2026
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Geely Galaxy TT Motor
Foto: Geely / Schönfeld

Geely hat sich die Integration von Elektroantrieben auf die Fahne geschrieben. Mit dem neuen "Thunder" 16-in-1 Intelligent Electric Drive fasst der chinesische Hersteller jetzt gleich zwölf Hardware- und vier Softwarefunktionen in einer einzigen Antriebseinheit zusammen. Das System soll einen Gesamtwirkungsgrad von 93,8 Prozent erreichen und feiert seine Premiere in der neuen Elektro-Limousine Geely Galaxy TT. Ziel der Entwicklung sind ein geringeres Gewicht, weniger Bauraum, niedrigere Energieverluste und eine vereinfachte Fahrzeugarchitektur.

Zwölf Hardware-Komponenten in einem Gehäuse

Während die Antriebstechnik der meisten modernen Elektroautos bislang aus mehreren separaten Hochvolt-Komponenten bestehen, integriert Geely zahlreiche Funktionen in einer einzigen Einheit. Zum Paket gehören unter anderem Elektromotor, Leistungselektronik, Untersetzungsgetriebe, On-Board-Lader, DC/DC-Wandler, Hochvolt-Verteiler, Batterie-Management-Systeme sowie die zentrale Fahrzeugsteuerung. Ergänzt wird die Hardware durch vier Softwareebenen für Energie-, Lade-, Fahrdynamik- und Zustandsmanagement.

Durch diese Zusammenführung entfallen laut Geely mehr als 180 Einzelteile. Gleichzeitig reduziert sich die Hochvolt-Verkabelung um 30 Prozent, die Niedervolt-Leitungen um 15 Prozent. Die Leistungsdichte gibt der Hersteller mit 11,8 kW pro Kilogramm an.

75 Kilogramm schwer und deutlich kompakter

Das komplette Antriebssystem bringt lediglich 75 Kilogramm auf die Waage und soll damit rund 15 Prozent leichter sein als vergleichbare Systeme. Möglich wird dies unter anderem durch ein Magnesiumgehäuse sowie die gemeinsame Konstruktion von Elektromotor, Getriebe und Befestigungselementen.

Mit einer Bauhöhe von weniger als 325 Millimetern benötigt der Antrieb zudem deutlich weniger Bauraum. Dadurch sollen sich je nach Fahrzeugkonzept rund 28 Liter zusätzliches Ladevolumen im Frontbereich gewinnen lassen.

800-Volt-Technik und Reaktionszeiten von zwei Millisekunden

Der neue Antrieb basiert auf einer 800-Volt-Architektur. Eine zentrale "One-Chip"-Steuerung bündelt sämtliche Regelungsaufgaben und reduziert laut Geely die Reaktionszeit der Leistungselektronik von üblichen 40 Millisekunden auf bis zu zwei Millisekunden. Dadurch soll die Drehmomentregelung schneller und präziser arbeiten.

Auch das Thermomanagement wurde überarbeitet. Eine Kühlstruktur mit 54 Kanälen sorgt für eine gleichmäßige Temperaturverteilung im Antrieb. Zusätzlich nutzt das System bei niedrigen Temperaturen gespeicherte Abwärme. Bei Außentemperaturen von minus 18 Grad soll sich dadurch der Energiebedarf für die Innenraumheizung um mehr als 40 Prozent reduzieren.

Rekordverbrauch im Testbetrieb

Bei einer Verbrauchsfahrt rund um den Qinghai-See erzielte ein Testfahrzeug nach Herstellerangaben einen Energieverbrauch von lediglich 8,2 kWh pro 100 Kilometer. Dabei handelt es sich allerdings um einen speziellen Test unter definierten Bedingungen und nicht um einen offiziellen Verbrauchswert im Alltagsbetrieb.

Für Serienfahrzeuge nennt Geely einen CLTC-Verbrauch von bis zu 10,7 kWh pro 100 Kilometer. Der Gesamtwirkungsgrad des kompletten Antriebssystems soll dabei 93,8 Prozent erreichen – nach Angaben des Herstellers ein Spitzenwert für ein Serienfahrzeug.

Premiere im Geely Galaxy TT

Seinen ersten Einsatz feiert der neue Antrieb im Geely Galaxy TT. Die knapp fünf Meter lange Elektro-Limousine misst 4.999 Millimeter in der Länge, 1.919 Millimeter in der Breite und besitzt einen Radstand von 2.920 Millimetern.

Geplant sind zwei Leistungsstufen. Eine Variante mit Heckantrieb und 245 kW (333 PS), sowie ein Allradmodell mit 425 kW (578 PS) und zwei Elektromotoren, das in 3,8 s auf Tempo 100 sprintet. Als Energiespeicher stehen Batterien mit 52,4, 63,8 und 75,2 kWh zur Verfügung. Die CLTC-Reichweiten liegen je nach Variante zwischen 540 und 725 Kilometern.

Integration bringt nicht nur Vorteile

Der Trend zu hochintegrierten Antriebssystemen ist in der Branche klar erkennbar. Weniger Einzelkomponenten bedeuten geringeres Gewicht, niedrigere Produktionskosten, kürzere Kabelwege und meist auch höhere Effizienz. Gleichzeitig sinkt der Bauraumbedarf, was den Fahrzeugentwicklern zusätzliche Freiheiten bei Innenraum und Crashstruktur verschafft.

Die hohe Integrationsstufe wirft allerdings auch Fragen hinsichtlich Reparatur und Wartung auf. Fallen einzelne Komponenten wie On-Board-Lader oder Leistungselektronik aus und lassen sich diese nicht separat austauschen, könnten Reparaturen deutlich aufwendiger und kostspieliger werden. Ob und in welchem Umfang Geely einzelne Baugruppen instandsetzen oder ersetzen kann, wird sich erst im Serieneinsatz zeigen.

Fazit