Stellantis und der US-Batteriespezialist Factorial haben einen wichtigen Entwicklungsschritt bei Festkörperbatterien erreicht: Erstmals wurde die "FEST"-Technologie (Factorial Electrolyte System Technology) in ein fahrbereites Entwicklungsfahrzeug integriert. Als Testträger dient ein Dodge Charger Daytona auf Basis der STLA-Large-Plattform. Parallel dazu haben die Unternehmen ein umfangreiches Straßentestprogramm gestartet.
Mit dem Projekt verlassen Stellantis und Factorial die reine Laborentwicklung und verlagern die Technologie erstmals in den realen Fahrbetrieb. Ziel ist es, Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Festkörperbatterie unter Alltagsbedingungen zu überprüfen.
Vom Zelllabor auf die Straße
Festkörperbatterien gelten seit Jahren als eine der vielversprechendsten Weiterentwicklungen klassischer Lithium-Ionen-Akkus. Sie sollen höhere Energiedichten ermöglichen, schneller laden und gleichzeitig mehr Sicherheit bieten. Der entscheidende Schritt besteht jedoch darin, diese Vorteile nicht nur auf Zellebene, sondern im kompletten Fahrzeug nachzuweisen.
Genau diesen Übergang wollen Stellantis und Factorial nun demonstrieren. Nachdem FEST-Zellen bereits zuvor für den Einsatz im Automobilbereich validiert worden waren, erfolgte jetzt die Integration in ein vollständiges Batteriepaket eines Entwicklungsfahrzeugs. Nach Angaben der Unternehmen wurde dafür eine neue, patentierte mechanische Architektur entwickelt, um die Eigenschaften der Festkörperzellen optimal im Fahrzeug zu nutzen. Zusätzlich mussten Batterie-Management, Steuerungssysteme und Pack-Design angepasst werden, um die hohen Anforderungen an Haltbarkeit, Temperaturmanagement und Fahrzeugsicherheit zu erfüllen.
Hohe Energiedichte und schnelles Laden als Ziel
Bereits 2025 hatten Stellantis und Factorial technische Eckdaten ihrer FEST-Technologie veröffentlicht. Demnach erreichten die Zellen eine Energiedichte von 375 Wh/kg – ein Wert, der deutlich über heutigen Serien-Lithium-Ionen-Batterien liegt. Ebenso bemerkenswert: Unter definierten Testbedingungen soll sich der Ladezustand innerhalb von 18 Minuten von 15 auf 90 Prozent erhöhen lassen. Gleichzeitig wurde die Funktion der Zellen in einem Temperaturbereich von minus 30 bis plus 45 Grad Celsius getestet.
Sollten sich diese Werte im Fahrzeugbetrieb bestätigen, könnten Festkörperbatterien künftig mehrere aktuelle Herausforderungen von Elektroautos adressieren – insbesondere Reichweite, Ladezeiten und Batteriegewicht.
Fokus auf Industrialisierung
Ein zentraler Aspekt der Zusammenarbeit ist die spätere Skalierbarkeit. Stellantis betont, dass die FEST-Technologie mit bestehenden Produktionsprozessen für Lithium-Ionen-Batterien kompatibel sei. Dadurch könnten sich Investitionen in neue Fertigungsstrukturen begrenzen und ein schnellerer Hochlauf ermöglichen.
Für Factorial markiert das Projekt einen wichtigen Schritt vom Technologieentwickler zum industriellen Zulieferer. Das Unternehmen arbeitet bereits mit mehreren Automobilherstellern zusammen und verfolgt das Ziel, Festkörperbatterien in die Serienproduktion zu bringen. Die nun gestarteten Straßentests sollen Daten zu Ladeverhalten, Leistungsabgabe, Temperaturentwicklung und Langzeitstabilität liefern. Auf Basis dieser Erkenntnisse wollen Stellantis und Factorial die weitere Kalibrierung und Industrialisierung der Technologie vorantreiben.
Auch Mercedes mit Factorial im Boot
Neben Stellantis gehört deshalb auch Mercedes-Benz zu den wichtigsten Industriepartnern von Factorial. Die Stuttgarter arbeiten parallel an der nächsten Entwicklungsstufe der Technologie und setzen dabei auf die neue Solstice-Zellgeneration mit sulfidbasiertem Festelektrolyten. Mercedes hatte bereits einen seriennahen Technologieträger auf Basis des EQS vorgestellt und verfolgt – unterstützt durch AMG High Performance Powertrains und die eigene Batterieentwicklung – einen langfristig angelegten Industrialisierungsansatz.
Während Stellantis aktuell den Schwerpunkt auf frühe Fahrzeugintegration und schnelle Validierung im realen Betrieb legt, verfolgt Mercedes eine breiter aufgestellte Strategie mit mehreren Zellpartnern. Gemeinsam ist beiden Herstellern jedoch das Ziel, Festkörperbatterien aus dem Versuchsstadium in die Großserie zu bringen – und damit perspektivisch mehr Batteriekompetenz nach Europa zu holen.












