BMW 218i Gran Coupé, Mercedes CLA 180, VT, ams1520 Achim Hartmann
BMW 218i Gran Coupé, Mercedes CLA 180, VT, ams1520
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BMW 218i Gran Coupé, Mercedes CLA 180

140-PS-Viertürer-Coupes der Kompaktklasse im Vergleich

Man hat zwar bisweilen den Eindruck, es gebe nur noch SUV-Ableger, doch das täuscht: Auch BMW 218i Gran Coupé sowie Mercedes CLA 180 entstammen der Kompaktklasse. Sie treten als viertürige Limousinen mit schwungvoll gezeichneter Dachlinie und ein wenig Oberklasse-Flair auf.

Wir wollen hier gar nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern gleich unseren Dank formulieren – dafür, dass immer noch Flachdach-Limousinen wie der Mercedes CLA auf den Markt kommen. Oder, jüngst erst, das BMW Gran Coupé. Denn wir hatten schon befürchtet, dass in den Design-Abteilungen fast nur noch SUV gezeichnet werden.

So aber freuen wir uns, wenn wir bei Testfahrten betont tief sitzen dürfen. Denn zum Glück verlangt unser Rücken noch nicht nach hohem Ein- und Aussteigen. Und unser Status-bewusstsein ist in einer Zeit hängen geblieben, als ein eleganter Viertürer Bewunderung ausgelöst hat. Außerdem schätzen wir den niedrigen Schwerpunkt durch das abgesenkte Dach auf kurvigen Sträßchen wirklich sehr.

Nach den vielen hochgesetzten Karossen im Testalltag wird der Umstieg eine Etage tiefer in puncto Fahrspaß zum Aufstieg. Dieses Dahinschnüren mit zurückhaltenden Lenkbewegungen, dieses aus dem Handgelenk geschüttelte Schnellsein, diese Leichtfüßigkeit mangels nennenswerter Wankbewegungen – das alles erhellt selbst einen trüben Tag. Ja, wir geben es unumwunden zu: Wir kommen der Straße im Autositz gerne nahe, versuchen nicht, ihr in luftige Höhe zu entfliehen – der Asphalt ist in unseren Augen keine Bedrohung, sondern Verlockung. Das gilt für den CLA wie für das Gran Coupé. Obwohl beide Testwagen eher bescheiden motorisiert sind, steigt man lieber ein als aus.

Und obwohl beide Testwagen eher stattlich als mickrig erscheinen und rund 4,6 Meter lang sind, bleiben sie deutlich unter 1,5 Tonnen. SUVs vergleichbarer Länge von BMW und Mercedes liegen mehrere Hundert Kilo darüber. Allerdings bieten sie dann mehr Raum für Passagiere und Gepäck; das enger sitzende Karosseriekleid ist nämlich ein weiteres Kennzeichen der viertürigen Coupés, wie sie oft genannt werden. Auch das ist übrigens eines der Merkmale, weshalb jene Modelle Richtung automobile Oberschicht tendieren: Sie sind bewusst nicht vom Nutzwert getrieben, sondern vor allem dem Design verpflichtet.

Einen CLA oder ein Gran Coupé kauft man nicht, weil man muss, sondern weil man will. Und weil man es sich leisten kann, relativ viel Geld für relativ wenig Innenraum auszugeben. Der lässt sich für ein paar große Scheine zusätzlich richtig schick ausgestalten. Anders ausgedrückt: Optionen wie ein (kunst-) beledertes Armaturenbrett oder große Bildschirme vertreiben viel vom Hartplastik-Ambiente der Kompaktklasse.

Ladeboden faltbar

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Im BMW Gran Coupé stecken die Stoßdämpfer großherzig ein und setzen sich engagiert mit Bodenwellen auseinander. Erstaunlich: Sie kommen ohne Adaption aus.

Selbst wenn man es angesichts ihrer gestreckten Körper kaum glauben mag, so stammt der CLA von der A-Klasse und das Gran Coupé vom Einser ab. Dass sie so gar nicht nach Kompaktklasse aussehen, liegt an der durchaus beachtlichen Karosserie-Verlängerung. Im Mercedes bietet sie etwas mehr Volumen, während der BMW mit seiner niedrigeren Ladekante und einem Boden punktet, der sich gegen die Rücksitzlehne falten lässt. Zudem passt mehr Kleinkram in das Fach darunter, was wir bei der Funktionalität positiv vermerken. Ähnliches gilt für die iDrive-Bedienung via Dreckdrücker, welche dem Touchpad des CLA an Treffsicherheit überlegen ist. Im Gegenzug erweist sich die freundliche Dame der Mercedes-Sprachbedienung als enorm verständnisvoll.

Wer angesichts der geduckten Silhouette wenig Kopffreiheit vermutet, liegt richtig – allerdings nur auf der Rückbank. Hier logieren langbeinige Passagiere im BMW besser. Andererseits erweist sich der zusätzliche Halt im Mercedes dank stärker ausgeformter Wangen für den Rücken als angenehmer. Abgesehen davon wird es für Sitzriesen in beiden Modellen unbequem – sie sollten einen Platz in der ersten Reihe erbitten.

Er rappelt sich hoch

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Der CLA setzt sauber in Wechselkurven um, greift entschlossen nach dem Scheitelpunkt, diktiert hilfreiche Hinweise ins Lenkrad, inwiefern noch Spielraum besteht, den Ehrgeiz zu erhöhen.

Vorne präferieren wir die Sitze des getesteten 218i mit Sport Line, die nicht weniger als eine Verheißung für den Ausflug in unser bevorzugtes Kurvenrevier ist. Allerdings führt der Weg dorthin für uns und das Gran Coupé zunächst durch die Stadt mit ihren Spielverderber-Ampeln. Bei Rot stoppt die Kraftwärmemaschine artig ihren Lauf, um sich bei Grün wieder hochzurappeln.

Der Dreizylinder schüttelt sich so vehement wach, dass der Fahrer gleich mit hochschreckt. Nein, Schwärmereien wären bezüglich dieses Triebwerks euphemistisch. Immerhin haben die Techniker den Wachschüttler für die anschließenden Arbeitstakte gut eingepackt, sodass er während der Fahrt nur noch dezent vernehmbar unter der Vorderhaube schnorchelt.

Anders der Vierzylinder des CLA 180: Er startet zurückhaltend, dreht gleichmäßig hoch, untermalt seine Anstrengungen aber akustisch deutlicher, als man es sich von einem Mercedes wünschen würde. Ein Blick unter die Motorhaube offenbart hierfür einen Grund – der Hersteller hat die Dämmmatte weggespart. Keine allzu brillante Idee. Immerhin war man beim Wegfiltern der übrigen Fahrgeräusche erfolgreicher, denn bei Landstraßentempo zeigt das Messgerät vier dB(A) weniger als im BMW an.

Schon ist man versucht, das abgehangene Klischee des komfortabel vor sich hin säuselnden Mercedes zu bemühen, der dem engagiert bewegten BMW nur noch hinterherwinken kann. Schließlich weckt dessen Ausstattungslinie Sport Line gewisse Erwartungen an besonders agiles Fahrverhalten. Und tatsächlich legt das Gran Coupé los, als übte es für die Rennslalom-Meisterschaft.

Was wir auf der Autobahn noch als leichtes Tigern kritisch beäugt haben, jenes abrupte Losschlagen um die Mittellage, würden wir nun als energisches Einlenken beschreiben – es ermöglicht genau jenes muntere Durchpflügen der Landschaft mit kleinen Bewegungen am Lenkrad.

Die Euphorie darüber hält so lange vor, bis man das Tempo anzieht und der Vorderachs-Grip das Einlenk-versprechen nicht mehr erfüllen kann. Dann schubbern die Vorderreifen über den gewählten Radius hinaus – die Lenkung berichtet davon allerdings nur zurückhaltend.

Eher schon bekundet sie leichte Antriebseinflüsse, sobald sich der 218i wieder gefasst hat und aus dem Scheitelpunkt herausbeschleunigt. Diese Art der Rückmeldung dürfte nicht nur hinterradaffinen Markenjüngern missfallen.

Anders die Abstimmung der Federung. Denn schließlich hat sich BMW im vergangenen Jahrzehnt eine enorme Kompetenz beim Komfort erarbeitet. So stecken auch im Gran Coupé die Stoßdämpfer großherzig ein, setzen sich engagiert mit Bodenwellen auseinander. Erstaunlich: Sie kommen ohne Adaption aus. Zwar zeigt sich ihre Grundabstimmung eher straff, doch das verhindert das häufig als unangenehm empfundene Nachwippen. Im Mercedes mit optionalen Verstelldämpfern ist es auf der Autobahn ansatzweise zu spüren. Zudem spricht er auf der Landstraße mit seinen 18-Zoll-Rädern etwas harscher an.

Liegt satter in der Kurve

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Seine 20 Nm mehr bringen dem 218i vorwiegend bei der Null-auf-hundert-Messung Vorteile; jenseits der optimierten Standardbedingungen wirkt dagegen der CLA 180 munterer, weil er nicht schon bei etwa 4500/min ein dieseliges Leistungsplateau bildet wie der 218i.

Gut dagegen haben die Techniker das Wanken unterbunden. Der CLA setzt sauber in Wechselkurven um, greift entschlossen nach dem Scheitelpunkt, diktiert hilfreiche Hinweise ins Lenkrad, inwiefern noch Spielraum besteht, den Ehrgeiz zu erhöhen. Das schlägt sich bei den Fahr-dynamik-Tests in etwas höheren Kurvengeschwindigkeiten nieder. Doch jenseits von Messwerten gefällt vor allem, dass der Mercedes satter in der Kurve liegt, konsequenter auf der vorgegebenen Linie bleibt und leichtfüßiger herausbeschleunigt.

Denn seine 20 Nm mehr bringen dem 218i vorwiegend bei der Null-auf-hundert-Messung Vorteile; jenseits der optimierten Standardbedingungen wirkt dagegen der CLA 180 munterer, weil er nicht schon bei etwa 4.500/min ein dieseliges Leistungsplateau bildet wie der 218i. Wobei beide Testwagen mit ihren rund 140 PS starken Maschinen nicht wirklich reißerisch loslegen. Immerhin halten sich die Verbräuche im Rahmen und liegen praktisch gleichauf. Positiv: Beide lassen sich sparsam bewegen, absolvieren die Eco-Runde von auto motor und sport mit 5,5 (Mercedes) respektive 5,7 (BMW) Litern Super auf 100 Kilometer.

Entscheidender ist die Differenz im Kapitel Sicherheit. Die geringfügig größere Auswahl bei Assistenzsystemen sowie Lichttechnik samt der rundum kürzeren Bremswege summieren sich zu fünf Pluspunkten für den CLA. Addiert man den Vorteil von sechs Punkten beim Fahrverhalten hinzu, welche sich aus der rückmeldungsfreudigeren Lenkung, dem agileren Handling, dem kleineren Wendekreis sowie dem stabileren Geradeauslauf speisen, dann ergibt sich ein unverkennbarer Vorsprung in der Eigenschaftswertung.

Immerhin kann ihn das Gran Coupé bis zur Endabrechnung noch verkürzen, denn es ist günstiger bei Wartungskosten und Verschleißteilen. Außerdem gewährleistet BMW ein Jahr länger als Mercedes. Zum Gleichstand oder gar Sieg reicht das allerdings nicht.

Dabei ist die Punktedifferenz so gering, dass wir hier ganz lapidar feststellen können: Kaufen Sie doch einfach das Modell, das Ihnen besser gefällt. Bei den Flachdach-Limousinen geht es schließlich vorwiegend ums Design.

Fazit

1. Mercedes 450 Punkte

Bei Sicherheit und Fahrverhalten legt der CLA so weit vor, dass er sich kürzere Garantiezeiten erlauben kann und dennoch gewinnt. Sein spielerisches Handling gefällt.

2. BMW 444 Punkte

Obwohl das Gran Coupé ohne Verstell-Modi auskommen muss, federt es besser. Zum BMW-typischen Fahrverhalten fehlen Rückmeldung in der Lenkung und Grip an der Front.

Technische Daten

Mercedes CLA 180 Progressive BMW 218i Gran Coupé Sport Line
Grundpreis 36.503 € 37.050 €
Außenmaße 4688 x 1830 x 1439 mm 4526 x 1800 x 1420 mm
Kofferraumvolumen 460 l 430 l
Hubraum / Motor 1332 cm³ / 4-Zylinder 1499 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 5500 U/min 103 kW / 140 PS bei 4600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h 215 km/h
0-100 km/h 8,9 s 8,3 s
Verbrauch 5,4 l/100 km 5,0 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km 7,5 l/100 km
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