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Nissan Pulsar im Gebrauchtwagen-Check

Nissan Pulsar im Gebrauchtwagen-Check Ein wirklich seltener Stern

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Einst war Nissan eine feste Größe im Club der Kompakten – der letzte Vertreter heißt Pulsar. Ein komfortabler, gut ausgestatteter Typ, der leider nicht genug Fans fand. Gebraucht ist er selten – und verlockend günstig.

Ein kompakter Nissan, da denke ich doch sofort an den Sunny – und an die frühen 1990er-Jahre, als er noch auf den Straßen war", erinnert sich Meister Wünsch. "Später wurde aus dem Sunny der Almera – die Japaner scheinen gern neue Namen zu vergeben." Denn aus dem Almera – er verkaufte sich in guten Jahren hierzulande rund 20.000-mal – wurde der Tiida. Und mit ihm brachen die Verkäufe ein, mehr als 4.000 Einheiten pro Jahr ließen sich nicht absetzen. 2011 zog man daher die Notbremse und stoppte den Verkauf.

Es vergingen drei lange Jahre, bis Nissan den Neustart in der Kompaktklasse wagte – wieder mit einem neuen Namen: diesmal Pulsar. Es ist jener 4,49 Meter lange Viertürer, den wir hier im Bild sehen. Der mehr auf Ausstattung und Komfort setzt als auf scharfe Blechkanten.

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Korrosion? Ja, die gibt es am Pulsar – aber nuran unkritischen Stellen. Nach mehreren Wintern auf unseren Straßen ist das nicht unnormal.

"Kein schlechter Ansatz, um sich von der Masse abzuheben", urteilt Meister Wünsch und läuft langsam um den heutigen Testkandidaten. Ein Pulsar, Baujahr 2014. Also einer der ersten, das Modell startete erst in jenem Jahr durch. Der eine Vorbesitzer hat sich die zweitbeste Ausstattung bestellt – Acenta. Sie bringt neben dem vollen Airbag-Paket eine Klima- automatik und einen Tempomaten, Licht- und Regensensor, vier elektrische Fensterheber, ein Audiosystem, einen Notbrems- assistenten, Lederlenkrad und Sitzheizung vorn mit. Obendrein ist noch das optionale Navigationssystem mit dabei. "Also eine beachtliche Menge Luxus an Bord", fasst Meister Wünsch augenzwinkernd zusammen.

Sparsamer 1.2-Turbo- benziner mit 115 PS

Mehr interessiert ihn jedoch der Zustand des Gebrauchten, weshalb er auch sofort mit dem ersten Check beginnt: Er untersucht die Karosserie auf Schönheitsfehler und Unstimmigkeiten. Wir werfen derweil einen zweiten Blick auf die Verkaufsanzeige. Demnach hat der Turbobenziner mit 1,2 Litern Hubraum knapp 74.500 Kilometer abgespult. Demnach war der Vorbesitzer kein Vielfahrer, was sich auch mit den ersten Feststellungen von Meister Wünsch deckt: "Der Lack ist frisch und gründlich poliert, kleinere Steinschläge an der Front wurden ausgebessert, die zwei kleinen Dellen in der linken Seite könnten von unachtsamen Parknachbarn stammen." Die Frontscheibe hat keine Steinschläge, die Dichtungen der Seitenfenster keinen Moosansatz. "Ich gehe stark davon aus, dass dieser Pulsar kein Laternenparker war, sondern eher in einer Garage schlummern durfte. Starten wir zur Probefahrt!"

Bevor unser Checker den Sitz einstellt, aktiviert er bei laufendem Motor die Klimaanlage – und fordert maximale Kühlung. "Wenn sie nicht nach kurzer Zeit wirklich kalte Luft in den Innenraum pustet, stimmt was nicht mit der Anlage." Nach einer Minute kommt frostige Luft aus den Ausströmern. "Das passt", urteilt der Meister und legt den ersten Gang ein. Der Benziner ist zwar kein Hubraumriese – und mit 115 PS auch kein Kraftprotz –, und doch passt seine Leistungsentfaltung gut zum Charakter des Pulsar. Der gibt sich eher gemütlich und komfortabel als sportlich und energisch. Ein Typ zum Reisen, zum Auto-Schlendern.

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Pitstop? Regelmäßige Wartung freut nicht nur den Meister, sondern sichert auch ein langes Autoleben. Ungut: Lücken im Serviceheft

Dazu passen die bequemen Sitze (Sitzheizung getestet, funktioniert) und das auf Bequemlichkeit ausgelegte Fahrwerk.

Meister Wünsch kostet das gesamte Drehzahlband des Benziners aus, schaltet sich beflissen durch die sechs Gänge und steuert bewusst ein paar Schlaglöcher an.

"Fährt und federt ohne störende Geräusche", urteilt er auf dem Rückweg. Vor dem Werkstatttor lässt er den Motor im Leerlauf vor sich hin drehen, öffnet die Haube und lauscht ein paar Sekunden aufmerksam. "Ich möchte hören, ob die Steuerkette rasselt – das kann beim Benziner vorkommen. Leider keine günstige Diagnose, weshalb solche Geräusche im Leerlauf ernst genommen werden sollten."

Das Thema Steuerkette findet sich auch in Erfahrungsberichten im Internet wieder. Da der Pulsar jedoch ein vergleichsweise seltenes Modell ist und in Internetforen vor allem negative Erlebnisse dokumentiert werden, sollte man die Relation nicht aus den Augen verlieren. "Das stimmt wohl", pflichtet Meister Wünsch bei. "Ein generelles Problem an der Steuerkette liegt nicht vor, sonst hätten sich längst deutlich mehr Pulsar-Fahrer gemeldet."

Worüber sich die Besitzer noch so austauschen? Über sporadische Bildfehler der Rückfahrkamera, fehlerhafte Fensterheber, Start-Stopp-Aussetzer und defekte Hochdruckpumpen der Einspritzung. Gelobt werden dafür die günstigen Teilepreise und der kleine Durst der Benziner.

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Ölstand? Muss passen, wenn nicht: nachfüllen. Unser Pulsar wollte auch einen Schluck.

Wir stehen mittlerweile unter dem Nissan. Der Bremsen-Check ging vergleichsweise schnell, da die Scheiben nur ein wenig Flugrost aufweisen und nicht eingelaufen sind, also keine tiefen Rillen haben. Die Aufhängung der Vorderachse bestätigt das Fahrgefühl: "Hier ist alles, wie es sein soll. Die Achsmanschetten sind nicht eingerissen, Antrieb und Kühler sind trocken. Die Korrosion am Unterboden ist für ein sieben Jahre altes Auto im Ganzjahreseinsatz völlig normal und unkritisch, die Schalldämpfer der Abgasanlage und die Achsträger tragen typischerweise die meisten der braunen Spuren", so der Meister.

Die Pulsar-Preise sind erfreulich übersichtlich

Nach seiner Prüfung steht er vor der Werkstatt und betrachtet den Pulsar. "Kein schlechtes Auto, technisch fit und sicher bequemer als manch anderer in dieser Klasse. Schade, dass Nissan nicht erfolgreicher damit war."

Die Preise? Vergleichbar ausgestattete Pulsar aus dem Jahr 2014 mit 80.000 Kilometern gibt’s für 7.999 Euro vom Händler. Soll es einer von 2018 sein, beginnen die Preise bei 11.500 Euro.

Fazit

So ein Nissan Pulsar ist Ihr Typ, wenn Sie als Fan klassischer Kompaktautos ein Modell suchen, das nicht an jeder Ecke parkt. Das nicht irgendwelchen Design- Trends folgt, kein sportliches Fahrwerk besitzt, dafür Wert auf Komfort und Ausstattung legt.

Bei dem das Thema Sicherheit passt – und die Motoren nicht von vorgestern sind. Kurz: Sie haben ein Herz für Underdogs. Für Autos, die andere eher belächeln, ohne sie zu kennen. Dann könnte der Pulsar was für Sie sein. Vor der Probefahrt eines 1.2 sollten Sie sich vergewissern, ob die Steuerkette bereits gewechselt wurde. Wenn nicht, genau hinhören.

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