Opel Corsa D im Gebrauchtwagen-Check

Ausgereifter Kleinwagen zu fairen Preisen

Opel Corsa, Frontal mit Meister Wünsch Foto: Dani Heyne

Das lange Ringen um die Kleinwagen-Krone hat dem Opel Corsa gutgetan: Nach drei Generationen überzeugt er mit ausgezeichnetem Reifegrad. Gebraucht macht er daher oft glücklich – vorausgesetzt, der Zustand stimmt.

Als sich die Doppeltür des Verkaufsraums öffnet und der dunkelblaue Opel Corsa D herausrollt, scherzt Meister Wünsch gut gelaunt: „Da hätte es uns heute wirklich schlimmer treffen können.“ Die Geschichte des kleinen Opel ist ihm vertraut – vor allem die ersten beiden Generationen A und B waren oft zu Gast in seiner Werkstatt. Meist kamen sie kurz vor dem drohenden TÜV-Termin und brauchten frische Bleche an Radhäusern und Schwellern. Rost nagte teilweise gnadenlos an ihnen – und am Image von Opel.

„Gebrösel von gestern“, murmelt Meister Wünsch und prüft zum Beweis die Unterkanten der Türen und die Falze der Heckklappe. „Hier blüht nix mehr!“ Nicht nur der Korrosionsschutz hat sich bei Opels bekanntem Kleinwagen über die Jahre verbessert, auch der Auftritt: Er ist zu einem stattlichen Kleinwagen herangewachsen – innen luftig wie einst ein Kadett D.

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Rundenzeit-Erfolg dank Rückschritt

Zur Erinnerung: Seit 1982 gibt’s den Opel Corsa. Anfangs kantig, übersichtlich, leicht und nur mit dem Nötigsten ausgestattet, stellt er spätestens seit der vierten Generation (D) einen attraktiven Kleinwagen mit kompakten Abmessungen dar. Den größten Wachstums- schub (16 Zentimeter) gab’s zwischen den Modellen C und D, Letzteres rollte 2006 zu den Händlern und wird heute von Meister Wünsch ausführlich unter die Lupe genommen. Während der Profi die Spaltmaße an der Front überprüft, erwähnen wir noch kurz, dass diese Version des Corsa erstmals die Viermetermarke berührt. Der Grund? Opel nutzt für ihn die Plattform des damaligen Fiat Grande Punto.

„Die Spaltmaße sind alle gleichmäßig, einen schludrig reparierten Unfallschaden können wir ausschließen“, erklärt der Meister, schlägt die Lenkung ein und wirft einen Blick auf die Pneus der Vorderachse. Sein Urteil: „Nicht einseitig abgefahren, also Spur korrekt eingestellt, ausreichend Profil vorhanden.“

Ein Serviceheft ist oft nur die halbe Miete

Weiter geht’s mit einem Blick in den Innenraum. Sowohl die Sitzpolster als auch die Fußmatten präsentieren sich sauber und einwandfrei, das Cockpit hat keine Beschädigun- gen, der Dachhimmel keine Schrammen. Außerdem zählen wir sechs Airbags; nur die Basisversion muss mit vier auskommen. ESP ist immer an Bord, seit 2009 ESP Plus, das im Notfall drei statt nur ein Rad abbremst, um den Wagen in der Spur zu halten.

Opel Corsa, ID-karte Foto: Dani Heyne
Auf einer kleinen Vistenkarte im Bordbuch findet man alle wichtigen Codes - wie den fürs Radio. Sollte diese nicht vorhanden sein, muss man diese beim Opel-Händler erfragen.

Meister Wünsch schaut sich das Serviceheft an: „Vorschriftsmäßige Werkstattaufenthalte, wie hier per Stempel dokumentiert, sind wichtig“, resümiert er und fügt nach einer Gedenksekunde hinzu: „Sie sind aber nur die halbe Miete. Erst mit etwas Pflege innen und außen sieht ein Gebrauchtwagen so frisch aus.“

Nun kramt er im Bordbuch und zieht eine unscheinbare Karte hervor. „Das ist quasi die Visitenkarte des Corsa, hier stehen alle wichtigen Daten und Codes – wie zum Beispiel der fürs Radio – drauf. Fehlt sie, muss man die Zahlen beim Opel- Händler erfragen.“

Höchste Zeit für die Hebebühne. Auf dem Weg in die Werkstatt fällt auf, wie viel besser die Rundumsicht im viertürigen Corsa gegenüber seinem sportlicheren Bruder mit nur zwei Türen ist. Letzterer – überwiegend in Eisenach gebaut – ist mit breiten C-Säulen versehen, die die Sicht nach schräg hinten empfindlich einschränken. Zudem sind seine längeren Türen unpraktisch beim Ein- und Aussteigen in engen Parklücken.

Dann doch lieber den in Saragossa (Spanien) gebauten Viertürer nehmen. An leichtem Übergewicht leiden beide Modelle – während der Zweitürer nie unter 1.100 Kilogramm kommt, zeigt die Waage beim Viertürer mindestens 1.145 Kilogramm. Um den relativ schweren Kleinwagen nicht durstiger werden zu lassen als seinen Vorgänger, übersetzte Opel die Getriebe länger.

Opel Corsa, Ölstand Foto: Dani Heyne
Das Öl schaut auch gut aus. Würde sich am Messtab weißer Schlonz bilden, wäre dies ein Hinweis auf einen Kopfdichtungsschaden.

Bei der Zuladung liegt der Corsa D mit 420 Kilogramm (Zweitürer) bzw. 440 Kilogramm (Viertürer) auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Das trifft auch auf die Größe des Kofferraums zu, der mit aufgestellter Rücksitzbank 285 Liter Gepäck fasst. Wer die hinteren Lehnen umklappt, kann rund 1.100 Liter einladen.

Die Motoren des Corsa D

Drei Benzinmotoren waren zum Marktstart des Corsa D verfügbar: ein Einliter-Dreizylinder mit 60 PS, der jedoch ständig mit dem vergleichsweise hohen Leergewicht des Corsa kämpft und daher keine Empfehlung ist. 2009 wurde er aus dem Programm gestrichen. Der zweite Benziner – ein 1,2-Liter-Vierzylinder – bietet mit seinen 80 PS da schon etwas mehr Durchzug. Unterhaltsamer wird’s mit dem 1.4er-Benziner, der 90 PS (ab 2009 sogar 100 PS) serviert. Dieser Motor ist auch mit einer Viergangautomatik erhältlich. Serienmäßig wurde – wie bei den schwächeren Aggregaten – ein Fünfgang-Schaltgetriebe eingesetzt.

Bei den Dieselmotoren bot Opel drei Optionen an: zum einen zwei Versionen des 1,3-Liter-Vierzylinders, der 2005 zum Motor des Jahres gewählt wurde. Die kleine Ausbaustufe entwickelt 75 PS und 170 Newtonmeter Drehmoment, die größere 90 PS und 200 Newtonmeter. Beide haben eine leichte Anfahrschwäche. Mehr Bums gibt’s beim 1,7-Liter-Selbstzünder (125 PS/280 Newtonmeter). Ab 2010 leistet der große Diesel 130 PS und 300 Newtonmeter. Sechs Gänge sind bei ihm – wie auch bei der 90-PS-Version – Serie. Der kleinste Diesel muss dagegen mit einer Fünfgangbox auskommen.

Opel Corsa, Federn Foto: Dani Heyne
Bei älteren Baujahren können die Federn aufgrund von Verschleiß brechen – meist die letzte Windung. Dies kann man an einem veränderten Fahrkomfort bemerken.

Fahrspaß verbirgt sich bei Opel bekanntlich hinter dem Kürzel „OPC“ – so auch beim Corsa. Die scharfe Version des Dreitürers präsentierte Opel im März 2007. Unter der Haube: ein 1,6-Liter- Turbobenziner mit 192 PS. Damit sprintet der Corsa in rund sieben Sekunden auf Tempo 100, schafft locker über 220 km/h. Ein sportlich-straffes Fahrwerk, bissige Bremsen und ein dezenter Spoiler-Dress runden das OPC-Paket ab. Wer es nicht ganz so brutal mag, sucht eines der bis 2011 angebotenen GSI-Modelle – mit 150 PS ausreichend flott. Gibt’s auch als Viertürer!

Sparfüchsen, die viele Kilometer abspulen, sei der ab 2009 angebotene 1.3 CDTI Ecoflex (95 PS) empfohlen, der sich mit rund 4 l/100 km begnügt. Bei den Extras sticht der integrierte Fahrradheckträger hervor. Gab’s optional für Zwei- und Viertürer – einzigartig in dieser Klasse

Korrosion ist kein Problem mehr

Zurück zu Meister Wünsch, der den Corsa gerade auf der Hebebühne nach oben schweben lässt. Auf halber Höhe checkt er mittels Taschenlampe die Dicke der Bremsbeläge. Danach fährt er mit dem Zeigefinger langsam über die Scheiben – keine Riefen oder sonstigen Ungleichmäßigkeiten zu spüren. Also ganz hoch mit dem Wagen.

Der erste Blick auf den Unterboden bestätigt die Anfangsthese: Rost ist kein Problem mehr. Schweller und Radhäuser sehen einwandfrei aus – und dort, wo sich Bleche überlappen, ist reichlich Korrosionsschutz ausgetreten. „So muss das sein“, freut sich der Meister und klopft anerkennend auf den Endschalldämpfer: „Ist serienmäßig aus Edelstahl – der übersteht viele Winter.“

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100.000 Kilometer mit dem Corsa D

Bei den Fahrwerksfedern kann es dagegen schon früher zu einem Bruch kommen. „Merkt man am veränderten Komfort“, erklärt der Meister. Und inspiziert als Nächstes die Spurstangenköpfe, die irgendwann verschleißen. „Erhöhtes Spiel in der Lenkung ist ein Anzeichen dafür.“ Eingerissene Achsmanschetten merkt man als Fahrer leider erst, wenn es zu spät ist und eingedrungener Schmutz das Gelenk der Antriebswelle zerstört hat. Bei unserem Exemplar ist der Zustand tadellos. Auch der Öldruckschalter schwitzt nicht – sonst ein typisches Corsa-Problem, das aber keine hohen Kosten verursacht.

Anders verhält es sich, wenn der empfehlenswerte 1.4er-Benziner anfängt, im Leerlauf zu rasseln. Dann kann sich die Steuerkette gelängt haben – es sollte eigentlich nicht vorkommen, passiert aber hin und wieder.

Steuerkettentausch: teuer, aber sehr selten

Bei einem Tausch der Kette müssen auch Gleit- und Führungsschienen sowie der Kettenspanner und gegebenenfalls die Steuerräder erneuert werden. Ein teurer Eingriff.

„Aber keine Panik“, so Meister Wünsch: „Das kommt echt selten vor. Die meisten Probleme des Corsa D fallen unter die Rubrik ‚normaler Verschleiß‘. Da halten sich die Reparaturen preislich im Rahmen.“

Opel Corsa, Seite Foto: Dani Heyne
Das Fazit von Meister Wünsch lautet: „Der Corsa D ist ein zuverlässiger, sicherer Typ, der mit etwas Pflege lange hält. Und oft um einiges günstiger ist als ein VW Polo. Ein echter kleiner Glücksbringer.“

Sein Fazit lautet daher: „Der Corsa D ist ein zuverlässiger, sicherer Typ, der mit etwas Pflege lange hält. Und oft um einiges günstiger ist als ein VW Polo. Ein echter kleiner Glücksbringer.“

Das gefällt uns:

Opels Sturheit, mit dem Corsa alle in der kleinen Autoklasse abhängen zu wollen. Mit der vierten Generationen war der Corsa dann so weit. Diese Qualität macht ihn als Gebrauchten attraktiv. Und da das Marken-Image von Opel noch nicht ganz da ist, wo es hingehört, sind die Preise fair. Fast vergessen: Die sportliche OPC-Version ist der Knaller!

Das stört uns:

Grundsätzlich? Das Gewicht dieser Corsa-Generation. Sprechen wir es offen aus: Der Kleine bringt ganz schön viel auf die Waage. Und das wirkt sich bekanntlich negativ auf Fahrleistungen und Verbrauch aus. Der Basismotor hat dadurch kein glückliches Leben. Ach so, und beim Zweitürer schränken die fetten C-Säulen die Rundumsicht ein.

So ist die Marktlage:

Allein 2007 wurden in Deutschland rund 80.000 Corsa D neu zugelassen – entsprechend leicht ist es heute, den kleinen Opel gebraucht zu finden. Ab 2011 gab’s die überarbeitete Version, zu erkennen an der geschärften Frontpartie. Zeitgleich änderten sich die Ausstattungspakete, die sportliche GSI-Version entfiel ersatzlos.

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Fazit

Der Opel Corsa D ist ihr Typ, wenn ...

... Sie einen ausgewachsenen, treuen Kleinwagen suchen – und Opel wieder vertrauen wollen. Die Marke verdient es, denn sie hat aus ihren Fehlern gelernt. Der Corsa D bestätigt es. Rost ist kein Thema mehr, und technisch gibt es keine hausgemachten Probleme, nur normalen Verschleiß. Preislich verlockend gibt es den Corsa mit pfiffigen Ausstattungsdetails wie dem integrierten Fahrradträer, nach denen sich gezielt suchen lässt. Die Vierzylinder-Benziner passen am besten zu die- sem Corsa, nur Vielfahrer sollten zu einem der Diesel greifen.

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Technische Daten
Opel Corsa 1.4 Edition
Grundpreis 14.978 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3999 x 1737 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA 285 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1364 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h
0-100 km/h 12,8 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,3 l/100 km
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