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VW Golf Sportsvan 1.5 TSI und VW Tiguan 1.4 TSI im Test

Übertrumpft der Hochdach-Golf seinen Konzernbruder?

VW Golf Sportsvan 1.5 TSI Act, VW Tiguan 1.4 TSI Act, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Sie rollen in Wolfsburg vom Band und sind nützliche, bequeme Begleiter zu ähnlichen Preisen, aber optisch so verschieden. Dieser Vergleich wird zeigen, dass sich Golf Sportsvan und Tiguan näher sind, als so manch einer erwartet.

19.05.2018 Michael von Maydell

Geht es auf zur Vergleichsfahrt, steht erst mal Tanken an. Der Chef hinter der Kasse unserer Stammtanke kennt uns schon, bewertet die Konkurrenten mit Kennerblick, aber meist kommentarlos. Diesmal kann er es nicht lassen und raunzt: „Ein Vergleich zwischen Sportsvan und Tiguan – wieso denn das?“ „Abwarten“, zischeln wir und ziehen ab.

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VW Golf Sportsvan 1.5 TSI Act, VW Tiguan 1.4 TSI Act, Exterieur
Vergleich VW Golf Sportsvan und VW Tiguan Übertrumpft der Hochdach-Golf seinen Konzernbruder?
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Wobei er nicht ganz unrecht hat, denn optisch sind die beiden VW doch sehr unterschiedlich: Hier der inzwischen recht wuchtige SUV mit Kunststoffplanken, dort das einstige Seniorenvehikel, das spätestens seit seinem Update Ende 2017 etwas dynamischer dreinblickt. Vergleicht man die Käufer und ihre Wünsche, herrscht hingegen ziemliche Einigkeit. Gesucht wird doch meist ein bequemes, praktisches Auto, das sich leicht entern, entspannt fahren und problemlos bezahlen lässt. Sowohl Sportsvan als auch Tiguan, die mit den 150 PS starken Turbobenzinern rund 31.000 Euro kosten, erfüllen diese Begehrlichkeiten erfahrungsgemäß mit Bravour und verkaufen sich prächtig. Umso spannender, wer am Ende das Rennen macht.

VW Golf Sportsvan 1.5 TSI Act, VW Tiguan 1.4 TSI Act, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Zwei Konzernbrüder im Vergleich: Der Tiguan ist 35 Kilogramm schwerer, 14 Zentimeter höher und in diesem Vergleich sogar günstiger. Beide besitzen 150 PS und vier Zylinder.

Also auf zum Duell. Die beiden Vierzylinder mit 250 Nm laufen sich schon mal warm. Der jüngere 1.5 TSI im Sportsvan klingt vernehmlicher als der altbekannte 1.4 TSI des Tiguan. Als einer der ersten säubert der Direkteinspritzer seine Abgase übrigens mittels zusätzlichem Partikelfilter (OPF), allerdings nur im Verbund mit Schaltgetriebe. Soll es ein Tiguan mit Automatik oder gar Allradantrieb sein, entfällt der Filter. Dennoch bringt ihm der OPF Punkte in unserem aktualisierten Umweltkapitel.

Der Sportsvan ist dagegen nur mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben, das wie gewohnt flink und ruckarm die Gänge sortiert. So spurtet der Golf-Ableger bei Bedarf gleichermaßen entspannt wie kraftvoll von dannen und dem handgeschalteten Tiguan etwas davon, 200 km/h und mehr sind durchaus möglich. Zum Leidwesen der Insassen wird es allerdings lauter und lauter – sowohl Motor als auch Räder tönen kräftig durch die solide Karosserie. Immerhin ist er im Testmittel 0,7 Liter sparsamer als sein MQB-Bruder.

Mehr Fahrspaß im Golf

Im deutlich durstigeren Tiguan, dessen knackige Schaltbox übrigens kaum weniger Freude bereitet, ist man leiser unterwegs, aber nicht ganz so komfortabel. Denn im Gegensatz zum komfortabel abgestimmten Sportsvan, der selbst widerspenstige Strecken geschmeidig meistert, ohne ins Wippen und Torkeln zu verfallen, stören im Tiguan gelegentliche Rüttler die Harmonie. Beide VW nutzen die aufpreispflichtigen adaptiven Dämpfer für 1.045 Euro.

Sobald es ans Kurven geht, macht der Sportsvan seinem Namen dann alle Ehre. Denn der Hochdach-Golf setzt Lenkbefehle direkt um, erlaubt eine präzise Führung und liefert viel Rückmeldung. Zugleich bleibt er in schnellen Kurven sehr neutral auf Kurs, untersteuert spät und sanft. Dass man in einem Van sitzt, ist schnell vergessen.

VW Golf Sportsvan (2017)Neuauflage im Fahrbericht

Der vier Zentimeter höhere Tiguan gibt sich im direkten Vergleich träger, braucht in Kurven mehr Platz und lässt sich nicht ganz so präzise leiten. Fahreindrücke, die die Messwerte der Testkollegen noch verstärken. Im Slalom ist der Sportsvan 4,4 km/h und im doppelten Spurwechsel 6,3 km/h schneller. Soll die Fuhre möglichst schnell stehen, ist dagegen der 35 Kilo schwerere SUV klar im Vorteil, wobei auch der Van gute Werte abliefert.

Gleichfalls nicht zu toppen ist das beachtliche Raumangebot des Tiguan. Etwas höher, fast 14 Zentimeter länger und dazu kantiger geformt, packt er nicht nur mehr Gepäck ein, sondern bietet auch seinen Insassen viel Raum. Gucken Sie sich die Werte für Innenhöhe und -breite an – der SUV ist deutlich luftiger. Auch an seine beachtliche Zuladung von 626 Kilo kommt der Sportsvan (441 kg) nicht ran.

Innerlich wenig Unterschied

Kaum Unterschiede gibt es hingegen beim Thema Variabilität. Beide verfügen über eine um 18 Zentimeter längs verschiebbare Rückbank inklusive dreigeteilter Lehne. Zudem erleichtern klappbare Beifahrersitzlehnen (je nach gewähltem Sitz) und verstellbare Ladeböden das Verstauen von wuchtigeren Gepäckstücken. Da der derzeit erfolgreichste SUV in Deutschland zusätzlich über eine Fernentriegelung und größere Ablagefächer verfügt, gebührt ihm ein Punkt mehr. Noch einen weiteren verdient er für seine dritte Klimazone im Fond.

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Ansonsten verfügen beide über sehr bequeme Sitze mit viel Beinauflage, die sich nur minimal unterscheiden. Auch die Cockpitstrukturen ähneln sich ebenso wie die Bedienung der großen und teuren Navi-Systeme. Nur in puncto Materialauswahl und Anmutung tritt der Sportsvan etwas schicker auf, denn er rollt hier in der teuersten Highline-Ausführung für 31.025 Euro an, während der Tiguan 1.4 TSI maximal als Comfortline zu haben ist. So fehlt es ihm etwas an Klavierlack und Chromeinsätzen. Dafür revanchiert sich der etwas günstigere SUV mit einer üppigeren Serienausstattung, aufwendigeren Fahrerassistenzsystemen und optionalen Nettigkeiten wie virtuellen Instrumenten (nicht im Testwagen) oder einem Head-up-Display – so man sie denn braucht.

Fazit

1. VW Tiguan 1.4 TSI Comfortline
449 Punkte

Ja, er verbraucht mehr, federt etwas straffer und ist kein Sportler. Ansonsten ist der kultivierte Tiguan aber ein exzellenter und sicherer SUV mit viel Platz und guter Ausstattung.

2. VW Golf Sportsvan 1.5 TSI Highline
439 Punkte

Der Golf-Ableger ist ein feiner Wagen - erfreulich ausgewogen, variabel und spritzig. Doch im Vergleich zu seinem SUV-Bruder mangelt es ihm an Raum und stärkeren Bremsen.

Technische Daten
VW Golf Sportsvan 1.5 TSI ACT HighlineVW Tiguan 1.4 TSI ACT Comfortline
Grundpreis31.025 €30.575 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4351 x 1807 x 1613 mm4486 x 1839 x 1654 mm
KofferraumvolumenVDA590 bis 1520 l615 bis 1655 l
Hubraum / Motor1498 cm³ / 4-Zylinder1395 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS bei 5000 U/min110 kW / 150 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit212 km/h202 km/h
0-100 km/h9,4 s9,8 s
Verbrauch5,1 l/100 km5,8 l/100 km
Testverbrauch7,3 l/100 km8,0 l/100 km
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Neuester Kommentar

Und 180 PS sind zu wenig?

Ok, im Ernst. Mir persönlich wären 150 PS aus einem kleinen Benziner in einem Tiguan auch etwas zu schwachbrüstig, aber mal sollte nicht von sich auf andere schließen. Vielen reicht das, und wenn es so ist, was gäbe es dagegen zu sagen?

930.engineering 28. Mai 2018, 23:58 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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