09/2019, Bugatti Chiron 300 mph Bugatti
09/2019, Bugatti Chiron 300 mph
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09/2019, Bugatti Chiron 300 mph 31 Bilder

Die schnellsten Autos der Welt

Bugatti Chiron knackt 300-mph-Marke

482,8 km/h: Für normalsterbliche Autofahrer scheint diese Marke extrem weit entfernt zu sein. Doch Bugatti hat sie nun nicht nur erreicht, sondern pulverisiert – mit einem leicht umgebauten Chiron.

Plötzlich ist es geschafft, einfach so. Plötzlich ist Bugatti der erste Autohersteller, der die Schallmauer von 300 Meilen pro Stunde (mph) übertroffen hat. Auf Volkswagens Teststrecke in Ehra-Lessien fuhr Andy Wallace in einem modifizierten Chiron – Bugatti spricht von einem „seriennahen Prototypen“ – 304,773 mph schnell. Bedeutet nach metrischem System: 490,5 km/h. „Wir sind überglücklich, als erster Hersteller überhaupt die Geschwindigkeit von mehr als 300 Meilen pro Stunde erreicht zu haben“, sagt Bugatti-Chef Stephan Winkelmann.

Allererstes 300-mph-Auto? Ein getunter Ford GT

Der Chiron ist aber nicht das allererste Auto, das schneller als 300 mph fuhr. Das gelang im März dem Tuner M2K Motorsports, der mit einem aufgemotzten 2006er Ford GT 300,4 mph (483,4 km/h) erreichte, kurz bevor der Fahrer dessen Bremsfallschirm auslöste. Wie viel Leistung man dafür braucht? Schwer zu sagen. M2K Motorsports weiß selbst nicht genau, wie viel Power der ursprüngliche, wenn auch heftig getunte 5,4-Liter-V8 des Ford GT hat. Es gibt schlicht keinen Prüfstand, der für so viel Leistung ausgelegt ist. Bei früheren Messungen soll der Motor 2.063 PS erreicht haben, aktuell geht M2K Motorsports von deutlich mehr als 2.500 PS aus. Um das aus dem Ford-GT-Motor herauszuquetschen, verwenden die Texaner zwei Turbolader, die bis zu 3,1 bar Ladedruck aufbauen.

03/2019, M2K Motorsports Ford GT
M2K Motorsports Ford GT Highspeed-Rekord
3:31 Min.

In offizielle Rekordbücher hatte es diese Bestmarke nicht geschafft. Dafür hätte der Ford GT in beide Richtungen fahren müssen, woraufhin der Mittelwert in die Wertung gekommen wäre. Dies ist auch beim Bugatti-Rekord noch fraglich; der Nobelhersteller will aber später noch detaillierter zu seiner 300-mph-Fahrt Stellung nehmen. Vorerst wird deshalb wohl Koenigsegg seinen vor etwa anderthalb Jahren aufgestellten Rekord für das weltweit schnellste straßenzugelassene Auto behalten. 457,2 km/h bzw. 277,9 mph schaffte der 1.176 PS starke Agera RS am 4. November 2017 auf einem abgesperrten Highway im US-Bundesstaat Nevada. In der absoluten Spitze fuhr er gar 457,9 km/h schnell.

300 mph sind nur die Basis

Bugatti und M2K Motorsports sind einigen namhaften 300-mph-Jägern in die Quere gekommen. Einer von ihnen ist Hennessey. Firmenchef John Hennessey hat seinen neuen Venom F5 dazu auserkoren, die Schallmauer zu durchbrechen. Klar ist, dass für das Vorhaben schiere Motor-Power nötig ist. Im Fall des Venom F5 soll diese ein 7,6-Liter-Twinturbo-V8 gewährleisten.

Hennessey
Mit dem Venom F5 will Hennessey die 300-mph-Marke knacken.

Das 1.622-PS-Kraftwerk steckt nicht mehr in einem Lotus-Chassis, wie sie ältere Venom-Generationen nutzten, sondern in einer Eigenkonstruktion. Und es soll für den 300 mph-Versuch weiter erstarken; auf dem Prüfstand brachte es wohl schon über 2.000 PS. „Wir werden diese Leitung nicht an die Kunden ausliefern. Aber wir werden so viel aus dem Motor herausholen, wie wir brauchen, um 300 mph zu erreichen“, sagte der Texaner den britischen Kollegen von „Top Gear“. Zudem soll der F5 windschnittiger geworden sein, schließlich strebt John Hennessey nach Höherem: „300 Meilen pro Stunde sind nur so etwas wie die Grundlinie. Das Ziel ist, so schnell zu fahren wie wir können.“

Koenigsegg greift mit dem Jesko an

Jarod Shelby, der Chef von SSC North America, strebt Ähnliches an. Er hält seine Firma, die früher als Shelby Supercars bekannt war, ebenfalls gut für dieses Vorhaben gerüstet. Der Motor des für die Rekordfahrt vorgesehenen Tuatara, ein Twin-Turbo-V8 mit 5,9 Liter Hubraum, leistet 1.774 PS. Zumindest dann, wenn es mit E85-Ethanol-Kraftstoff gefüttert wird. Das Hypercar soll auch etwas leichter (1.247 statt knapp 1.400 Kilogramm) und aerodynamisch effizienter (cW-Wert von 0,28 statt unter 0,4) sein als der texanische Konkurrent.

Koenigsegg Agera RS
Koenigsegg
Koenigsegg Agera RS: mit 277,9 mph (457,2 km/h) - noch - offiziell das schnellste Serienauto der Welt.

Koenigsegg dürfte sich das Treiben von Bugatti und den Amerikanern nicht lange tatenlos ansehen. Gründer Christian von Koenigsegg hielt den Agera RS bereits für fähig, die 300-mph-Marke zu brechen. Nun hat er den neuen, auf dem Genfer Autosalon vorgestellten Jesko zur Verfügung, der bei Simulationen bereits schnell genug fuhr. Allerdings fürchtet Koenigsegg die unkontrollierbaren Aspekte eines solchen Vorhabens, Dinge wie Wind, Tiere, Bodenwellen. „Es ist machbar, aber nicht unser vorrangiges Ziel.“

Temperatur-Stress für die Reifen

Ein anderer limitierender Faktor sind die Reifen. Michelin scheint bisher als einziger Hersteller in der Lage zu sein, die passenden Gummis für derlei Geschwindigkeitsrekorde backen zu können. Aber auch die Franzosen haben so ihre Bedenken, was die 300-mph-Marke angeht. Alles steht und fällt damit, wie lange ein Auto braucht, um diesen Speed zu erreichen: „Falls das Auto zwar schnell 270 Meilen pro Stunde erreicht, aber weitere fünf Minuten bis 300 braucht, dann wird es nicht funktionieren“, sagt Michelin-Produktmanager Eric Schmedding im Gespräch mit „The Drive“. Das Problem: Je länger ein Reifen bei diesem Speed rotiert, desto heißer wird er. Das bedeutet extremen Stress für den Pneu – mit bislang unabsehbaren Folgen.

09/2019, Bugatti Chiron 300 mph
Bugatti
304,773 mph (490,484 km/h): die Spitzengeschwindigkeit des modifizierten Bugatti Chiron.

John Hennessey glaubt allerdings, das Reifenthema im Griff zu haben. Sein Auto sei schließlich leicht und windschlüpfrig genug. Die aktuellen Rekordfahrten von Bugatti und M2K Motorsports im Ford GT haben bewiesen, dass es klappen kann. Hennessey hält das Thema Aerodynamik für das wichtigste beim 300-mph-Unterfangen.

Bugatti hat sich rausgehalten – bis jetzt

Dass jetzt ausgerechnet Bugatti die Schallmauer durchbrach, kommt überraschend. Zwar hatten die Verantwortlichen in der Vergangenheit bereits Statements zu dem Thema abgegeben. Ex-Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer zum Beispiel meinte einst, dass die Motorleistung entscheidend sei. „Um 450 km/h zu erreichen, musst du mindestens 1.500 PS haben, sonst wirst du es nicht schaffen.“ Der Bugatti Chiron hat 1.500 PS. Der Luxushersteller aus dem VW-Konzernuniversum beteiligte sich früher rege an allen möglichen Rekordjagden. Der Veyron Super Sport hielt eine Zeitlang mit 268 mph (431 km/h) das Zepter des weltweiten Tempokönigs, bis er vom Hennessey Venom GT abgelöst wurde. Vor einigen Monaten trieb Ex-Formel-1-Pilot Juan-Pablo Montoya den Chiron in knapp 42 Sekunden von Null auf 400 km/h und zurück zum Stillstand – eine Bestmarke, die nun ebenfalls der Koenigsegg Agera RS (36,44 Sekunden) hält.

Top 13 Schnellste Autos der Welt

Platz Modell Topspeed in mph Topspeed in km/h
1 Bugatti Chiron (Vorserienauto Super Sport 300+) 304,773 490,484
2 M2K Motorsports Ford GT (inoffiziell) 300,4 483,4
3 Koenigsegg Agera RS 277,9 457,2
4 Hennessey Venom GT 270,4 435
5 Bugatti Veyron Super Sport 268 431
6 Hennessey Venom GT Spyder 265,6 427,4
7 Bugatti Chiron 261 420
8 SSC Ultimate Aero 256 412
9 Bugatti Veyron EB 16.4 253,8 408
10 Saleen S7 Twin Turbo 248 399
11 Koenigsegg CCR 242 389
12 McLaren F1 241 388
13 Pagani Huayra BC 238 383

Fazit

Nun wurde die Schallmauer also auch von einem Hersteller durchbrochen. Dass es ausgerechnet Bugatti gelungen ist, ist überraschend – eigentlich dachte man, die VW-Marke würde sich die Tempobolzerei aus der Ferne ansehen. Nun setzt sie plötzlich die Amerikaner unter Druck. Hennessey, SSC und Co. müssen nun also noch etwas schneller sein. Man darf gespannt sein, welches Auto als erstes die 500 km/h-Marke knackt.

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