Ein Wankelmotor könnte der perfekte Antrieb für einen Citroën GS sein: vibrationsfrei, leise, kompakt. Theoretisch. Citroën sah die Chance und gründete mit Lizenzinhaber NSU die Gemeinschaftsfirma Comotor. Zwei Modelle bekamen Motoren aus der Kooperation: der Prototyp M35 und das Serienauto GS Birotor. Als der 1973 mit seinem 106-PS-Wankel auf der Frankfurter IAA stand, sah es nach einem perfekten Match aus: Hydropneumatik, Halbautomatik, Scheibenbremsen rundum – und das alles in der raumeffizienten, glattflächigen Hülle des zwei Jahre zuvor präsentierten GS.
Die zwei Probleme des Citroën GS Birotor
Jedoch hatte der GS Birotor zwei Probleme und für eins konnte Citroën gar nichts: Der Produktionsstart 1974 fiel mit der Ölkrise zusammen. Das traf den Wankel besonders hat, weil er wegen seiner ungünstigen Brennraumform mehr Sprit verbraucht als ein Hubkolbenmotor. Mit der Nachfrage geschah das, was einem Soufflé widerfährt, wenn die Ofentür zu früh aufgeht: Sie sackte zusammen. Immerhin konnte so fürchterlich viel gar nicht zusammensacken, denn das zweite Problem des GS Birotor war der Preis: Der Hightech-Viertürer kostete fast so viel wie die größere DS.
Ab 1975 hatte Peugeot das Sagen bei Citroën und kaufte von den 874 verkauften Exemplaren möglichst viele zurück, um sie zu verschrotten und fortan das lästige Ersatzteilproblem los zu sein. So ganz ging der Plan nicht auf: geschätzte 250 Exemplare haben trotzige Besitzer nicht an den Hersteller verkauft, sondern behalten.
Eines dieser Wankelautos gelangte 2016 aus den Niederlanden in die USA: Peter Mullin hatte den Birotor für sein Mullin Automotive Museum in Oxnard, Kalifornien gekauft. Nach dem Tod des Sammlers französischer Automobile wurde das Museum geschlossen, Gooding & Co. versteigerte 100 Autos aus der Sammlung. Bei dieser Auktion kauft ein Sammler den Citroën. Jetzt will er sich wieder davon trennen und lässt das Auto versteigern: Broad Arrow bietet es am 13.8.2026 während der Quail Auction in Kalifornien an. Der Schätzpreis liegt bei 20.000 bis 30.000 US-Dollar, umgerechnet 17.400 bis 26.000 Euro. Einen Mindestpreis gibt es nicht. Der Kilometerstand ist bemerkenswert niedrig: Nur 1.740 Kilometer zeigt die Walze in den hübschen Jaeger-Instrumenten an.
M35: Zum Testen gebaut
Den M35 treibt ein Einscheiben-Wankelmotor an. Das 2+2-Coupé mit dem Gesicht des Ami 6 hat Heuliez 1970 in Kleinserie gefertigt, nur 267 Exemplare sind entstanden. Citroën hat die Autos für Langzeittests an Kunden verteilt. Die meisten Exemplare hat der Hersteller später zurückgekauft und verschrottet.
Nicht so dieses hier: In Gris Nacré Métallisé lackiert, war der Zweitürer mit Einscheiben-Wankel in der Dordogne unterwegs. Am Ende seines Atraßenlebens bekam Nr. 124 bei Citroën in Bergerac eine Restaurierung, eine neue Lackierung und einen neuen Besitzer in Lyon. Der bewegte das Auto von 2004 bis 2013 nicht. Dennoch befand sich der Rotarier-Prototype laut der Aussagen französischer und niederländischer Citroën-Spezialisten in einem "exzellenten Originalzustand mit nur 18.500 Original-Kilometern", als Peter Mullin ihn kaufte. Der nahm den Citroën in die Sammlung seines Museums auf. Broad Arrow versteigert das Auto während der Quail-Auktion am 14.8.2026 ohne Mindestpreis. Das Estimate liegt bei 30.000 bis 40.000 US-Dollar, umgerechnet 26.000 bis 24.700 Euro.












