Henniges

Neue Führerschein-Regelung

Welche Zweiräder Autofahrer schon fahren dürfen

Wer den Führerschein der Klasse B oder die Klasse-3-Fahrerlaubnis besitzt, darf bereits jetzt auch Zweiräder fahren. Allerdings darf nicht jeder alles fahren. Eine Übersicht, was erlaubt ist und was nicht.

Das Bundesverkehrsministerium plant eine Neuregelung des Führerscheinrechts. Künftig sollen Inhaber eines Autoführerscheins auch Motorräder fahren dürfen, die einen Hubraum von maximal 125 Kubikzentimeter haben und höchstens 11 kW (15 PS) leisten. Und zwar ohne aufwändige Fahrschulausbildung: 7,5 Stunden theoretische und praktische Schulung sollen reichen, eine separate Prüfung ist den Plänen zufolge nicht nötig. Die beiden einzigen Voraussetzungen sollen sein, dass der Inhaber des Klasse-B-Führerscheins mindestens 25 Jahre alt ist und seine Fahrerlaubnis vor mindestens fünf Jahren erworben hat. Erfüllt er dies, kann er seinen Führerschein um die Schlüsselzahl 195 ergänzen lassen und muss nicht mehr den bisher nötigen A1-Führerschein erwerben.

06/2019, Honda CBF125
Honda
Motorräder wie die Honda CBF125 sollen bald auch von Klasse-B-Führerscheininhabern gefahren werden können.

Ob und wann die Neuregelung umgesetzt wird, ist derzeit unklar. Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Abstimmungsphase zwischen den Regierungs-Ressorts, den Bundesländern und den Verbänden. Unberührt davon sind aber die bisher schon gültigen Regeln, die den Inhabern des Klasse-B-Führerscheins bereits das Fahren von Zweirädern erlaubt.

Auch die Klassen AM und A2 sind möglich

Jeder Klasse-B-Mobilist darf schon jetzt Fahrzeuge der Klasse AM (zuvor M) fahren. Darunter fallen die leichten zweirädrigen Kleinkrafträder der Klasse L1e-B ebenso wie dreirädrige Kleinkrafträder der Klasse L2e und vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge der Klasse L6e. Deren Gemeinsamkeiten: Eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h, ein Hubraum von höchstens 50 cm³ (bei Fremdzündungsmotoren) oder 500 cm³ (bei Selbstzündungsmotoren) und eine Leistung von maximal vier kW (5,5 PS).

Wer vor dem 1. April 1980 einen Führerschein der Klasse 3 erworben hat und diesen bis heute ohne zwischenzeitlichen Entzug noch besitzt, hat weitere Privilegien: Er kann seit April 2013 auch Motorräder bis 48 PS fahren. Einzige Voraussetzung ist eine 40-minütige praktische Motorradfahrprüfung. In der Praxis wird aber kaum eine Fahrschule ihren Schüler ohne die ein oder andere Fahrstunde zur Prüfung vorstellen. Ist diese Hürde aber genommen, dürfen mit der erworbenen A2-Lizenz Motorräder bis 35 kW (48 PS) mit einem Leistungsgewicht von maximal 0,2 kW/kg bewegt werden. Nach zwei Jahren mit dem Führerschein A2 kann der Aufstieg in die unbegrenzte A-Klasse angegangen werden. Auch hierzu ist wieder nur eine praktische Prüfung vorgesehen.

Viele Modelle lassen sich nachträglich drosseln

Die Motorradhersteller haben auf die damalige Neuerung reagiert und zusätzliche Modelle ins Programm genommen, die den gesetzlichen 48-PS-Vorgaben entsprechen. Eine weitere Möglichkeit: Bestandsmodelle können per Drosselung auf die neuen Regeln angepasst werden. In der EU-Richtlinie heißt es aber, dass solche Bikes nur um die Hälfte ihrer Ausgangsleistung beraubt werden dürfen, um zur Klasse A2 zugelassen zu sein. Das bedeutet, dass nach EU-Recht nur Motorräder mit maximal 70 kW (95 PS) für diese Drosselung in Frage kommen. Deutschland hat diesen Passus aber nicht übernommen. Hierzulande darf also jedes 48-PS-konforme Modelle gedrosselt werden, egal welche Leistung es ursprünglich gehabt hat. Bei Fahrten ins Ausland kann ein „falsch“ gedrosseltes Fahrzeug möglicherweise ein Problem wegen Fahrens ohne den korrekten Führerschein darstellen.

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Fazit

Wer einen Klasse B oder Klasse 3-Führerschein besitzt, ist nicht auf ein vierrädriges Fahrzeug festgelegt. Im Gegenteil: Der Gesetzgeber erlaubt ihm vielfältige Möglichkeiten, auch Zweiräder zu bewegen. Bald könnte eine weitere hinzukommen – wenn Scheuers Gesetzentwurf Zustimmung in den anderen Instanzen findet.

Verkehr Führerschein Pläne für Führerscheinregeländerungen Autofahrer sollen 125er fahren dürfen

Autofahrer sollen künftig auch Leichtkrafträder fahren dürfen.

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