Ladeinfrastruktur in Deutschland: Die Auslastung liegt bei nur 12 Prozent

Ladeinfrastruktur in Deutschland
Die Auslastung liegt bei nur 12 Prozent

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.04.2026
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Mehrere MAHLE charge BIG und Smallbox Ladesäulen für Elektrofahrzeuge vor einem modernen Gebäude, ein Elektroauto ist angeschlossen.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland schreitet weiter mit hohem Tempo voran – doch ein großer Teil der Ladesäulen wird nach wie vor kaum genutzt. Das zeigt der aktuelle Elektromobilitätsmonitor des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Demnach waren öffentliche Ladepunkte im Jahr 2025 im Durchschnitt nur zu rund zwölf Prozent zeitgleich belegt. Im Umkehrschluss blieb der größte Teil der öffentlich zugänglichen Ladepunkte im Tagesmittel unbelegt.

Die niedrige Auslastung ist kein neues Phänomen. Bereits 2025 hatten Analysen, unter anderem der Automobilwoche in Zusammenarbeit mit dem Datendienstleister Elvah, darauf hingewiesen, dass viele Ladesäulen nur selten oder gar nicht genutzt werden. Teilweise lag die Auslastung insbesondere bei Schnellladern im einstelligen Prozentbereich, zahlreiche Ladepunkte blieben komplett ohne Nutzung. Die zentrale These damals: Deutschland könnte über ein Überangebot an öffentlicher Ladeinfrastruktur verfügen.

Neue Zahlen bestätigen das Muster

Der aktuelle BDEW-Monitor bestätigt nun, dass sich an diesem grundsätzlichen Bild wenig geändert hat, trotz eines deutlich gewachsenen Marktes. Zwar ist die durchschnittliche Auslastung gegenüber einzelnen früheren Auswertungen gestiegen, sie bleibt jedoch auf einem insgesamt niedrigen Niveau.

Gleichzeitig schritt der Netzausbau voran. Zum Jahresende 2025 standen in Deutschland rund 200.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung, die installierte Ladeleistung lag bei mehr als neun Gigawatt. Damit erfüllt Deutschland nicht nur die europäischen Vorgaben, sondern übertrifft sie deutlich. Die oft geäußerte Sorge vor einer unzureichenden Ladeinfrastruktur wird damit zumindest relativiert.

Elektromobilitätsmonitor des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

Infrastruktur wächst schneller als Nachfrage

Der BDEW führt die geringe Belegung darauf zurück, dass der Ausbau des Ladeangebots weiterhin deutlich vor dem Hochlauf der vollelektrischen Pkw liegt. Während die Zahl der Ladepunkte kontinuierlich wächst, entwickelt sich der Bestand an batterieelektrischen Fahrzeugen langsamer. Daraus ergibt sich, dass das Angebot an Lademöglichkeiten derzeit deutlich über der tatsächlichen Nachfrage liegt.

Für die Betreiber hat diese Entwicklung wirtschaftliche Konsequenzen. Bereits frühere Analysen zeigen, dass der Aufbau insbesondere leistungsstarker Schnellladeinfrastruktur mit hohen Investitionen verbunden ist, während die Einnahmen bei geringer Auslastung entsprechend begrenzt bleiben. Branchenbeobachter rechnen daher mit einer Konsolidierung des Marktes, bei der sich vor allem große Anbieter durchsetzen könnten.

Gleichzeitig bleibt die weitere Entwicklung der Elektromobilität stark von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Diskussionen über steuerliche Entlastungen für fossile Kraftstoffe oder mögliche Anpassungen von CO₂-Vorgaben für Hersteller könnten den Hochlauf der Elektromobilität beeinflussen.

Ausbau als strategischer Vorlauf

Die geringe Belegung zeigt laut BDEW, dass der Ausbau des Ladeangebots weiterhin deutlich vor dem Hochlauf der vollelektrischen Pkw liegt. Damit entsteht ein Spannungsfeld: Einerseits deutet vieles auf ein aktuelles Überangebot hin, andererseits könnte ein solcher Vorlauf helfen, künftige Engpässe zu vermeiden. Entscheidend wird sein, wie schnell die Nachfrage nach Elektroautos in den kommenden Jahren wächst und ob sie die vorhandenen Kapazitäten auslasten kann.

Fazit