Mitsubishi Outlander PHEV Eis Freeze Mitsubishi / Patrick Lang
Mitsubishi Outlander PHEV PLUG-IN-HYBRID
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Mitsubishi Outlander PHEV PLUG-IN-HYBRID 8 Bilder

Mitsubishi-Teilrückzug

Keine neuen Modelle mehr für Europa

Schon länger gibt es Gerüchte um einen Mitsubishi-Rückzug aus Europa, jetzt untermauert ein Business-Plan dieses Gerücht. Das Geschäft wird eingefroren, was nach einem ersten Rückzugs-Schritt klingt. Auf Wachstum setzen die Japaner in anderen Märkten.

Vergangenen Monat dementierte Mitsubishi-Importeursgeschäftsführer Kolja Rebstock noch ein Aus für den deutschen Markt. Das sei "reine Spekulation", hieß es. Nun liegt der Mitsubishi-Businessplan für die nächsten Jahre vor – und in dem sieht es für eine europäische Mitsubishi-Zukunft nicht gut aus. Auf neue Modelle müssen europäische Kunden ab sofort verzichten. Vertrieb und Service für bereits im Verkauf befindliche Modelle sollen allerdings erhalten bleiben.

Fixkosten müssen runter

Mitsubishi muss dringend seine in den letzten Jahren stetig gestiegenen Fixkosten senken, um eingebrochene Gewinne zurückzuholen. In dem jetzt im Business-Plan festgelegten Maßnahmen-Paket ist eine Fixkostensenkung um 20 Prozent bis Anfang 2022 vorgesehen – dann soll der Gewinn wieder steigen. Allein die Reduzierung des Personals soll die Kosten um 15 Prozent senken.

Europa fällt unter Forschung und Entwicklung

Bei den weiteren, prozentual nicht näher aufgeschlüsselten, Sparmaßnahmen fällt der Punkt "Forschung und Entwicklung" auf. Dessen erster Unterpunkt weist auf allgemeine Einsparungen bei der Forschung und eine Konzentration dieser Forschung im Firmenverbund Renault-Nissan-Mitsubishi hin. Im zweiten Unterpunkt heißt es dann lapidar: "Einfrieren der Einführung neuer Produkte in Europa." Mitsubishi klemmt europäische Kunden also von seinen neuen Modellen ab.

Mitsubishi Business-Plan Diesel
Mitsubishi
Die Entwicklung von Dieselmotoren und Allradtechnik möchte Mitsubishi vorantreiben.

ASEAN-Markt und Zweitverwertung in Schwellen-Ländern

Mitsubishi sieht seine Zukunft ganz klar in der ASEAN-Freihandelszone, zu der Brunei, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha gehören. Mit den auf diesen Märkten erfolgreichen Fahrzeugen möchten die Japaner dann auch in weiteren südasiatischen Ländern, Ozeanien, Südamerika, Afrika und im nahen Osten punkten. In China möchte Mitsubishi zusammen mit seinem Partner GAC Wachstum erzeugen.

Technologie von Partnern, Nutzfahrzeuge auch

In Sachen Technologie soll Mitsubishi viel stärker an die Entwicklungen seiner Partner Renault und Nissan gekoppelt sein. Kompetenzbereich von Mitsubishi bleiben Offroad- und Allradfahrzeuge. Allerdings möchten die Japaner auch neue Generationen von Dieselmotoren entwickeln – die ja eigentlich besonders für den europäischen Markt interessant sind. Ansonsten arbeitet Mitsubishi an Hybrid-Antrieben und Plugin-Hybrid-Antrieben – die Technik für reine Elektroautos kommt wiederum von den Partnern im Firmenverbund. Außerdem stellt der Business-Plan die Weichen für Mitsubishis wichtige Nutzfahrzeug-Sparte: Ab 2020 stellt Renault die meisten dieser Fahrzeuge her, Mitsubishi könnte sie in Form von Badge-Engineering anbieten, also nur mit bereits bei der Fertigung von Renault angebrachten Mitsubishi-Logos.

Konzentration auf asiatischen Markt war abzusehen

Damit nimmt die Marke eine Position ein, die ihr innerhalb des Bündnisses mit Renault und Nissan schon länger zugedacht war. Während Nissan sich vorrangig um China kümmert, beackert Renault Europa. Der Business-Plan für den Zeitraum von 2020 bis 2022 weist ein Wachstum in Südostasien aus – Ziel ist fast eine Verdoppelung des aktuellen Marktanteils auf dann elf Prozent. Europa taucht im Business-Plan nicht weiter auf.

Mitsubishi Outlander, Best Cars 2020, Kategorie K Große SUV/Geländewagen
Mitsubishi
Der Outlander ist bei uns als Hybrid erhältlich und kommt bei den Kunden gut an.

Insgesamt konnte Mitsubishi im vergangenen Jahr in Deutschland 52.148 Autos verkaufen, davon 12.209 Outlander. Im laufenden Jahr steht die Marke bei 28.319 Fahrzeugen und somit fast 14,5 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum. Mit Blick auf die Corona-Krise trifft ein Rückgang im ersten Halbjahr allerdings die gesamte Branche. Details zu der Neuausrichtung will Mitsubishi noch bekannt geben. Der komplette Umfang der Maßnahmen sei noch nicht definiert, hieß es aus Tokio.

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Fazit

Mitsubishi musste in den vergangenen Jahren in Europa leiden, permanent schmolz der Marktanteil dahin. Anscheinend hatten die Japaner Schwierigkeiten, den Geschmack europäischer Kunden zu treffen. Jetzt im Verbund mit Renault und Nissan verankert, scheint eine Konzentration auf asiatische Märkte logisch – schließlich sind die Japaner dort deutlich erfolgreicher als hierzulande.

Teil der von Mitsubishi angepeilten Märkte sind allerdings viele Schwellen- und Entwicklungsländer, deren Finanzkraft deutlich unter der von europäischen Märkten liegt. Die Japaner sind also gezwungen, mit geringeren Verkaufserlösen Profit zu erzielen. Ihre Kompetenz in Sachen Allradantrieb und robuster Fahrwerke dürfte ihnen wiederum in Ländern mit schlechter Straßen-Infrastruktur zugute kommen.

Aus Europa scheint sich Mitsubishi zu verabschieden – zu deutlich ist der Hinweis auf den Stopp von der Einführung neuer Modelle auf dem hiesigen Markt. Und ebenfalls viel zu deutlich ist die Abwesenheit von Europa in allen weiteren Zukunftsplanungen von Mitsubishi. Für europäische Kunden wäre dies in erster Linie eine Einschränkung der Markenvielfalt.

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