Es ist eine Punktlandung. Cem Özdemir, seit kurzem Ministerpräsident von Baden-Württemberg, trifft kurz vor dem Ende der Veranstaltung am 10. Juni 2026 ein. Kurz zuvor hat eine Podiumsdiskussion mit den CEOs der deutschen Automobilindustrie stattgefunden – das Fazit war eindeutig: Es ist nicht alles in Ordnung. Özdemir bestätigt das ohne Umschweife. Die Herausforderungen seien real und massiv. Nicht alle Probleme ließen sich in Stuttgart oder Berlin lösen – US-Zölle, Chinas Aufstieg vom Zulieferer zum Konkurrenten, Russlands Krieg gegen die Ukraine. Doch viele Probleme seien eben hausgemacht. Und die will er anpacken.
Bürokratie weg, Ingenieure ran
Als eine der ersten Maßnahmen seiner Landesregierung möchte Özdemir sämtliche Berichts- und Dokumentationspflichten ersatzlos abschaffen. Ingenieure sollen Ideen entwickeln, nicht Formulare ausfüllen. Baden-Württemberg stehe bei Patenten noch immer an der Spitze, das soll so bleiben. Özdemir sieht den Schritt als Blaupause für Berlin und Brüssel.
Wenn wir das in Baden-Württemberg können, dann könnt ihr das auch. Ich bin auch bereit, dafür das Schwäbische etwas abzulegen, damit man es versteht. Hauptsache, die Botschaft kommt an.
Ladestrom, Zulieferer, Flexibilität bis 2035
Priemer spricht die hohen Energiekosten an – ein Problem, das nicht nur die Industrie, sondern auch Elektroautofahrer direkt trifft. Özdemir fordert von Berlin einen dauerhaft günstigen Ladestrom über einen Zeitraum von zehn Jahren. Von Brüssel erwartet er, dass es dafür sorgt, dass in allen EU-Mitgliedsländern eine gute Ladeinfrastruktur entsteht. Außerdem müsse die versprochene Kfz-Steuerbefreiung kommen.
Wir brauchen bezahlbaren Ladestrom, damit sich das auch wirtschaftlich rechnet.
Einen Tag zuvor hat Özdemir diese Themen bereits mit den Spitzenvertretern der deutschen Automobilwirtschaft besprochen. Dabei geht es auch um die Zuliefererindustrie: Die im Kanzleramt vereinbarte Flexibilisierung des Übergangs bis 2035 müsse so umgesetzt werden, dass auch sie nicht auf der Strecke bleibt. Dafür will sich Özdemir persönlich in Brüssel einsetzen.
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Priemer fragt nach, ob Özdemir den Automobilmanagern auch Erwartungen mitgegeben hat. Er bejaht – und betont dabei, dass er bei den CEOs nichts anderes gesagt hat als hier auf der Bühne. Politiker, die je nach Publikum unterschiedliche Botschaften verkauften – bei der Industrie das eine, auf dem Parteitag das andere – schadeten letztlich der liberalen Demokratie. Die Einzigen, die davon profitierten, seien Rechtspopulisten und Rechtsradikale.
Er warnt außerdem davor, den Standort Deutschland schlechtzureden. Demotivierte Menschen gingen nicht die extra Meile und genau die brauche es jetzt.
Jeder wird an die Grenzen und drüber hinausgehen müssen, wenn wir den Karren aus dem Dreck ziehen wollen. Das wird nur im Miteinander funktionieren.
Der Wandel komme so oder so. Die Hoffnung, dass sich alles verändere, ohne dass jemand etwas merkt, sei eine Illusion. Das habe noch nie funktioniert.












