Der spanische Hersteller EM&E Group verfolgt genau diesen Ansatz und hat sein Mörsersystem EMOC nun weiterentwickelt.
Bekannt wurde das System unter anderem durch Vorführfahrzeuge auf Basis eines Toyota Land Cruiser. Aktuelle Herstellerbilder zeigen das System auch auf einen URO VAMTAC. Gemeinsam ist beiden Konzepten, dass sie deutlich leichter und beweglicher sind als klassische Mörserträger auf gepanzerten 6x6- oder 8x8-Fahrzeugen.
Während viele Armeen für ihre Mörsersysteme auf schwere Trägerfahrzeuge setzen, soll der EMOC die Feuerkraft eines 120-Millimeter-Mörsers mit der Mobilität eines Geländewagens verbinden. Hintergrund sind die Erfahrungen aktueller Konflikte, in denen Drohnen, elektronische Aufklärung und Gegenbatterieradare stationäre Feuerstellungen oft innerhalb weniger Minuten erfassen können.
Mörser soll in weniger als 20 Sekunden feuerbereit sein
Nach Angaben von EM&E kann das System in weniger als 20 Sekunden in Feuerstellung gebracht und anschließend wieder verstaut werden. Die Besatzung soll dadurch unmittelbar nach der Schussabgabe den Standort wechseln können.
Der Hersteller setzt dabei auf eine Konstruktion, bei der der Rückstoß nicht vom Fahrzeug aufgenommen wird. Vor dem Schießen wird der Mörser auf einer Bodenplatte abgestützt, die die Kräfte direkt in den Untergrund leitet. Dadurch sollen auch leichte 4x4-Fahrzeuge als Trägerplattform genutzt werden können.

Das System kann auch auf anderen 4x4-Plattformen installiert werden.
Die Entwicklung folgt dem sogenannten Shoot-and-Scoot-Prinzip. Dabei verlässt die Besatzung ihre Stellung möglichst schnell nach der Schussabgabe, um das Risiko eines Gegenangriffs zu verringern.
Neues Navigationssystem direkt am Rohr
Die wichtigste technische Neuerung betrifft die Feuerleitung. Künftig sitzt ein Trägheitsnavigationssystem direkt am Mörserrohr. Die ballistischen Berechnungen erfolgen damit unmittelbar am Abschusspunkt des Geschosses.
Nach Angaben des Herstellers verbessert dies die Treffgenauigkeit und reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von GPS-Signalen. Das System soll auch dann einsatzfähig bleiben, wenn Satellitennavigation gestört oder nicht verfügbar ist.
Was ist ein Trägheitsnavigationssystem?Ein Trägheitsnavigationssystem (INS) bestimmt die Position, Geschwindigkeit und Ausrichtung eines Fahrzeugs oder Waffensystems mithilfe von Beschleunigungs- und Drehratensensoren. Anders als GPS benötigt es keine Satellitensignale und funktioniert daher auch bei Funkstörungen oder in abgeschirmten Bereichen.
Das System berechnet kontinuierlich jede Bewegung und kann daraus die aktuelle Position ableiten. Beim EMOC-Mörser wird das INS direkt am Rohr eingesetzt, sodass Ziel- und Schussdaten präziser erfasst werden können, selbst wenn sich das Fahrzeug auf unebenem Gelände befindet oder GPS gestört wird.
Darüber hinaus kann der EMOC mit unterschiedlichen Feuerleit- und Gefechtsführungssystemen verbunden werden. Auch die Einbindung von Drohnen oder vorgeschobenen Beobachtern ist vorgesehen. Für technische Ausfälle stehen weiterhin manuelle Notfunktionen zur Verfügung.
Für leichte Fahrzeuge und digitale Gefechtsführung ausgelegt
EM&E bezeichnet den EMOC als den leichtesten 120-Millimeter-Mörserträger seiner Klasse. Das System wurde für leichte 4x4-Fahrzeuge entwickelt und unterstützt neben Standardmunition auch präzisionsgelenkte Mörsermunition des Herstellers. Für diese gibt das Unternehmen einen Zielkreisfehler von weniger als zehn Metern an.
Mechanik, Elektronik und Software stammen nach Herstellerangaben weitgehend aus eigener Entwicklung. Gleichzeitig ist das System so ausgelegt, dass es mit unterschiedlichen Feuerleit- und Führungsnetzen verbunden werden kann.












