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Tesla Model S Facelift 2021
Tesla Model S Facelift
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Tesla Model S Facelift 27 Bilder

Tesla zeigt, wie man mit E-Autos Gewinne macht

Rekord-Ergebnis – Milliarden-Gewinn im 2. Quartal Tesla zeigt, wie man mit E-Autos Gewinne macht

Der US-E-Auto-Hersteller macht fast zwölf Milliarden Umsatz, die Einnahmen aus dem CO2-Handel sanken drastisch, der Gewinn hat sich gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt, die Rendite aus dem Verkauf von E-Autos ist damit besser als die bei den etablierten Herstellern aus deren verbrennerlastigem Portfolio.

Tesla steigerte die Fahrzeug-Auslieferungen im 2. Quartal 2021 gegenüber dem 1. Quartal um 8,9 Prozent auf 201.304 Einheiten. Das Verhältnis der vermutlich margenstärkeren großen Modelle zu den kleineren verändert sich weiter ungünstig: Während die Auslieferungen der Modelle 3 und Y um 9,1 Prozent auf 199.409 Fahrzeuge zulegten, nahmen die Auslieferungen der Modelle S und X um 6,7 Prozent auf 1.895 Stück ab. Allerdings befinden sich Model S und X gerade im Modellwechsel (Faceliftmodelle siehe Bildergalerie).

Die Produktion des Konzerns nahm um 14,5 Prozent auf 206.421 Autos zu, die Produktion der Modelle 3 und Y erhöhte sich um 13,2 Prozent auf 204.081 Einheiten, von den Modellen S und X baute Tesla 2.340 Stück.

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Der Umsatz des Konzerns stieg gegenüber dem ersten Quartal (Q1) 2021 von 10,389 Milliarden auf 11,958 Milliarden US-Dollar. Hierin sind zwar 0,354 Milliarden Dollar "Regulatory Credits" (Erträge aus Emissionsrechten) enthalten, aber im ersten Quartal waren das noch 0,518 Milliarden US-Dollar.

Von wegen Gewinne nur aus Emissionshandel

Die Nord LB meldet für das zweite Quartal ein operatives Ergebnis von 1,312 Milliarden Dollar, das in Q1 2021 noch bei nur 0,594 Milliarden lag und sich so gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt hat. Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter erhöhte sich so laut Nord LB auf 1,142 Milliarden Dollar (Q1 2021: 0,438 Milliarden). Hieraus errechnen die Analysten der Nord LB eine operative Marge von "starken" 11,0 Prozent. Im Vorjahr lag die noch bei 5,7 Prozent, obwohl die Einnahmen aus dem CO2-Handel damals noch erheblich höher waren. Selbst Elon Musks Bitcoin-Abenteuer verwässerte das Ergebnis nicht: Statt wie im ersten Quartal einen Gewinn von 101 Millionen Dollar daraus zu erzielen, hat Tesla im zweiten Quartal eine Abschreibung von 23 Millionen Dollar auf die Bitcoin-Bestände vorgenommen.

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Nord-LB-Analyst Frank Schwope ordnet das Ergebnis so ein: "Tesla hat trotz Pandemie, Chipmangel und Überlastung der Häfen überraschend starke Zahlen für das 2. Quartal vorgelegt, die insbesondere bei den Ergebnisgrößen deutlich über den Markterwartungen lagen. Dabei nahmen die Erträge aus dem Emissionsrechte-Handel sogar ab, so dass die Amerikaner deutliche Gewinne mit dem Autoverkauf einfuhren, obwohl die Auslieferungszahlen der vermeintlich margenstarken Modelle S und X relativ gering waren". Ob der Absatz bei Model X und Model S nach dem Facelift wächst, bleibt abzuwarten, wirkt aber angesichts der Produktaufwertung nicht unrealistisch. 2021 könnte Tesla also zeigen, dass man mit E-Autos so gut Geld verdienen kann wie mit Verbrennern, wenn man beispielsweise wie die Amerikaner den Nachschub von Batterien im Griff hat – Tesla-Akkus entstehen ja in Kooperation mit Zellproduzenten (aktuell Panasonic) in den Gigafactories.

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VW mit zehnfachem Absatz, aber weniger Marge

Zum Vergleich des Ergebnisses: VW hat im gleichen Zeitraum (Q2 2021) 111.000 rein elektrische Autos verkauft. Vom Ergebnis fürs zweite Quartal 2021 hat Volkswagen bisher nur das operative Ergebnis vorläufig mit 6,19 Milliarden Euro angegeben. An Autos hatte man da mehr als zehn mal so viele verkauft wie Tesla im zweiten Quartal (2,432 Millionen). Als Größenordnung können auch die Zahlen aus dem ersten Quartal herhalten: Da lag das operative Ergebnis laut Konzernangaben bei 4,8 Milliarden Euro (trotz Covid-19 und leichten Auswirkungen der Halbleiterengpässe) an, die operative Rendite erreicht 7,7 Prozent, was VW selbst ebenfalls als "stark" einschätzt.

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Noch besser als Tesla schnitt im Vergleich der Premiumhersteller Mercedes ab, wo die die EBIT-Marge (allerdings im gesamten ersten Halbjahr 2021) auf 13,7 Prozent anwuchs. Die Entwicklung dürfte aber nach Einschätzung von Nord-LB-Analyst Frank Schwope aber nicht so weitergehen. Er ordnete die Halbjahreszahlen so ein: "Daimler überraschte trotz Pandemie und Chipmangel mit starken Zahlen für das 1. Halbjahr 2021, die sich allerdings im 2. Halbjahr nicht einfach so fortschreiben lassen dürften. Dies drückt auch die verschlechterte Absatzprognose des Vorstands aus. Die starken Ergebnisse dürften auch auf massiven Sparmaßnahmen, nachgeholten Autokäufen und einer Konzentration auf margenstarkes Geschäft beruhen".

Tesla bei E-Autos vorn, beim autonomen Fahren nicht

Bei Tesla sieht er die künftige Entwicklung allerdings auch nicht ganz so rosig, wie die Unternehmensführung, die "auf Sicht über mehrere Jahre nach wie vor ein durchschnittliches Wachstum der Fahrzeug-Auslieferungen von rund 50 Prozent und im Jahr 2021 sogar darüber erwartet und die operative Ergebnis-Marge über die Jahre auf Höchstwerte im Automobil-Sektor steigen" sehe. Denn, so Schwope, der Druck der etablierten Automobil-Hersteller auf Tesla nehme enorm zu. "Jüngst `beschleunigten´ Volkswagen und Daimler ihre Elektrostrategien deutlich. Bereits nächstes Jahr könnte Volkswagen bzgl. der Verkaufszahlen von Elektroautos auf Augenhöhe mit Tesla liegen. Auch wenn Tesla im laufenden Jahr bei den Auslieferungen um mehr als 50 Prozent zulegen könnte, halten wir ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 50 Prozent über mehrere Jahre für unrealistisch. Der Produktionsstart in Brandenburg und Texas mag zwar offiziell noch in diesem Jahr erfolgen, aber nennenswerte Stückzahlen dürften die neuen Werke erst 2022 verlassen".

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Trotzdem sieht er Tesla im Bau von Elektroautos vorn: Das US-Unternehmen sei "Avantgardist mit deutlichem technologischen Vorsprung im Bereich der disruptiven Elektromobilität". Bei der "2. Disruptions-Stufe – dem Autonomen Fahren" – sehe man Tesla hingegen keineswegs enteilt. Hier dürften Waymo und Cruise ein ganzes Stück weiter sein", so Schwope.

Die Tesla-Aktie sollte man verkaufen

Daraus ergibt sich auch eine kritische Bewertung des Aktienkurses. "Auch wenn Tesla bei den Ergebnisgrößen positiv überraschte, erachten wir die Bewertung der Tesla Aktie nach wie vor als zu hoch. Wir empfehlen, die Tesla-Aktie bei einem Kursziel von USD 290,00 zu "Verkaufen". Aktuell notiert das Papier übrigens bei über 544 Euro (642 US-Dollar).

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... der größte Innovator seit Erfindung des Automobils und wird auch langfristig Erfolg haben.
... nur ein E-Autohersteller von vielen. Speziell ist nur der Chef. E-Autos gab es schon vorher und wird es auch nach Tesla geben.

Fazit

Die Zeiten, in denen man Tesla vorwerfen konnte, Gewinne kämen allenfalls aus dem CO2-Emissionsrechte-Handel sind vorbei. Der US-Hersteller erzielte im abgelaufenen Quartal eine zweistellige Marge mit dem Verkauf vor allem seiner gar nicht mal so teuren Model 3 und Y, die bei den reinen E-Auto-Qualitäten noch immer deutlich vor der Konkurrenz liegen.

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