VW-Konzernboss: Deshalb sieht Oliver Blume VW „oberhalb der Wasserlinie“

VW-Konzernchef spricht bei der Automesse in Peking
Deshalb sieht Blume VW „oberhalb der Wasserlinie“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.04.2026
Als Favorit speichern

Die Peking Auto Show hat eröffnet – aber wer auf eine Ansammlung von Kuriositäten wie in der Vergangenheit wartet, hat sich getäuscht. Das Messegelände ist extrem weitläufig und hochmodern ausgestattet. Durch alle Hallen hindurch beläuft sich der Fußweg auf mindestens 15 Minuten. Vorbei an Ständen, die mal riesengroß und mal eher klein gebaut sind.

Blume: "Haben unsere Hausaufgaben gemacht"

Misst sich Selbstvertrauen in Standfläche, dann ist Nio ganz vorn dabei: Der chinesische Innovationstreiber mit Batteriewechselkonzept nimmt trotz gewaltiger finanzieller Probleme eine ganze Hallenhälfte in Anspruch und lässt einen Nio ET9 zur Musik zur Vivaldi auf Augenhöhe mit einem Roboter tanzen. Den chinesischen Besuchern gefällt die Liveshow. Oliver Blume als VW-Konzernchef hat derweil andere Sorgen. Doch trotz vieler Negativschlagzeilen in Europa strahlt er Ruhe und Zuversicht aus. Mehr noch, er sieht das Unternehmen mittlerweile wieder auf Kurs: "Der VW-Konzern ist oberhalb der Wasserlinie", erzählt er zum Messeauftakt, nachdem alle wichtigen Pressekonferenzen von Audi, VW und Porsche gelaufen waren.

"Wir können wieder anders agieren, weil wir unsere Hausaufgaben gemacht haben." Der Vorteil bestehe darin, so Blume, dass man in China mittlerweile ganz vorn dabei sei, weil man mit chinesischen Prozessen, Methoden und Technologien arbeite. "Ich sehe da keine größeren Herausforderungen mehr." Ein Satz, den man mit Blick auf den schwierigen chinesischen Markt vor Kurzem so nicht erwartet hätte. Schließlich sind die Herausforderungen im Reich der Mitte riesig: Hier kämpfen alle mit Überkapazitäten, aber auch mit der anhaltenden Immobilienkrise und einer vor allem bei jungen Leuten wachsenden Arbeitslosigkeit: "Die große Herausforderung am Markt besteht darin, dass es allein in diesem Jahr 200 Neuheiten geben wird", sagt Blume.

Blume will Verteidigungsgeschäft ausbauen

Mit Blick auf Deutschland und Europa will Blume Produktionskapazitäten reduzieren und Werke wie Osnabrück neu auslasten: "Da werden wir weiterdenken und uns auch auf Verteidigungsthemen oder militärischen Transport konzentrieren." Und weiter: "Wir werden keine Waffensysteme machen, das sei erst einmal vorangestellt. Aber ich denke, als Volkswagen können wir unseren Beitrag für unsere gesamte Gemeinschaft leisten für Deutschland, aber auch für die NATO. Militärischen Transport machen wir ja heute schon mit Lkw bei MAN. Aber man kann das für die Zukunft noch einmal weiterdenken. Wir haben Pkw, wir haben Busse im Angebot und sind natürlich im Austausch mit dem Verteidigungsministerium. Wenn dort unser Know-how in Richtung Transport gefragt ist, dann stehen wir dort natürlich parat, weil wir uns da auch in der Verantwortung des Staates sehen. Ich halte das, was jetzt an Verteidigungsstrategie aufgesetzt wird, für absolut richtig, weil sich die geopolitische Lage einfach verändert hat."

Und die anderen Marken des VW-Konzerns, zum Beispiel Audi? "Da haben wir noch etwas zu tun, was aber auch auf einen Zeitversatz von rund einem Jahr gegenüber den Maßnahmen, die wir bei VW bereits umgesetzt haben, zurückzuführen ist." Außerdem, so Blume, sei Audi in China nach wie vor erfolgreich, als deutscher Premiumhersteller vor Mercedes und BMW. "Bei Porsche gehen die Schwierigkeiten auf den in China in den letzten Jahren um bis zu 80 Prozent eingebrochenen Luxusmarkt zurück. Aber wir bekommen gerade sehr positives Feedback zum Cayenne." Der feierte auf der Peking Auto Show als Coupé Electric seine Weltpremiere.

"Nicht auf dem Erreichten ausruhen"

Blumes Fazit am Rande der Messe: "Wir werden uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern arbeiten mit voller Intensität weiter. Wir haben eine Riesen-Verantwortung – nicht nur für unser Unternehmen, sondern für Deutschland und Europa." Wenn die Strategie des Konzerns aufgeht, braucht es kein tanzendes Auto und keinen tanzenden Roboter. Nicht mal einen Stand im XXL-Format. Dann reicht ein gutes Produkt.

Hinweis: In der Fotoshow zeigen wir Ihnen die Neuheiten des VW-Konzerns von der Auto China in Peking.

Fazit