"La Course" Rennen mit Citroën Ami: So wild kann Motorsport mit 8 PS sein

„La Course“ Ovalrennen mit Citroën Ami
So wild kann Motorsport mit 8 PS sein

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.06.2026
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Für packenden Motorsport braucht es nicht zwingend hochgezüchtete Antriebe, eine Hightech-Aerodynamik und die besten Fahrer der Welt am Steuer. Das bewies am vergangenen Wochenende ein ungewöhnliches Spektakel in Frankreich: Neun Internet-Persönlichkeiten lieferten sich auf einer Radrennbahn ein etwa eine Stunde langes 100-Runden-Rennen – und das ausgerechnet mit ebenso vielen Exemplaren des Citroën Ami . Richtig gelesen: Statt leistungsstarker Rennwagen dienten den Frauen und Männern an den Lenkrädern kleine Elektro-Wägelchen mit gerade einmal 8 (in Worten: acht) PS als Sportgerät.

Packendes Rennen mit NASCAR-Flair

Dennoch – oder gerade deswegen – entwickelte sich ein erstaunlich packendes Rennen mit erstaunlich viel NASCAR-Flair. Die bei der Streaming-Plattform "Twitch" live übertragene Veranstaltung erreichte mit nur drei Tagen Vorlauf mehr als eine Million Zuschauerinnen und Zuschauer. Auch die Tribünen waren – zumindest nach dem, was sich auf den Kamerabildern erkennen lässt -, bestens gefüllt.

Das Event hörte auf den schlichten Namen "La Course" und wurde von Sylvain Lyve (bürgerlich: Levy) organisiert, bekannt durch den YouTube-Kanal "Vilebrequin" und als Moderator von "Top Gear France". Der Name bedeutet zwar einfach "das Rennen", dient aber zugleich als augenzwinkerndes Kürzel für "L’Ami Challenge Original Ultra Racing Sport Event". Die Veranstaltung wirkte professionell durchgeführt – mit Moderation, Drohnenbildern und hübschen grafischen Einblendungen. Der Ton blieb jedoch bewusst locker: Trash-Talk in Interviews war ausdrücklich erwünscht. Nur unangemessene Sprüche über Mütter waren tabu, schließlich war in Frankreich Muttertag.

Gefahren wurde im Stade Isidore Thivrier in Commentry, einem 445 Meter langen Outdoor-Velodrom. Die eigentlich für Bahnradrennen gebaute Ovalstrecke passte erstaunlich gut zum Ami: breit genug für Zweikämpfe, aber eng genug, dass sich spannende Windschattenschlachten und Positionskämpfe entwickelten. Dazu kam ein eher ruppiger Belag, was die Onboard-Aufnahmen eindrucksvoll zeigten. Selbst fürs Storytelling war gesorgt – eine Gerade erhielt kurzerhand den Namen von Schauspielstar Marion Cotillard. Und das Safety Car war eher ein "Unsafety Car", denn der verwegene Monster-Truck auf Renault-Twizy-Basis sorgte feuerspuckend selbst für einige heiße Momente.

Topspeed-Limit aufgehoben

Auch technisch wurde nachgeholfen: Der Ami ist normalerweise bei 45 km/h elektronisch begrenzt, doch Levy soll diversen Medienberichten zufolge die Software-Limits entfernt haben. Somit waren für den Elektro-Knirps Citroën Ami sonst unerreichbare 70 km/h drin. Überholmanöver klappten trotzdem meist nur im Windschatten, was durchaus zu Schweißtropfen unter den Fahrerhelmen führte.

Gleichzeitig spielte die Reichweite eine Rolle: Bei ungebremster Vollgasfahrt hätte der Akku nicht für die komplette Distanz gereicht, weshalb die Teilnehmer mit ihrer Energie haushalten mussten. Genau das sorgte in der Schlussphase für zusätzliche Unruhe und Chaos, weil einige der Autos saftlos austrudelten und den anderen Racern im Wege standen. Ein Phänomen, das Formel-1-Fans seit dieser Saison ebenfalls kennen.

Sieger mit Verwechslungsgefahr

Gewonnen hat das Spektakel übrigens Maxime Biaggi (allerdings nicht zu verwechseln mit dem mehrfachen Motorrad-Weltmeister Massimiliano "Max" Biaggi. Der Komiker, Schauspieler und Streamer hat Tempo und Energiesparen schlichtweg am besten in Einklang gebracht. Auf Platz zwei erreichte Twitch-Streamer und Youtuber Etoiles (eigentlich Rayenne Guendil) das Ziel, gefolgt von LittleBigWhale, die nicht nur als Twitch-Streamerin, sondern unter dem Namen Marianne auch als Sängerin bekannt ist. Organisator Sylvain Lyve wurde mit drei Runden Rückstand nur Siebter.

Fazit