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04/2021, Rimac C-Two vs Lucid Air vs Tesla Model S Plaid vs Bugatti Chiron Patrick Lang / Hersteller
04/2021, Rimac C-Two vs Lucid Air vs Tesla Model S Plaid vs Bugatti Chiron
04/2021, Rimac C_Two Viertelmeile Quartermile
Lucid Air
Lucid Air schafft Viertelmeile in 9,245 Sekunden. 7 Bilder

Beschleunigung: Rimac C-Two hängt alle ab

Elektrisch angetriebene Viertelmeile-Kings Rimac C-Two hängt alle ab

Mit einem längst nicht fertigen Vorserien-Modell seines Elektro-Hypercars hat Firmengründer Mate Rimac eine starke Bestmarke aufgestellt. Bugatti, Lucid und Tesla haben vorerst das Nachsehen.

Während die Topspeed-Rekordjagd nach der 300-mph-Krone noch läuft, ist bereits der nächste Bestmarken-Schlagabtausch im Gange. Derzeit toben sich diverse Elektroauto-Hersteller auf der Viertelmeile aus. Jüngst erst E-Auto-Pionier Mate Rimac, der mit einem C-Two-Prototyp mal eben eine Zeit von 8,94 Sekunden in den Asphalt eines verlassenen kroatischen Flugplatzes stanzte. Inoffiziell natürlich, vom Guinness-Komitee oder von der internationalen Motorsport-Behörde FIA war hier niemand anwesend. Dennoch ist der Wert mehr als beeindruckend.

Zuvor hatte bereits das kalifornische E-Auto-Startup Lucid das unerbittliche Beschleunigungs-Vermögen seines Air demonstriert. Ursprünglich stellte dessen Chef Peter Rawlinson eine Viertelmeilen-Zeit von 9,9 Sekunden für die elektrische Oberklasse-Limousine in Aussicht. Schon dieser Wert ist im Vergleich schockierend gut: Ein 1.500 PS starker Bugatti Chiron (Basismodell) braucht genauso lange. Dabei kostet der Chiron mit zirka 3,15 Millionen Euro fast 22 mal so viel wie ein Lucid Air in der Dream Edition (aktuell umgerechnet zirka 143.582 Euro).

9,245 Sekunden für den Lucid Air

Als Lucid seine Ankündigung in die Tat umsetzte und den Air in einer dreimotorigen Version auf die Viertelmeile schickte, ließ Rawlinsons Truppe wahrlich Taten folgen: Dabei ist eine absurd gute Zeit von 9,245 Sekunden herausgekommen – besser als ein Dodge Challenger SRT Demon (9,6 Sekunden), ein Koenigsegg Jesko (9,5 Sekunden) oder ein Donkervoort D8 RS06 (9,3 Sekunden). Allerdings handelte es sich bei dem Air-Rekordfahrzeug um ein leergeräumtes und speziell auf die Viertelmeile abgestimmtes Modell. Der Rimac dagegen trat nicht einmal mit voller Power an, auch darüber hinaus gibt es noch jede Menge Verbesserungs-Potenzial in puncto Reifen, Streckenwahl und solchen Sachen. Gut möglich also, dass der Bestwert des 1.774 PS starken SSC Tuatara (8,8 Sekunden) bald fällig ist.

Lucid Air schafft Viertelmeile in 9,245 Sekunden.
Twitter/Lucid
Auf Twitter hat Lucid ein Video von der 9,245-Sekunden-Fahrt des Air auf der Viertelmeile veröffentlicht.

So oder so steht Profi-Ankündiger Elon Musk nun unter Druck. Der Tesla-Chef stellte auf dem letzten Battery Day für das Model S Plaid, das neue Topmodell der Baureihe, eine Viertelmeilen-Zeit von 9,0 Sekunden in Aussicht. Laut Musk sollte der Model S Plaid damit alles versenken, was Räder hat. Doch mit seinem Nebenbei-Rekord sorgte Mate Rimac dafür, dass diese Zeit nicht mehr für einen Bestwert reichen würde. Vielleicht langt's ja immerhin für den Lucid Air, und in diesem Duell liegt eine besondere Pikanterie: Denn Lucid-Chef Rawlinson ist sein ehemaliger Model-S-Entwicklungs-Chef. Die beiden sind im Streit auseinander gegangen und bis heute verfeindet.

Die Firmenchefs streben nach Rekorden

Bei Elektromobilität geht es vorrangig um Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Aber auch um eine Performance, mit der Verbrennungsmotor-Modelle kaum noch mithalten können. Die Gründe dafür liegen auch bei den Protagonisten: Elon Musk ist ein Mann, der auch schon die alte Welt der Verbrennungsmotor-Sportwagen ungemein schätzte – und der ausgiebig von seinem McLaren F1 schwärmte. Öko-Denken in Form von vor sich hergetragenem Verzicht ist ihm fremd: Nicht umsonst gefiel ihm der auf einer Lotus Elise basierende Elektro-Roadster auf Anhieb, als er zu Tesla stieß. Musk hat nie aufgehört, die Performance seiner Modelle zu betonen und zu pushen.

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Sein Gegenspieler bei Lucid, Peter Rawlinson, ist kein bisschen anders drauf: Der Ex-Jaguar-Mann hat als Ingenieur bei Lotus extremen Leichtbau betrieben und nach seiner Jaguar-Zeit bei Ruf in Pfaffenhausen den legendären CTR3 mitentwickelt – ein Auto, das sich mit dem McLaren F1 messen sollte. Mate Rimac ist sowieso als Rekordjäger bekannt. Schon vor etwa zehn Jahren stellte der Kroate offiziell von der FIA bestätigte Beschleunigungs-Rekorde für Autos mit reinem Elektroantrieb auf. Und zwar mit einem umgebauten BMW 3er E30, der nicht nur wegen seiner giftgrünen Farbe zur Ikone wurde.

Auf der Nordschleife geht’s weiter

Noch tragen Tesla, Lucid und Rimac ihre Performance-Battles auf der in den USA populären Viertelmeile aus. Doch es dürfte nicht allzu lange dauern und die Kontrahenten kommen nach Deutschland, um jegliche Nordschleifen-Rekorde vergessen machen. Spannend ist, was Porsche in der Zwischenzeit mit dem Taycan vorhat – also ob die Zuffenhausener ihre geliebte Nordschleife gegen die Angriffe aus Übersee verteidigen können. Mit einem Prototypen des Model S Plaid hat Tesla die Zeit eines Vorserien-Taycan schon mal pulverisiert.

Vergleich C-Two, Model S Plaid, Air Dream Edition, Taycon Turbo S, Chiron

  Rimac C-Two Tesla Model S Plaid Lucid Air Dream Edition Porsche Taycan Turbo S Bugatti Chiron
0 - 60 mph (97 km/h) unter 2,0 s 2,0 s* 2,5 s 2,6 s 2,5 s
Viertelmeile 8,94 s 9,0 s* 9,245 s** 10,3 s 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit 412 km/h 323 km/h* 378 km/h** 260 km/h 420 km/h
Reichweite 550 km 837 km 832 km 412 km 444 km***
Preis über 1 Million Euro 120.361 Euro 145.303 Euro 181.638 Euro 3,15 Millionen Euro
Anmerkung alle Werte bisher nur angekündigt bzw. inoffiziell * Angaben von Elon Musk ** leergeräumtes Renn-Modell   *** 100-Liter-Tank
  Rimac C-Two Tesla Model S Plaid Lucid Air Dream Edition Porsche Taycan Turbo S Bugatti Chiron
0 - 60 mph (97 km/h) unter 2,0 s 2,0 s* 2,5 s 2,6 s 2,5 s
Viertelmeile 8,94 s 9,0 s* 9,245 s** 10,3 s 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit 412 km/h 323 km/h* 378 km/h** 260 km/h 420 km/h
Reichweite 550 km 837 km 832 km 412 km 444 km***
Preis über 1 Million Euro 120.361 Euro 145.303 Euro 181.638 Euro 3,15 Millionen Euro
Anmerkung alle Werte bisher nur angekündigt bzw. inoffiziell * Angaben von Elon Musk ** leergeräumtes Renn-Modell   *** 100-Liter-Tank

Fazit

Die Entwicklungsarbeit an Elektroautos ist in den vergangenen Jahren nicht stehengeblieben: Die Ingenieure konnten die Antriebe kompakter und hochleistungsfester gestalten, die Chemiker haben die Kapazitäten und Leistungsfähigkeiten der Batterien permanent verbessert. Das Ergebnis sind jetzt Fabelzeiten für Elektroautos auf der Viertelmeile – weit weg von allen Befürchtungen, dass der Individualverkehr in naher Zukunft aus fahrenden Öko-Vorwürfen bestehen könnte.

Geht damit die Ära des Verbrennungsmotors auch bei Sportwagen eher zu Ende, als bisher von vielen vermutet? Ja. Noch können Autos wie der Chiron mit ihrem potenten Energiespeicher in Form eines großen und im Vergleich zu einer Batterie günstigen und leichten Tanks punkten – insbesondere auf langen Strecken mit hohen Geschwindigkeiten und bei der Höchstgeschwindigkeit, die eines der herausragenden Merkmale des Chiron ist. Aber in Sachen Sprint-Performance ist der W16-Motor des Basismodells bereits von einer Kombination aus mehreren volumenmäßig kleinen Elektromotoren abgehängt und die Batterien werden jeden Monat besser und günstiger. Nicht umsonst bringt BMW bereits 2021 einen i4 M Performance – selbst die Bayerischen Motorenwerke läuten die Zeit des Elektromotors bei Sportwagen ein.

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