Tesla Semi Truck (2019) Tesla

Tesla Semi-Truck

Elektro-Lkw auf 2020 verschoben

Tesla hat Anfang 2018 die Serienversion des Trucks Semi gezeigt. Der Elektro-Lkw kommt bis zu 800 Kilometer weit und ist bis zu 104 km/h schnell. Die einst für 2019 angekündigte Produktion verschiebt sich allerdings um ein Jahr nach hinten.

Mit dem Semi steigt der Elektroautobauer Tesla auch bei den dicken Lkw ein. Der Semi-Truck sieht mit seiner windschlüpfigen Fahrerkabine extrem futuristisch aus. Tesla gibt einen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,36 an. Die US-Bezeichnung Semi-Truck kommt von „Semi-trailer truck“ und bedeutet, dass diese Sorte Lkw „Semi-trailer“, also Hänger ohne eigene Frontachse, sprich einen typischen Auflieger auf seinem Sattel zieht. Konventionell zeigt sich das Kabinenangebot des Tesla Semi. Hier wird Tesla offensichtlich eine flache Kabine und eine Langstreckenvariante mit Hochdach und Schlafkabine anbieten. Die kann zudem mit verstellbaren Winddeflektoren ausgerüstet werden.

Tesla Semi Truck (2019)
Tesla
Für die versprochene Reichweite von 800 Kilometern müsste der Energieinhalt des Akkus also bei rund 1000 kWh liegen.

Der Tesla Semi wird in zwei Batterievarianten angeboten. Die Basisversion verspricht eine Reichweite von rund 480 Kilometern, die Top-Version soll über 800 Kilometer weit kommen. Alle Reichweitenangaben beziehen sich auf einen vollgeladenen 40-Tonnen-Zug betont Tesla-Boss Elon Musk. Für die nahe Zukunft stellt Musk sogar Versionen mit bis zu 960 Kilometer Reichweite in Aussicht. Mit einem Supercharger soll der Akku in 30 Minuten so stark geladen sein, dass die Ladung 50 Prozent der Reichweite ermöglicht (400 Kilometer). Laut Tesla soll der Lkw bei voller Zuladung rund zwei kWh pro Meile (etwa 1,6 Kilometer) konsumieren, was umgerechnet einem Verbrauch von 125 kWh auf 100 km bedeuten würde. Für die versprochene Reichweite von 800 Kilometern müsste der Energieinhalt des Akkus also bei rund 1.000 kWh liegen – rund zehn Mal so viel Kapazität wie beim größten Pkw-Akku von Tesla im Model S P100 D. Mit dem Strombedarf für eine einzige Akkuladung käme ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Deutschland rund drei Monate über die Runden. Allein vom Gewicht her dürfte der Speicher ein echtes Pfund werden: Geht man beim Model S von 750 Kilo für den Akku aus, käme der Truck mit seiner zehn Mal so großen Batterie auf 7,5 Tonnen Batteriemasse.

Auch bei der Ladeleistung fallen Superlative: Um wie versprochen 80 Prozent einer 1.000 kWh-Batterie zu laden, bedarf es 800 kWh. Diese in 30 Minuten abzurufen, wären ohne Ladeverluste 1.600 kW oder 1,6 Megawatt Leistung nötig, soviel wie elf der derzeit besten Supercharger von Tesla liefern, die maximal 145 kW zur Verfügung stellen. Daher macht bereits der Begriff Gigacharger die Runde, der auf Fabrikgeländen entstehen könnten, um die Lkw mit frischem Strom zu versorgen, während die Nutzlast im Auflieger gerade ein- bzw. ausgeladen wird.

Elektrischer Frachttransport und die Kostenfrage

Tesla kommuniziert bislang nur Preise für den US-Markt, nun sind auch für die Niederlande, Norwegen und Großbritannien die Orderbücher geöffnet worden. In den Niederlanden kostet der Semi ab 130.000 Euro in der Basisversion mit bis zu 475 Kilometern Reichweite, 150.000 Euro werden für die stärkere Version mit 800 Kilometer Reichweite veranschlagt. Die Reservierung kostet 17.000 Euro. Die Founders Series muss direkt bei Bestellung mit 170.000 Euro bezahlt werden.

In den USA geht es bei 150.000 Dollar für die Basisversion mit 300 Meilen Reichweite los, die 500-Meilen-Variante soll ab 180.000 Dollar kosten. Die Founders Series zum Marktstart ist mit 200.000 Dollar eingepreist. Als Anzahlung verlangt Tesla 20.000 Dollar für die Standardversionen, die Founders Series muss auch hier gleich komplett bezahlt werden. Analysten schätzen, dass allein eine solch riesige Batterie 100.000 Dollar teuer würde. Musk betonte aber, dass Diesel-Lkw im Betrieb pro Kilometer 20 Prozent teurer seien, dem Elektro-Truck könnten die Fuhrunternehmer so pro Jahr 200.000 Dollar sparen.

1.044 PS und 2.100 Nm Drehmoment

Der Sattelschlepper besitzt vier unanbhängige Elektromotoren an den beiden Hinterachsen. Hier kommen vermutlich die 261 PS und 525 Nm starke Motoren aus dem Model 3 zum Einsatz.. Die Gesamtleistung würde so bei 1.044 PS und 2.100 Nm liegen. Zudem scheinen beide Achsen anders untersetzt zu sein. Die vordere Achse scheint für den unteren Geschwindigkeitsbereich verantwortlich zu sein, die zweite Achse übernimmt den High-Speed-Bereich. Musk behauptet, der Semi komme damit in 5 Sekunden auf 60 Meilen (96 km/h) – die Zugmaschine alleine. Der Sattelschlepper mit voller Beladung soll es in unter 20 Sekunden schaffen.

Außerdem verspricht Musk, dass der Lkw pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann. Selbst mit zwei ausgefallenen Motoren könne der Sattelschlepper immer noch einen Diesel-Lastwagen schlagen, erklärte Musk. Und die Bremsen würden quasi verschleißfrei arbeiten, da die Verzögerung größtenteils durch Rekuperation erfolge.

Tesla Semi Innenraum
Tesla

Auffällig: Der Fahrer soll in der Mitte der Kabine sitzen („wie in einem Rennwagen“). Das erinnert an legendäre Sportwagen wie den McLaren F1. Allerdings hat die Fahrerkabine daneben keine weiteren Sitze. Damit spart sich Tesla auch verschiedene Versionen für den Links- oder Rechtsverkehr. Besonders stolz ist der Tesla-Boss auf die riesige Frontscheibe. Sie sei explosionssicher. „Sie übersteht sogar eine nukleare Explosion. Wenn nicht, bekommen Sie den vollen Kaufpreis zurück“, scherzte Musk. Tatsächlich könnten US-Trucker auf ein solches Feature abfahren, denn in den USA dürfen Lkw mit beschädigter Windschutzscheibe nicht mehr bewegt werden. Gleichgültig, in welcher gottverlassenen Gegend dem Fahrer so was passiert sein mag – er muss abgeschleppt werden oder es muss eine Ersatzscheibe vor Ort gebracht und eingebaut werden.

Teilautonomes Fahren im Konvoi

Bislang testete Tesla den Semi-Truck (Sattelschlepper) bereits im US-Bundesstaat Nevada. Er soll auch das teilautonome Fahren im Konvoi („Platooning“) möglich machen. Bei der Präsentation versprach Musk, dass jeder Semi-Truck serienmäßig mit der neuesten Version des Tesla-Autopiloten ausgestattet wird, der Spurhalte- und Notbremsassisten beinhaltet. Außerdem sollen Sensoren die Antriebsmotoren so steuern, dass die Fuhre jederzeit stabil rollt und das gefürchtete Einknicken des Sattelschleppers zwischen Zugmaschine und Auflieger verhindert wird.

Jetzt bestellen, Marktstart 2020

Tesla Model Y (2020)
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Der Semi-Truck kann bereits reserviert werden. Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen, so Musk. Nach den inzwischen zum Markenzeichen gewordenen Verzögerungen bei den Produkten kann man das aber allenfalls als eine Absichtserklärung verstehen, auch wenn Musk versprochen hat: Wer jetzt bestellt, bekommt den Truck 2019. Aber im Rahmen einer Investorenkonferenz hatte Tesla nun angekündigt: Der Truck kommt doch erst 2020. Als Grund gibt Tesla-Chef Elon Musk an, nicht genügend Batterien produzieren zu können. Dieses Problem sei „der limitierende Faktor“.

Zudem ist der Lkw-Markt nicht mit dem von Pkw vergleichbar. Gekauft werden nahezu ausschließlich Flotten, die sich keine Verzögerungen bei der Lieferung leisten können. Das Marktvolumen in den USA pro Jahr beziffern Fachleute auf im Vergleich zum Pkw-Markt (ca. 17 Millionen Neuzulassungen p.a.) bescheidene 250.000 Stück.

Dennoch hat die Deutsche Post für seine Tochter DHL Chain Supply zehn Tesla-Lkw für den Einsatz auf dem US-Markt bestellt. DHL Supply Chain wird sie bei seinen Kunden in wichtigen US-amerikanischen Großstädten testen. Sie werden für den Shuttle-Betrieb und Kundenlieferungen am selben Tag eingesetzt und ihre Fahrleistung wird auf längeren Strecken zwischen großen Märkten und DHL-Betrieben im ganzen Land getestet. Größere Bestellungen sollen auch von der US-Brauerei Anheuser-Busch (40 Stück), dem US-Nahrungsmittelkonzern Sysco (50 Stück), der Supermarktkette Walmart (15 Stück) und dem kanadischen Einzehändler Loblaws (25 Stück) vorliegen. Insgesamt gehen Insider von rund 400 Vorbestellungen bislang aus.

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