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Tesla Battery Day 2020

Bloch erklärt die Akku-(R)Evolution

Elon Musk will nicht nur die Mobilität auf erneuerbare Energien umstellen. Der Weg führt für ihn über Batterien. Deren Produktion will er künftig stark ausweiten und günstiger machen – mit neue Zellen. Was Elon Musk wirklich vorgestellt hat und was das für die E-Auto-Zukunft heißt – jetzt im Video von Alex Bloch.

Energie erzeugen will Musk vor allem mit Solarzellen, speichern will er sie in Batterien. Lässt Musk die bislang noch in Gigafactories bauen, sollen sie künftig aus Terafactories kommen. Tera ist das neue Giga. Dazwischen liegt bekanntlich der Faktor 1.000. Produziert Tesla aktuell im Bereich von 30 Gigawattstunden Batteriekapazität jährlich, sollen es perspektivisch drei Terawattstunden pro Jahr werden. Das wäre eine Steigerung um den Faktor 100. Das will Tesla nicht mehr nur zusammen mit Panasonic schaffen, sondern auch in Kooperation mit dem chinesischen Konzern CATL.

Tesla Battery Day: Musks Präsentation Slide für Slide

Tesla Battery Day 2020
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Mehr Batterien heißt: andere Batterien

Aber auch die Batterien selbst müssten sich ändern, damit sie mehr Energie speichern können. Im Vergleich zu den 18650-Standardzellen des Model S und den 2170-Zellen beim Model 3 setzt Tesla auf größere Rundzellen. Sie sind 80 Millimeter (Model S: 65, Model 3: 70) hoch und haben 46 Millimeter (Model S: 18, Model 3: 21) Durchmesser. Die neuen 4680-Module sollen fünf Mal mehr Energie speichern (klar, sie haben gut 5 Mal so viel Volumen). Bei vergleichbarer Größe der gesamten Batterie sollen sie aber auch 16 Prozent mehr Reichweite bringen. Kritisch könnte allerdings die Kühlung vor allem des Zellinneren bei immer größerem Durchmesser werden. Die geänderten Abmessungen sind aber wohl nicht die entscheidende Innovation.

Tesla Battery Day 2020
Tesla
Wichtigste Botschaft zu Beginn des Battery Day: Tesla will die Kosten pro kWh um mehr als die Hälfte reduzieren und in fünf Bereichen der Batterie- und Zellproduktion die Kosten drücken: dem Zelldesign, der Fertigung, der Anode, der Kathode und der Integration der Zellen in das Fahrzeug.

Maximilian Fichtner, Direktor am Helmholtz-Institut Ulm und Professor für Festkörperchemie, sagte dem "Spiegel": "Bisher stecken in Tesla-Batterien Rundzellen, die etwas größer sind als die Batterien einer klassischen Taschenlampe. Darin steckt eine aufgerollte Metallfolie mit einer Paste darauf, das ist das eigentliche Speichermaterial. Am Ende dieser Rolle befindet sich eine Lasche. Wenn ich die Batterie lade oder entlade, muss der Strom über die Lasche die gesamte Wicklung durchlaufen. Tesla hat es jetzt geschafft, diese Rolle quer zu verbinden und die Lasche überflüssig zu machen". Dadurch werde der Weg für den Strom deutlich kürzer und Tesla könne die Größe der Zelle auf die einer kleinen Bierdose erhöhen – was an sich ungünstig ist, weil dann beim Schnellladen die Wärme nicht aus der Zelle herauskönne. Der kürzere Weg für den Strom reduziere aber den Widerstand, wodurch kaum noch Wärme entstehe. Während das Format die Reichweite um 16 bis 18 Prozent erhöhen könne, könne ein solches System vor allem bis zu sechsmal schneller geladen werden. "Das ist ein Quantensprung", so Fichtner.

Tesla Battery Day 2020
Tesla
Das neue „Tabless“-Design der Zellen soll vor allem den Produktionsprozess deutlich beschleunigen.

Die Produktion dieser neuen Zellen hat Tesla nach eigenen Angaben bereits gestartet. Sind die Zellen größer, braucht man weniger pro Gesamtbatterie. Die Produktionskosten hängen aber auch direkt mit der Zellanzahl zusammen. Die größeren Zellen sollen so die Kosten pro Kilowattstunde um 14 Prozent senken. Weitere Einsparungen verspricht sich Musk von der Trockenbeschichtung der Batteriefolien, anstelle der bisherigen Nassverarbeitung. Das sei aber aktuell noch in Erprobung. Auch eine neu konzipierte Produktionslinie soll Einsparungen bringen.

Tesla Model S
Alternative Antriebe

Batteriematerialien ändern sich, kein Kobalt mehr

Tesla will offenbar auch an den Materialmix in den Zellen ran. An der Anode soll Grafit durch Silikon ersetzt werden. Das soll die Kosten auf 1,20 Dollar pro Kilowattstunde senken. Die Kathode soll künftig ganz ohne Kobalt auskommen und dafür mit mehr Nickel und mit anderen weiteren Metallen funktionieren. Im Zusammenhang damit will Tesla auch den Herstellungsprozess der Kathoden komplett neu denken und ein neues Kathodenwerk bauen. Zellchemiker sehen den hohen Nickelanteil kritisch: Einerseits erwies sich die Zyklenfestigkeit solcher Zellen als überschaubar, andererseits gelten sie als temperaturkritischer und brandgefährlicher.

Patent Tesla Projekt Roadrunner
Tesla
Schon vor Monaten hat sich Tesla neue Technologien für Batteriezellen patentieren lassen.

Mehr Batterien machen Nachhaltigkeit wichtiger

Aber offenbar nimmt auch Tesla die Nachhaltigkeit der Batterieproduktion immer ernster, vor allem wenn die Kapazität so stark wachsen soll. Darum habe man eine neue Methode der Lithiumgewinnung entwickelt, die ohne Säuren auskommt und somit keine der regelrechten Umweltbrachen hinterlassen soll, wie sie bislang kritisiert wurden. Außerdem will Tesla vor allem Metalle aus dem Recycling alter Batterien verwenden. Solche Kreislaufprozesse haben auch andere Autohersteller bereits auf dem Radar. Dabei spielen die Kosten ebenfalls ein große Rolle.

Mit den skizzierten Maßnahmen könnte Tesla theoretisch eine Halbierung der Kosten erreichen – allerdings mit einer zeitlichen Perspektive von drei Jahren. Angesichts der kontinuierlichen Degression der Kosten für die kWh Batteriekapazität in den letzten drei Jahren klingt das aber gar nicht so spektakulär. Offenbar kann selbst Tesla hier nur mit steigenden Optimierungen vorankommen. Ein Umstand, der viele Investoren enttäuschte: Die Tesla-Aktie gab im Zuge des Battery Days um mehr als sechs Prozent nach

Zellen als tragende Teile – E-Auto soll Verbrenner überholen

Eine auf den zweiten Blick sehr spannende Neuerung kündigte Musk aber doch noch an. Sie soll nicht nur eine weitere Kostenreduzierung bringen, sondern Batteriezellen quasi zu tragenden Teilen der Konstruktion eines Autos machen. Tesla hat für den Zellmantel eine Aluminiumlegierung entwickelt, die kalt verarbeitet werden kann und dadurch besonders stabil sein soll. Tesla-Modelle sollen daher offenbar künftig aus einem einzigen Vorder- und einem Hinterteil bestehen. Die Batterie verschmilzt quasi mit dem Fahrgestell und braucht deshalb wohl keine stabilisierenden Strukturen mehr. Dazu werden die Batterien zwischen die Karosserieteile geklebt, wodurch angeblich zudem mehr Zellen untergebracht werden können. Als Haupteffekt soll es aber die Bodengruppe besonders stabil machen, steifer als bei konventionellen Autos. Das mache die Fahrzeuge leichter und die Konstruktionen flexibler. Musk erwähnte sogar Cabrios ohne die sonst zwingend notwendigen zusätzlichen Versteifungsmaßnahmen.

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Den letzten Rest an Kosten-Reduktion soll eine neue Konstruktionsmethode bringen. Hierzu hat Tesla eine eigene Aluminiumlegierung entwickelt, die ohne Hitzeeinwirkung verarbeitet werden kann und dabei besonders stabil sein soll. In speziellen Maschinen will Tesla die Karosserie von Fahrzeuge künftig aus einem einzigen Vorder- und einem Hinterteil herstellen. Die Batterien in den Autos sollen dabei konstruktiver Teil des Chassis werden und können dadurch ohne stabilisierenden Strukturen auskommen, vergleichbar mit den in die Flügel integrierten Tanks eines Flugzeugs.

Von der neuen Architektur verspricht sich Tesla eine Kostenreduktion pro Kilowattstunde um 56 Prozent sowie rund 50 Prozent mehr Reichweite für vergleichbare Fahrzeugmodelle. Die zeitliche Perspektive sieht Musk auch hier bei etwa drei Jahren – die Umstellung benötige einiges an Zeit.

Tesla Battery Day 2020
Tesla
Das Silizium will Tesla künftig selbst gewinnen. Dafür hat sich das Unternehmen Flächen in Nevada gesichert. Zusätzlich hat der Hersteller eine neue Methode der Lithiumgewinnung entwickelt, die statt auf Säuren auf Kochsalz setzt und eher wie eine Saline funktioniert.

Langfristig glaubt Musk, dass ihm die Veränderungen erlauben ein Elektroauto billiger herzustellen, als Autos mit Verbrennungsmotor – bei gleichzeitig mehr Leistung und Reichweite. So stellt er ein Teslamodell für 25.000 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 21.338 Euro) in Aussicht. Ob das Modell wirklich in diesem Zeitrahmen kommt, ist derweil unklar – Musks oft spektakuläre Ankündigungen haben sich oft erfüllt, oft kamen sie dann aber auch mit einer deutlichen Verzögerung oder gar nicht. Sämtliche technischen Neuerungen für das 25.000-Dollar-Auto befinden sich noch in der Entwicklung oder haben noch nicht begonnen.

Lucid Air
E-Auto

Als einen greifbaren Erfolg kündigte Musk immerhin den Model S mit Plaid-Antrieb an: 323 km/h Höchstgeschwindigkeit, 837 Kilometer Reichweite und von null auf 100 km/h in 2,0 Sekunden. Bei der Beschleunigung neigt Musk allerdings zum Übertreiben – wir halten 2,4 bis 2,5 Sekunden für realistisch, was immer noch ein Fabelwert ist. Auf der Nordschleife soll der Model S Plaid alles versenken, was Räder hat – das hat auch Lucid mit seinem Air vor. Möglicherweise kündigt sich da ein Wettkampf an, der sämtliche auf der Nordschleife aufgestellten Verbrennungsmotor-Rekorde vergessen lässt.

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Fazit

Präsentationen von Elon Musk waren bislang oft auch optisch spektakulär, man denke nur an den Cyber-Truck. Beim Battery Day fehlen die Bilder. Trotzdem sind die Ankündigungen bedeutsam. Speziell die neue Konstruktionsweise für Tesla Modell mit integrierten Batterien dürfte die Konkurrenz aufhorchen lassen. Die neuen Zellen sollten es.

Professor Maximilian Fichtner sagt zu den Ankündigungen des Battery Day: "Elon Musk hat überall angesetzt, von der Bearbeitung der Rohstoffe bis zum fertigen Auto, um seine Autos besser und billiger zu machen. Tesla hat es offenbar geschafft, beide Stellschrauben in die richtige Richtung zu drehen." Selbst wenn der US-Hersteller nur einen Bruchteil der verkündeten Zuwächse erreiche, sei das noch weit über dem, was die Konkurrenz hierzulande plane, ist sich der Experte sicher.

Schwierig, wie immer bei Musk: Wie realistisch ist der gleichzeitig verkündete Zeitplan?

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