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Tesla Semi-Truck: 1000 km Reichweite und Megawatt-Laden

Tesla Semi-Truck 1000 km Reichweite und schnelles Megawatt-Laden

Tesla hat den Vorbestellern des Semi-Trucks neue Informationen zum Elektro-Lkw geschickt und verspricht mehr Reichweite sowie schnelleres Laden.

In einer Email an kündigt der E-Auto-Bauer noch vor dem Marktstart technische Verbesserungen an. Laut Hersteller sei es gelungen, die Reichweite, die Effizienz und die Zuverlässigkeit zu steigern. Die vorangekündigten Reichweiten von 300 und 500 Meilen (483 und 805 Kilometer) soll der Serien-Semi übertreffen. Mit besseren Batteriezellen sind angeblich bis zu 1.000 Kilometer Reichweite möglich.

Die Aufladung der Elektro-Lkw soll an Megachargern erfolgen. Dafür hat Tesla einen Ladestecker namens MCS Connector (MCS: Megawatt Charging Solution) entwickelt. Die Standards für Megawatt-Laden sind aktuell noch in der Entwicklung, weshalb Tesla dazu noch keine konkreten Daten veröffentlicht. Ein Megawatt entspricht 1000 Kilowatt, wobei die schnellsten E-Autos aktuell 270 kW aufnehmen können.

Einen konkreten Liefertermin für den Semi-Truck gibt es nach wie vor nicht – im Januar hatte Tesla-Chef Elon Musk verkündet, dass es an Batterien für das Fahrzeug fehle. Gerüchteweise soll die Produktion erster Modelle im Juni 2021 in der Nähe der Gigafactory 1 in Nevada starten, die Serienproduktion ist dann für die noch im Bau befindliche Gigafactory 5 in Austin im US-Bundesstaat Texas geplant.

Tesla Semi Autotransporter
Tesla
Ein Tesla Semi Truck bei einer Testfahrt als Autotransporter.

Semi-Truck-Dynamiktests in der Steilkurve

Die Abendsonne steht sehr tief über dem Testgelände, als der elektrische Tesla Semi Truck in die Steilkurve einbiegt. Tesla hat jetzt ein Video von einer kurzen Vorbeifahrt eines Semi-Truck-Prototyps auf Twitter veröffentlicht. Der weiße Sattelschlepper nähert sich mit eingeschalteten Schweinwerfern und der Lautstärkepegel schwillt kräftig an: Die Abroll -und Windgeräusche sind deutlich vernehmbar – gleich die erste Kommentatorin zeigt sich von der Lautstärke des Trucks überrascht. Während der Lkw direkt an der Kamera vorbeifährt, erklingt zudem ein hoher durchdringender Pfeifton.

Andere Kommentatoren machen sich Sorgen um die Reichweite des Batterie-Trucks und fragen Tesla-Chef Elon Musk, ob er denn jetzt jede Truck-Tankstelle mit Ladestationen ausrüsten möchte. Viele Twitter-Nutzer loben das moderne Design des Trucks, anderen gefällt es weniger – sie weisen darauf hin, dass klassische Trucker lieber durchgestylte Fahrzeuge mit viel Licht und poliertem Aluminium mögen.

Auslieferungstermin war nicht zu halten – wie erwartet

Im November 2017 rollte Elon Musk den Semi genannten Elektro-LKW erstmals ins Rampenlicht und kündigte die Produktion für 2019 an. Ein Termin, der nicht zu halten war. Kurzzeitig sah es dann so aus, dass 2020 zumindest eine Kleinserie an die ersten Vorbesteller ausgeliefert werden könnte. Aber auch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Inzwischen spricht Tesla offiziell vom Jahr 2021, ohne in Sachen Marktstart konkreter zu werden. Immerhin hat Elon Musk inzwischen Details zu den Problemen veröffentlicht, die hinter dem verzögerten Produktionsstart stecken. Neben dem Gewicht der Batterie ist es vor allem die noch nicht ausreichende Energiedichte der Akkus, die einer Auslieferung entgegenstehen. Mit den klassischen Tesla-Rundzellen an Bord sind die ursprünglich versprochenen 800 Kilometer laut Elon Musk zwar problemlos möglich. Allerdings würde der Semi dabei mindestens eine Tonne Nutzlast verlieren – ein echtes Killer-Argument in der Branche.

Neue Zellen bringen Reichweite

Tesla wird im Semi deshalb ausschließlich die auf dem Battery-Day 2020 vorgestellten neuen Zellen einsetzen. Sie sind 80 Millimeter (Model S: 65, Model 3: 70) hoch und haben einen Durchmesser von 46 Millimetern (Model S: 18, Model 3: 21). Die neuen 4680-Module sollen fünf Mal mehr Energie speichern (klar, sie haben gut fünf Mal so viel Volumen). Bei vergleichbarer Größe der gesamten Batterie sollen sie aber auch 16 Prozent mehr Reichweite bringen. Damit sei dann, laut Elon Musk, sogar eine Reichweite von 1.000 Kilometern (bei voller Zuladung) möglich. Und weil die neuen Zellen auch im Semi konstruktiv verbaut werden können, das heißt ohne schweren Tragboden, soll der Semi trotz der Riesen-Reichweite nicht schwerer zu sein als ein vergleichbarer Diesel-Sattelschlepper. Das Problem: Noch kann Tesla die neuen Zellen noch gar nicht in großen Stückzahlen produzieren. Musk selbst verwies wiederholt auf immense Produktionsrisiken, die im Zusammenhang mit den neuen Zellen zu lösen seien. Heißt: Ob 2021 tatsächlich die ersten Semi ausgeliefert werden, ist alles andere als sicher!

Gigafactory in Nevada macht nur Endmontage

Die Gigafactory 1 in Nevada bereitet sich dennoch bereits auf die Herstellung der Zugmaschinen vor – bisher produziert der Standort vorwiegend Batterien und Antriebsstränge. Weitere Gigafactorys werden andere Semi-Truck-Komponenten zuliefern. Bei voller Produktionsauslastung rollen laut Tesla-Chef Elon Musk pro Jahr 100.000 Lkw vom Band.

Tesla Semi Truck deadmau5
deadmau5 via Twitter
Der kanadische Musikproduzent deadmau5 möchte seine 2021er-Tour mit einem zum Musikstudio umgebauten Tesla Semi Truck machen.

Erste Kunden haben bestellt

Erste Kunden haben sich bereits für den neuen Tesla-Sattelschlepper entschieden. So kündigte der kanadische Musikproduzent deadmau5 per Twitter an, seine 2021er-Tour mit einem zum Musikstudio umgebauten Semi Truck von Tesla machen. Privat fährt deadmau5 seit 2015 Modelle des kalifornischen Elektroauto-Herstellers. Und der US-amerikanische Erfrischungs-Getränkehersteller PepsiCo möchte für seine Mais- und Kartoffelchip-Produktion der Marke Frito-Lay im kalifornischen Modesto 15 Diesel-Lkw gegen batteriebetriebene Tesla Semi Trucks tauschen. Hinzu kommen sechs kleinere Elektro-Lkw von Peterbilt. Modesto liegt im San Joaquin Valley, dessen Verwaltung die Umstellung der Frito-Lay-Lkw-Flotte mit 15,4 Millionen Dollar (aktuell umgerechnet zirka 13,89 Millionen Euro) unterstützt – das soll die Hälfte der bei der Umstellung anfallenden Kosten sein.

Schätzungen gehen davon aus, dass es bisher zirka 1.000 Sattelschlepper-Vorbestellungen gibt.

Was bisher zum Semi Truck bekannt ist

Der Semi-Truck sieht mit seiner windschlüpfigen Fahrerkabine extrem futuristisch aus. Tesla gibt einen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,36 an. Die US-Bezeichnung Semi-Truck kommt von "Semi-trailer truck" und bedeutet, dass diese Sorte Lkw "Semi-trailer", also Hänger ohne eigene Frontachse, sprich einen typischen Auflieger, auf seinem Sattel zieht. Konventionell zeigt sich das Kabinenangebot des Tesla Semi. Hier wird Tesla offensichtlich eine flache Kabine und eine Langstreckenvariante mit Hochdach und Schlafkabine anbieten. Die kann zudem mit verstellbaren Winddeflektoren ausgerüstet werden.

Tesla Semi Truck (2019)
Tesla
Für die versprochene Reichweite von 1.000 Kilometern müsste der Energieinhalt des Akkus bei rund 1.000 kWh liegen.

Der Tesla Semi soll in zwei Batterievarianten angeboten werden. Die Basisversion verspricht eine Reichweite von rund 480 Kilometern, die Top-Version soll mit den neuen Tesla-Batteriezellen über 1.000 Kilometer weit kommen. Alle Reichweitenangaben beziehen sich auf einen vollgeladenen 40-Tonnen-Zug, betont Tesla-Boss Elon Musk. Mit einem Supercharger soll der Akku in 30 Minuten so stark geladen sein, dass die Ladung 50 Prozent der Reichweite ermöglicht (400 Kilometer). Laut Tesla soll der Lkw bei voller Zuladung rund zwei kWh pro Meile (etwa 1,6 Kilometer) konsumieren, was umgerechnet einem Verbrauch von 125 kWh auf 100 km bedeuten würde. Für die versprochene Reichweite müsste der Energieinhalt des Akkus also bei rund 1.000 kWh liegen – rund zehn Mal so viel Kapazität wie beim größten Pkw-Akku von Tesla im Model S P100 D. Mit dem Strombedarf für eine einzige Akkuladung käme ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Deutschland rund drei Monate über die Runden. Allein vom Gewicht her dürfte der Speicher ein echtes Pfund werden: Geht man beim Model S von 750 Kilo für den Akku aus, käme der Truck mit seiner zehn Mal so großen Batterie auf 7,5 Tonnen Batteriemasse.

Auch bei der Ladeleistung fallen Superlative: Um wie versprochen 80 Prozent einer 1.000 kWh-Batterie zu laden, bedarf es 800 kWh. Diese in 30 Minuten abzurufen, wären ohne Ladeverluste 1.600 kW oder 1,6 Megawatt Leistung nötig – soviel wie elf der derzeit besten Supercharger von Tesla liefern, die maximal 145 kW zur Verfügung stellen. Daher macht bereits der Begriff Gigacharger die Runde, der auf Fabrikgeländen entstehen könnten, um die Lkw mit frischem Strom zu versorgen, während die Nutzlast im Auflieger gerade ein- bzw. ausgeladen wird.

Elektrischer Frachttransport und die Kostenfrage

Tesla kommuniziert bislang nur Preise für den US-Markt. Inzwischen sind auch für die Niederlande, Norwegen und Großbritannien die Orderbücher geöffnet worden. In den Niederlanden kostet der Semi ab 130.000 Euro in der Basisversion mit bis zu 475 Kilometern Reichweite, 150.000 Euro werden für die stärkere Version mit 800 Kilometer Reichweite veranschlagt. Die Reservierung kostet 17.000 Euro. Die Founders Series muss direkt bei Bestellung mit 170.000 Euro bezahlt werden.

In den USA geht es bei 150.000 Dollar für die Basisversion mit 300 Meilen Reichweite los, die 500-Meilen-Variante soll ab 180.000 Dollar kosten. Die Founders Series zum Marktstart ist mit 200.000 Dollar eingepreist. Als Anzahlung verlangt Tesla 20.000 Dollar für die Standardversionen, die Founders Series muss auch hier gleich komplett bezahlt werden. Analysten schätzen, dass allein eine solch riesige Batterie 100.000 Dollar teuer würde. Musk betonte aber, dass Diesel-Lkw im Betrieb pro Kilometer 20 Prozent teurer seien; mit dem Elektro-Truck könnten die Fuhrunternehmer so pro Jahr 200.000 Dollar sparen.

1.044 PS und 2.100 Nm Drehmoment

Der Sattelschlepper besitzt vier unanbhängige Elektromotoren an den beiden Hinterachsen. Hier kommen vermutlich die 261 PS und 525 Nm starken Motoren aus dem Model 3 zum Einsatz. Die Gesamtleistung würde so bei 1.044 PS und 2.100 Nm liegen. Zudem scheinen beide Achsen anders untersetzt zu sein. Die vordere Achse scheint für den unteren Geschwindigkeitsbereich verantwortlich zu sein, die zweite Achse übernimmt den High-Speed-Bereich. Musk behauptet, der Semi komme damit in fünf Sekunden auf 60 Meilen (96,6 km/h) – die Zugmaschine alleine. Der Sattelschlepper mit voller Beladung soll es in unter 20 Sekunden schaffen.

Außerdem verspricht Musk, dass der Lkw pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann. Selbst mit zwei ausgefallenen Motoren könne der Sattelschlepper immer noch einen Diesel-Lastwagen schlagen, erklärte Musk. Und die Bremsen würden quasi verschleißfrei arbeiten, da die Verzögerung größtenteils durch Rekuperation erfolge.

Tesla Semi Innenraum
Tesla

Auffällig: Der Fahrer soll in der Mitte der Kabine sitzen ("wie in einem Rennwagen"). Das erinnert an legendäre Sportwagen wie den McLaren F1. Allerdings hat die Fahrerkabine daneben keine weiteren Sitze. Damit spart sich Tesla auch verschiedene Versionen für den Links- oder Rechtsverkehr. Besonders stolz ist der Tesla-Boss auf die riesige Frontscheibe. Sie sei explosionssicher. "Sie übersteht sogar eine nukleare Explosion. Wenn nicht, bekommen Sie den vollen Kaufpreis zurück", scherzte Musk. Tatsächlich könnten US-Trucker auf ein solches Feature abfahren, denn in den USA dürfen Lkw mit beschädigter Windschutzscheibe nicht mehr bewegt werden. Gleichgültig, in welcher gottverlassenen Gegend dem Fahrer so was passiert sein mag – er muss abgeschleppt werden oder es muss eine Ersatzscheibe vor Ort gebracht und eingebaut werden.

Teilautonomes Fahren im Konvoi

Bislang testete Tesla den Semi-Truck bereits im US-Bundesstaat Nevada. Er soll auch das teilautonome Fahren im Konvoi ("Platooning") möglich machen. Bei der Präsentation versprach Musk, dass jeder Semi-Truck serienmäßig mit der neuesten Version des Tesla-Autopiloten ausgestattet wird, der Spurhalte- und Notbremsassisten beinhaltet. Außerdem sollen Sensoren die Antriebsmotoren so steuern, dass die Fuhre jederzeit stabil rollt und das gefürchtete Einknicken des Sattelschleppers zwischen Zugmaschine und Auflieger verhindert wird.

Jetzt bestellen, Produktionsstart im Juni 2021

Tesla Model Y (2020)
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Der Semi-Truck kann bereits reserviert werden. Die Produktion wird aber frühestens im Juni 2021 beginnen. Dennoch hat die Deutsche Post für seine Tochter DHL Chain Supply zehn Tesla-Lkw für den Einsatz auf dem US-Markt bestellt. DHL Supply Chain wird sie bei seinen Kunden in wichtigen US-amerikanischen Großstädten testen. Sie werden für den Shuttle-Betrieb und Kundenlieferungen am selben Tag eingesetzt und ihre Fahrleistung wird auf längeren Strecken zwischen großen Märkten und DHL-Betrieben im ganzen Land getestet. Größere Bestellungen sollen auch von der US-Brauerei Anheuser-Busch (40 Stück), dem US-Nahrungsmittelkonzern Sysco (50 Stück), der Supermarktkette Walmart (15 Stück) und dem kanadischen Einzelhändler Loblaws (25 Stück) vorliegen.

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Fazit

Jetzt wird es wohl eher 2022, bis die ersten Semi Trucks zu Kunden rollen. So richtig überraschend kommt das nicht. In der Branche geht es nicht um Visionen, sondern um Effizienz und Zuverlässigkeit. Jedes Kilo, das bei der Nutzlast fehlt, kostet richtig viel Geld. Das weiß man auch bei Tesla und setzt für die Riesenbatterie auf die neue Zellgeneration.

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