Am Einsatz liegt es garantiert nicht. Auf das Überraschungs-Motorenupdate von Barcelona ließ Audi in Spielberg eine stark erneuerte Aerodynamik folgen. Mattia Binottos Mannschaft investierte allen voran viel Zeit in den hinteren Bereich des R26, wo Verbesserungen des Unterbodens, der Aufhängung und des Heckflügels das ohnehin solide Chassis noch besser machen sollen. Auch wenn Audi gerne betont, langfristig zu denken, gibt man das Kurzfristige nicht auf.
"Beides muss sich keinesfalls ausschließen, es geht mehr um eine Balance", ordnete Teamchef Binotto den nur vermeintlichen Gegensatz ein. Die ADUO-Möglichkeiten lasse man trotz eines Fokus auf größere Schritte bis 2028 natürlich nicht ungenutzt. Besonders weil bereits seit Bahrain klar war, welche Fahrbarkeitsdefizite aus dem Motorbereich stammen. Das katalanische Upgrade mit Fokus auf den Turbo brachte eine anfängliche Besserung.
Ähnlich wie Ferrari bremste Audi übertriebene Erwartungen an den Prozess der Motornachbesserung. "Es sollte als erster Schritt in die richtige Richtung gesehen werden – und nicht als allumfassende Lösung. Wir wollen eine Performance-Lücke dadurch schließen, was in der Gesamtheit nur über einen mittel- bis längerfristigen Zeitraum gelingt."

Audi wird noch etwas länger den eigenen Ambitionen hinterjagen. Über den Verlauf des Aufholprozesses zeigen sich die Deutsch-Schweizer recht zufrieden.
Wichtigere zweite Update-Ebene
Audis Renndirektor Allan McNish ergänzte: "Wir wissen, wo wir stehen. Unsere allererste Power Unit zeigt sich ziemlich robust und die anfänglichen Kinderkrankheiten sind mittlerweile aussortiert. Änderungen wie in Barcelona fallen klein, aber wichtig aus." Für wann plant Audi die nächste ADUO-Raketenstufe? "Aller Voraussicht nach kommt der nächste echte Schritt erst im Jahr 2027."
Bezüglich des Alpen-Aero-Upgrades steht ein verlässliches Fazit noch aus. Zum einen hatte Spielberg schlicht nicht genug Kurven, um ausreichend verlässliche Daten zu liefern. Zum anderen geht es Audi zwar um effektive Zehntel-Gewinne, aber ebenso um eine essentielle Erkenntnis, wie Mattia Binotto ausführte. "Weil wir das Team hinsichtlich Methodik und Kompetenzen weiterentwickeln, wird es wichtig zu sehen sein, dass die Daten aus dem Windtunnel übereinstimmen."
"Mich würde es also sehr glücklich stimmen, wenn ein Sprung genau mit unseren Erwartungen übereinstimmt. Denn das würde bedeuten, dass alle weiteren Pläne darauf aufbauen können." Der Ersteindruck sollte positiv ausgefallen sein. "Anfängliche Datenanalysen zeigten, dass die Kurvengeschwindigkeiten gut waren und die Aerodynamik richtig arbeitete. Der Effekt des Pakets ist sichtbar." Beim nächsten Rennen in Silverstone (5.7.) liefert ein größerer Kurvenmix das nächste Datenset.

Während Bortoleto zwei Punkte aus Australien entführte, steht bei Hülkenberg eine uncharmante Null. Die Frohnatur lässt sich nicht verunsichern.
Noch chancenlos, aber dran
Aus sportlicher Sicht reiste Audi etwas enttäuscht von Spielberg nach Silverstone. Nicht etwa, weil die Leistung schlecht war, sondern weil das Duo Gabriel Bortoleto und Nico Hülkenberg auf den undankbaren Plätzen elf und zwölf landete. Für Bortoleto war es zum dritten Mal "Blech" nacheinander, was ihn sicher wurmte, jedoch nicht zur Verzweiflung trieb. "Wenn die Racing Bulls schneller als wir sind, reicht es nicht für Zähler. Außerdem hatte das Rennen kaum Chaos oder Ausfälle, von denen wir hätten profitieren können."
Ähnlich resümierte Nico Hülkenberg seinen Arbeitstag. "Wir haben versucht, durch den verlängerten ersten Stint einen Vorteil zu finden. Wegen des Verkehrs und der uns überrundenden Autos konnten wir es nicht nutzen. Vielleicht hätten wir das Gegenteil tun sollen. Aber das ist die Erkenntnis hinterher. Die Pace fiel wirklich gut aus, das war positiv. Wir sind auf dem Level unserer Mittelfeld-Konkurrenz und teils schneller."
Die Qualifikation zeigte sich, ähnlich wie beim Sieger George Russell, als ausschlaggebender Moment. "Wenn man weiter hinten startet, kann man den angesprochenen Pace-Vorteil nicht ausnutzen. Insgesamt können wir aus dem Wochenende viel mitnehmen", schloss Hülkenberg. Bortoleto lobte: "Das Team hat alles maximiert. Es geht nun darum, die Lücke zu schließen."
Endlich vorzeigbare Audi-Starts
"Es war bislang unser bestes Wochenende, wenn man die Trainings, das Qualifying und das Rennen zusammenfasst. Wir konnten das Maximum aus dem Auto ziehen. Aber unsere Performance reicht einfach nicht aus, um die Racing Bulls herauszufordern", bilanzierte auch McNish. "Wenn sie vor einem sind, kann man kaum etwas ausrichten. Deshalb verlief das Rennen ziemlich ereignisarm für uns. Aber Gabriel und Nico fuhren sehr gut."
Die Daten belegen, dass der deutsche Altstar und der brasilianische Youngster nahe beieinander liegen. Keiner aus dem Duo rutscht ab, wodurch die Gesamtdaten verwässert werden würden. Besonders happy ist der Schotte McNish darüber, dass sie gut vom Startfleck wegkamen. "Es war nicht unsere Stärke, aber wir haben hart daran gearbeitet. Natürlich können wir nur das verbessern, was in unserer Macht steht. Es hilft, wenn man direkt in die Action eingreifen kann."












