Noch ist es eine große Baustelle. Aber schon Mitte September sollen 22 Formel-1-Rennwagen auf einer neuen Rennstrecke rund um das Messegelände von Madrid düsen. Die Bauarbeiten befinden sich aktuell in der heißen Phase. Immerhin ist das 5,416 Kilometer lange Asphaltband schon nahezu fertig. Auch wenn die letzte Fahrbahnschicht noch fehlt, nutzte Carlos Sainz die Gelegenheit schon mal für ein paar erste Proberunden.
Der Williams-Pilot kommt gebürtig aus Madrid und ist auch in der spanischen Hauptstadt aufgewachsen. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf den ersten Grand Prix in der eigenen Heimat: "Das Gefühl ist schwer zu beschreiben", grinste der Lokalmatador. "Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung. Madrid ist eine tolle Stadt. Die Atmosphäre wird großartig sein."
Auch wenn noch Streckenmarkierungen und Randsteine fehlten und auch noch keine Tribünen aufgebaut waren, lieferte Sainz den Fans schon mal einen ersten Eindruck von der Streckenführung. Der Spanier war bei seiner Probefahrt aber noch nicht ganz im Formel-1-Tempo unterwegs. Ein Ford Mustang musste als erster Appetitanreger reichen.

Carlos Sainz raste in einem Ford Mustang über die Formel-1-Baustelle.
Zwei Tunnel unter der Autobahn
Auch wenn der Madrid Circuit als halber Stadtkurs rund um das Messegelände IFEMA führt, konnten sich die Designer beim Layout austoben. Es gibt viele längere Vollgaspassagen und auch einige schnelle Kurven. Die Ingenieure stehen beim Setup der Autos also vor der Aufgabe, einen guten Kompromiss zu finden. Die vielen harten Bremspunkte erleichtern den Piloten das Laden der Batterien.
Noch etwas trist wirkt das Umfeld der Strecke. Das liegt einerseits an den noch laufenden Bauarbeiten. Man darf gespannt sein, ob die Organisatoren auf dem Messegelände noch etwas Atmosphäre schaffen können. Ein Grand Prix mitten in der Innenstadt hätte hier sicher mehr geboten. Allerdings wäre man dort auch stark eingeschränkt gewesen, was den Platz angeht.
Rund um die Messehallen war noch viel freie Fläche zur Verfügung. Einzig eine Schnellstraße stand den Architekten im Weg. Auf der Onboard-Runde von Sainz erkennt man, dass die Formel-1-Autos zwei Mal durch einen Tunnel müssen, um auf die andere Seite der Autobahn zu kommen.

Zwei Mal geht es unter der Stadtautobahn von Madrid hindurch.
Spürbare Höhenunterschiede
Auf der 800 Meter langen Zielgeraden geht es los, vorbei an einem ewig langen Boxengebäude. Zwischen den Kurven 2 und 4 wartet direkt ein mehr als ein Kilometer langes Vollgasstück auf die Piloten. Eine extrem enge und langsame Schikane (T5/T6) bremst die Piloten wieder ein. Anschließend folgt die erste Unterführung, die in eine relativ steile Bergaufpassage übergeht. Es ist überraschend, wie groß die Höhenunterschiede auf dem ursprünglich eher flachen Land sind. Die Hügel sorgen für einige blinde Kurven.
Nach einer flüssigen Rechts-Links-Kombination geht es auf das Highlight der Strecke. Mit Kurve 12 wartet eine langgezogene Rechtskehre, die dank einer Überhöhung von 24 Grad viel Grip bietet. "La Monumental" nannten die Organisatoren diesen knapp 500 Meter langen Abschnitt, der an die Steilkurven von Zandvoort erinnert. Am Ausgang der Kurve müssen die Piloten auch noch über eine Kuppe.
Nach der längsten Kurve im Formel-1-Kalender geht es wieder zurück in Richtung Messehallen. Der anschließende Linksknick (T13) lädt zum Überholen ein. Bis zum Ziel gibt es dann noch ein paar fließende Kurven, die an Suzuka oder Silverstone erinnern. Für Fahrer wird es gleichzeitig anspruchsvoll und spaßig. Vor Kurve 18 geht es dabei noch einmal durch eine lange Unterführung unter der Autobahn hindurch.
Es fällt auf, wie breit das Asphaltband ist. Sainz verspricht Action: "Die breite Strecke wird helfen, dass wir besser überholen können. Das ist normalerweise bei Stadtkursen nicht der Fall." Das ganze Video der ersten Proberunde des Williams-Piloten gibt es auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Formel 1.












