In der Formel 1 geht nicht nur die Entwicklung an den Autos immer weiter voran, sondern auch bei der Berichterstattung. Seit der US-Konzern Liberty Media die Produktion der TV-Bilder von Bernie Ecclestone übernommen hat, wurden immer wieder neue Features eingeführt. Ein Hightech-Sport wie die Formel 1 verdient es schließlich, dass auch bei der Übertragung die neueste Technologie zum Einsatz kommt.
So ist mittlerweile vor jedem Cockpit eine 360-Grad-Kamera installiert. Eine neue Onboard-Kamera gibt seit dieser Saison mitten im runden LED-Licht in der Crashstruktur über dem Diffusor. Sie ist nach hinten gerichtet und zeigt den Verfolger in Großaufnahme. Für Begeisterung haben auch die winzigen Helmkameras gesorgt, die den Fans die Perspektive der Fahrer durch das Visier liefert.
Dazu kamen neue feste Kamera-Positionen am Streckenrand. Sie sind direkt in Banden oder im Asphalt installiert, um noch näher an den Autos dran zu sein. Immer mehr kommen auch sogenannte "Aerial Cams" zum Einsatz, die beweglich an Kabeln über der Boxengasse oder der Zielgerade befestigt sind, um das Geschehen aus der Vogelperspektive aufzunehmen.
Drohnen über der Formel-1-Strecke
Seit einiger Zeit gehören auch Drohnen zum Arsenal der hauseigenen Formel-1-Produktionsabteilung. Beim Spanien-Grand-Prix 2022 hatte die Königsklasse zum ersten Mal unbemannte Flugobjekte im Einsatz. Allerdings handelte es sich dabei noch um klassische Kameradrohnen, die an einer festgelegten Position am Streckenrand schwebten. Sie kommen auch heute noch zum Einsatz, um ungewohnte Perspektiven zu bieten.
Beim Ungarn-GP 2024 wurde dann die nächste Evolutionsstufe gezündet. Erstmals bewegten sich die Drohnen während der Aufnahmen mit den Autos mit. Allerdings handelte es sich hier auch noch um konventionelle Drohnen, die keine Chance hatten, mit dem Speed der Rennwagen mitzuhalten. Solche Fluggeräte kommen seit dieser Saison auch über der Boxengasse zum Einsatz.
Mit dem Grand Prix von Österreich hat die Technik noch einmal eine neue Stufe erreicht. Beim Alpen-Rennen kam zum ersten Mal eine Highspeed-Drohne zum Einsatz, die vom Look mehr an eine Rakete als einen Mini-Helikopter erinnert. Mit einem ähnlichen Fluggerät hatte Red Bull schon zwei Jahre zuvor ein spektakuläres Projekt gestartet. Dabei jagte eine Highspeed-Drohne Max Verstappen mit mehr als 300 km/h auf der Strecke in Silverstone hinterher.

Neben den Highspeed-Drohnen kommen natürlich auch weiterhin die klassischen Drohnen zum Einsatz, die über der Strecke schweben.
Sicherheit im Fokus
Nun wurde die Technik so weiterentwickelt, dass sie sogar im Rahmen eines Grand-Prix-Wochenendes eingesetzt werden konnte. Dafür musste 5G-Live-Übertragungstechnik in dem Carbon-Projektil untergebracht werden. In Spielberg verfolgte das fliegende Auge die Autos vom Ende der Schönberg-Geraden (T4) über die schnelle Passage zum Infield (T6). Vor allem die Schüsse in der Startrunde, als die Piloten noch nahe zusammenlagen, sorgten bei den Fans für Begeisterung.
Natürlich bedurfte der Einsatz einer längeren Vorbereitung. Erfahrene und speziell ausgebildete Drohnen-Piloten mussten die immer gleiche Wegstrecke verinnerlichen, damit im entscheidenden Moment das Timing passte. Der Flug am Rande der Highspeed-Passage war nur möglich, weil hier keine Tribünen aufgebaut sind. Aus Sicherheitsgründen ist es streng verboten, dass die Drohnen über Zuschauer hinwegfliegen.
Wenn die Autos unterwegs sind, darf auch die Strecke nicht von den schwebenden Begleitern überquert werden. Man stelle sich vor, eine Drohne stürzt ab und kollidiert mit einem Rennwagen. Die Bilder können somit nur von einer seitlichen Perspektive aufgenommen werden und nicht direkt über oder hinter den Autos. Längere Verfolgungsjagden aus der Luft sind aktuell also noch nicht denkbar.
Erfolgreicher Testlauf in Spielberg
Für die Einsätze muss stets eine Erlaubnis der lokalen Behörden eingeholt werden. Auf Strecken wie Spielberg, Bahrain, Miami oder Budapest haben die F1-Verantwortlichen die notwendigen Genehmigungen bereits bekommen. Das ist aber nicht überall der Fall. Bei rund der Hälfte der Grand-Prix-Rennen müssen die Fans auf die spektakulären Luftaufnahmen verzichten.
Auch bei der Stabilisierung der Aufnahmen gibt es noch Luft nach oben. Einige Fans erinnerte die Verfolgung der Autos in Spielberg eher an eine wilde Achterbahnfahrt. Der Platz für moderne TV-Technik ist in den kleinen Propeller-Raketen natürlich begrenzt.
Der Fortschritt in den letzten Jahren war allerdings beachtlich. Nach dem erfolgreichen Testlauf in Spielberg darf man sicher davon ausgehen, dass die FOM-Spezialisten im Entwicklungszentrum im britischen Biggin Hill die Technik weiter verfeinern werden, um den Speed der F1-Renner noch spektakulärer ins heimische Wohnzimmer zu transportieren.





