Als Ferrari beim Wintertest in Bahrain erstmals seinen Heckflügel im Straight-Mode um die eigene Achse rotieren ließ, trauten die Fans ihren Augen nicht. Statt einfach nur die Vorderlippe hochzuklappen, drehte sich der ganze Flap um 180 Grad nach oben. Der Zweck der Übung war klar: Im aktivierten Zustand sollte der Flügel noch weniger Luftwiderstand bieten als die konventionellen Lösungen der Konkurrenz.
Anfang der Saison zog auch Red Bull mit seiner eigenen Version nach. Nach Aussage von Teamchef Laurent Mekies handelte es sich dabei nicht um eine Kopie der Ferrari-Idee. Angeblich hätten seine Ingenieure schon seit vergangenem Herbst an einer eigenen Lösung gearbeitet, die allerdings etwas später fertig wurde als das Konkurrenzprodukt aus Maranello. Der Flap dreht sich hier in die entgegengesetzte Richtung, was ein Indiz für eine Eigenkonstruktion ist.
Leider scheint die Red-Bull-Version aber noch an ein paar Kinderkrankheiten zu leiden. Im Qualifying von Spielberg segelte Max Verstappen in der vorletzten Kurve von der Strecke. Damals erklärte Red Bull, dass sich der Flap nicht richtig geschlossen habe. Deshalb lag beim Einlenken in die Highspeed-Kurve nicht der Abtrieb an, den der Pilot erwartet hatte.

Max Verstappen flog zwei Mal innerhalb von acht Tagen ab. In beiden Fällen war der Heckflügel schuld.
FIA nimmt Kontakt zu den Ingenieuren auf
Nur eine Woche später in Silverstone folgte ein ähnlicher Zwischenfall. Bei knapp 300 km/h flog Verstappen in der Stowe-Kurve von der Strecke. Zum Glück konnte das weite Kiesbett einen Einschlag dieses Mal verhindern. Details zum exakten Auslöser wurden bislang nicht vollständig offengelegt. Verstappen vermutete nach dem Rennen aber stark, dass es sich wieder um ein Problem mit dem Heckflügel handelte.
Der Pilot machte seinem Frust nach dem zweiten Highspeed-Crash innerhalb von acht Tagen Luft: "Das ist super gefährlich, weil du dich wirklich verletzen kannst – zweimal!" Red Bull kündigte an, den Defekt genau zu untersuchen und für Spa auf Nummer sicher zu gehen. Teamchef Mekies wollte nicht ausschließen, dass der Flügel ganz abgebaut wird. "Wir lassen uns alle Möglichkeiten offen."
Die FIA will diese Bewertung aber nicht alleine dem Team überlassen. Bei Sicherheitsfragen hat der Weltverband eine Mitverantwortung. Nach Informationen von "The Race.com" wollen die Regelhüter deshalb eine eigene Untersuchung einleiten. Die FIA will in den Gesprächen mit den Ingenieuren vor allem verstehen, wie sich die Flügel verhalten und wie die Teams garantieren, dass sich ein solcher Ausfall nicht wiederholt.

Ferrari hatte noch keine Probleme mit seinem "Macarena-Flügel", muss nun aber auch die Sicherheit nachweisen.
Werden die Heckflügel verboten?
Bei der Funktionsweise des Heckflügels lässt das Reglement die Art des Klappmechanismus offen. Das System muss laut den offiziellen Vorgaben allerdings extrem schnell umschalten. Der Wechsel zwischen "Straight Mode" (offen) und "Corner Mode" (geschlossen) hat innerhalb von 400 Millisekunden zu erfolgen. Schon vor dem ersten Einsatz mussten die Teams ihre Lösungen von der FIA abnehmen lassen und den sicheren Betrieb nachweisen.
Die FIA-Experten könnten von Red Bull und Ferrari nun einen zusätzlichen Sicherheitsmechanismus einfordern, der ein vollständiges Zurückklappen des Flügels rechtzeitig vor der Kurve garantiert. Sollten die Teams eine sichere Funktionsweise nicht garantieren können, steht als letztes Mittel auch ein mögliches Verbot der Technik im Raum.
Während Red Bull bereits zwei prominent gewordene Zwischenfälle beklagen musste, soll Ferrari mit seiner Variante seit dem ersten Renneinsatz keine größeren Probleme verzeichnet haben. Die Italiener setzen den sogenannten "Macarena-Flügel" seit Miami durchgehend ein.
Auch McLaren hat bereits angekündigt, dass man an einer Kopie arbeitet. Schon in Spielberg sollte die eigene Version des Rotationsflügels erstmals im Training getestet werden. Doch dann musste man das Experiment wegen technischer Probleme abblasen. Auch in Silverstone blieb das Upgrade in der Kiste. Noch ist nicht klar, wann die McLaren-Version bereit ist für den ersten Praxiseinsatz. In Woking wird man sicher genau beobachten, mit welchen Problemen die Konkurrenz zu kämpfen hat.












