Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2022 Wilhelm
Mick Schumacher - Haas  - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 18. November 2022
Sebastian Vettel - Aston Martin  - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 18. November 2022
Sebastian Vettel - Aston Martin  - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 18. November 2022
Sebastian Vettel - Aston Martin  - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 18. November 2022 40 Bilder

GP Abu Dhabi - Analyse Training & Longrun-Zeiten

Trainingsanalyse GP Abu Dhabi 2022 Verstappen gibt das Tempo vor

GP Abu Dhabi 2022

Der Weltmeister lässt keinen Zweifel offen, dass er den letzten Grand Prix des Jahres gewinnen will. Auch wenn die drei Zehntel Vorsprung etwas zu hoch ausfielen, ist Max Verstappen der große Favorit für das Saisonfinale.

Red Bull hat zwar beide WM-Titel schon in der Tasche, will aber beim Finale noch einmal zuschlagen. Dafür hat man sich klare Ziele gesetzt. Der 15. GP-Sieg für Max Verstappen und Platz zwei für Sergio Perez in der Fahrer-WM. Das eine Ziel könnte das andere beißen, wenn sich Charles Leclerc zwischen die beiden Red Bull schmuggelt. Im Moment sieht es aber eher nach einem Red-Bull-Doppelsieg aus, auch wenn Perez in der schnellsten Runde nur Fünfter war.

In den Longruns fuhr der Mexikaner auf Augenhöhe mit Verstappen. Der Holländer zerstörte die Konkurrenz mit einer Runde, die 0,341 Sekunden unter dem schnellsten Verfolger lag. Allerdings wurde George Russells beste Runde durch Verkehr in der letzten Kurve gebremst. Und Verstappen genehmigte sich eine zweite Garnitur Soft, was ihm zwei Zentel extra brachte. Mercedes räumt jedoch ein, dass man die Motorleistung etwas mehr aufgedreht hatte als Red Bull und somit der Rückstand von drei Zehntel repräsentativ sei.

Ferrari fühlte sich auf dem Medium-Reifen wohler als auf der weichsten Mischung, deren Gripvorteil nicht in dem Maß in Rundenzeit umsetzen konnte wie die Konkurrenz. Charles Leclerc fehlten im Longrun im Schnitt zwei Zehntel auf die Red Bull. Erstaunlicherweise war die Reifenabnutzung besser als bei Mercedes. Normalerweise ist es umgekehrt.

Im Mittelfeld liegen Alpine, McLaren, Alfa-Sauber und Aston Martin ziemlich gleichauf. Das Delta fällt mit drei Zehntel relativ klein aus. In den Dauerläufen machte Aston Martin wie üblich eine gute Figur, vor allem mit dem Soft-Reifen, der aber von den meisten Teams als unbrauchbar für das Rennen bezeichnet wird.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2022
Motorsport Images
Weltmeister Verstappen ist auf dem Weg zum 15. Saisonsieg.

1) Wer kann Verstappen stoppen?

Nach der Niederlage in Brasilien mit all seinen negativen Nebengeräuschen will Max Verstappen seine Antwort auf der Strecke geben. Der Weltmeister dominierte die Abendsitzung und lag am Ende mit einem Vorsprung von 0,341 Sekunden an der Spitze. Er investierte dafür allerdings auch zwei Satz Soft-Reifen. "Das können wir uns leisten", erklärte Sportchef Helmut Marko. "Das dritte Training findet wieder bei Hitze statt und ist daher irrelevant. Da sparen wird uns einen Satz.

Red Bull gab auch auf dem Longrun mit Medium-Reifen den Ton an. Allerdings nicht ganz so extrem wie auf eine Runde. Und Sergio Perez lag da deutlich näher an seinem Teamkapitän als bei seiner Bestzeit, bei der ihm sieben Zehntel fehlten.

Verstappen und Perez waren mit unterschiedlichen Abstimmungen unterwegs. Der Heckflügel des Holländers war ein Modell für weniger Abtrieb. Die Topspeeds zeigten es. Auf der ersten Gerade nahm Verstappen dem Teamkollegen fünf km/h ab, auf der zweiten waren es 3,5 km/h. Trotz mehr Anpressdruck verlor Perez im kurvenreichen dritten Sektor zwei Zehntel auf den anderen Red Bull.

Laut Marko haben die Ingenieure die Probleme von Brasilien verstanden. "Der Fehler begann schon im Simulator. Dann gab es wegen des Sprintformats nur ein Training. Danach war das Setup festgeschrieben, und wir kamen aus der Falle nicht mehr raus. Hätten wir wie normal drei Trainingssitzungen gehabt, hätten wir das auch korrigieren können."

Charles Leclerc - Ferrari - GP Abu Dhabi 2022
Wilhelm
Ferrari war am ersten Trainingstag von Abu Dhabi die dritte Kraft im Feld.

2) Feiert Ferrari ein Comeback?

Auf dem Papier sollte Ferrari stärker sein als zuletzt in Mexiko und Brasilien. Auf Meereshöhe kann der Ferrari V6-Turbo wieder besser arbeiten als in der Höhe. Charles Leclerc und Carlos Sainz können wieder volle Power fahren. Der glatte Asphalt lässt Ferrari mehr Spielraum, sein Auto abzustimmen. Doch der Funkspruch von Renningenieur Riccardo Adami an Charles Leclerc lässt eher das Gegenteil vermuten. Mitten im Longrun auf Medium-Reifen meldete sich Adami: "Unser Speed ist nicht großartig."

Im direkten Vergleich mit Red Bull und Mercedes sahen Leclercs Longrun-Zeiten tatsächlich armselig aus, doch der dreifache Saisonsieger war mit seiner Rennsimulation zehn Minuten früher dran, was einen großen Einfluss auf die Rundenzeiten hat. Bei einfallender Nacht kühlt die Strecke immer stärker aus. "Wir sehen auf eine Runde stärker aus. Unser Mitbewerber ist uns aber auch da einen Schritt voraus", klagte Leclerc. Gemeint ist Red Bull.

George Russell - Mercedes - GP Abu Dhabi 2022
Wilhelm
Das Bouncing ist zurück: Die Mercedes hoppelten auf den Geraden.

3) Ist Mercedes wie in Brasilien ein Siegkandidat?

Auf dem Papier ist Abu Dhabi eine deutlich schwierigere Strecke für Mercedes als Interlagos. Das verwundert, weil der Belag relativ eben ist und Mercedes deshalb eigentlich mit der gewünscht niedrigen Bodenfreiheit fahren könnte. Geht aber nicht. Das Bouncing hat die Silberpfeile wieder eingeholt. Und nicht nur die. Auch andere Teams hatten mit dem Schaukeln Probleme. "Wir müssen erst untersuchen, warum das so ist", rätselten die Ingenieure.

Die große Varianz zwischen den einzelnen Kurventypen zwingt Mercedes mal wieder zu einem Kompromiss-Setup. Um sich alle Optionen offenzuhalten schickte das Team seine Fahrer mit unterschiedlichen Abstimmungen auf die Strecke. Lewis Hamilton fuhr mit weniger Flügel als George Russell. Er gewann dabei im Vergleich zum Teamkollegen ein Zehntel auf den Geraden, verlor aber deutlich mehr in den Kurven. Der Ex-Champion klagte über zu starkes Übersteuern.

Die Konsequenz ist, dass Red Bull nicht nur wie gehabt seine Zeit auf den Geraden gewinnt, sondern auch in den langsamen Kurven. Nur in der ersten Passage mit ihren Highspeed-Kurven gaben Lewis Hamilton und George Russell das Tempo vor. Dafür verloren sie im zweiten Sektor mit den beiden langen Geraden zwei Zehntel. Und im Schlussabschnitt noch einmal 0,1 Sekunden.

Im Vergleich der schnellsten Runde zwischen Verstappen und Russell spielen drei Faktoren eine Rolle. Verstappen verwendete zwei Satz Softs, fuhr aber mit vergleichsweise gedrosselter Motorleistung. Russell wurde in der letzten Kurve behindert. Mercedes gab wie Red Bull dem Medium-Reifen den Vorzug. "Der Soft ist zu soft für das Rennen", fürchten die Ingenieure. Red Bull will Pirellis C5-Mischung noch nicht ganz abschreiben. "Wenn in der zweiten Rennhälfte die Temperaturen runtergehen, könnten die Soft-Reifen eine Option sein."

Dass Mercedes von der optimalen Lösung noch entfernt ist, zeigen die Rennsimulationen. Ausnsahmsweise war der Abbau der Reifen beim Brasilien-Sieger größer als bei Red Bull und Ferrari. Chefingenieur Andrew Shovlin gibt zu: "Das ist im Moment unsere größte Sorge. Wir werden über Nacht daran arbeiten müssen."

Fernando Alonso - Alpine - GP Abu Dhabi 2022
xpb
Alpine hielt am Freitag beide McLaren hinter sich.

4) Wer hat die Nase vorn: McLaren oder Alpine?

Von der Rundenzeit her Alpine. Esteban Ocon und Fernando Alonso etablierten sich im Abstand von fünf Tausendstel auf den Plätzen 7 und 8 und führen damit wie so oft das Mittelfeld an. Daniel Ricciardo und Lando Norris fehlen drei Zehntel auf die blauen Autos. "Und auf Bottas und Vettel müssen wir auch noch aufpassen", klagt Teamchef Andreas Seidl. Das macht die Aufgabe, 19 Punkte aufzuholen, nicht einfacher.

Auf der positiven Seite hat Daniel Ricciardo gut in das Wochenende gefunden. Bis jetzt war es immer so: Wenn der Australier schon am ersten Trainingstag Vertrauen in sein Auto fand, hatte er auch ein gutes Rennen. Lando Norris baute in seiner ersten Runde auf Soft-Reifen in Kurve 9 einen Fehler ein und musste danach noch einmal neu einsetzen. Da liegt also noch ein bisschen Rundenzeit drin.

Alpine startete wie üblich ohne große Probleme in das Wochenende. Das Untersteuern aus der ersten Sitzung war in der zweiten nicht mehr da. Beide Fahrer waren praktisch gleich schnell, was immer ein Zeichen dafür ist, dass sie das Limit des Autos gefunden haben. Alpine atmet auf, dass McLaren nicht schneller ist und die drei Topteams im Moment noch in ihrer eigenen Liga fahren. "Damit wären die ersten sechs Plätze besetzt. Dann ist es schon unmöglich, 19 Punkte aufzuholen", rechnen sie bei Alpine vor.

Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Abu Dhabi 2022
Wilhelm
Experimente und ein gutes Gefühl: Für Vettel ist es das letzte F1-Wochenende nach 15 Jahren.

5) Was darf man von Vettel und Schumacher erwarten?

Für Sebastian Vettel und Mick Schumacher ist der GP Abu Dhabi das vorerst letzte Formel-1-Rennen ihrer Karriere. Am ersten Trainingstag sah es noch durchwachsen aus. Vettel hatte als Zwölfter immerhin Kontakt zu den Top Ten. Auf den 10. Platz von Valtteri Bottas fehlte nur ein Zehntel. Die Haas-Piloten tun sich schwerer. Mick Schumacher und Kevin Magnussen landeten nur auf den Plätzen 17 und 18.

Sebastian Vettel war mit dem ersten Trainingstag seines vorerst letzten Grand Prix zufrieden: "Wir haben gelernt, was wir lernen wollten. Das Auto fühlt sich gut an. Ich hätte noch ein bisschen schneller fahren können. Das hätte mich auf das Niveau der Sauber gebracht, die ein Zehntel schneller waren als wir."

Für das Rennen erwartet Vettel wie üblich eine Steigerung. Gegner könnten wieder die Autos aus Hinwil werden. "Die sind nach dem Upgrade schwer einzuschätzen", meinte Vettel, der sich für das Finale seiner Karriere noch einmal WM-Punkte wünscht.

Mick Schumacher platzierte sich einen Platz vor Kevin Magnussen. Beide Haas waren aber zu langsam und verloren auf das Mittelfeld eine halbe Sekunde. Bouncing bremste die US-Ferrari. Magnussen verlor Zeit wegen eines beschädigten Unterboden. "Wir sind definitiv noch zu langsam", gibt der Däne zu. Es ist ein schwacher Trost, dass es Alpha Tauri, dem Gegner im Kampf um Platz nicht besser geht.

Valtteri Bottas - Alfa Romeo  - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 18. November 2022
Alfa Romeo
Die Reifenabnutzung ist höher als in den vergangenen Jahren.

6) Wie sieht das perfekte Abu Dhabi-Setup aus?

Abu Dhabi verlangt seit seinem Umbau im vorletzten Jahr etwas weniger Flügel als die Strecke in Brasilien. Bei Aston Martin war man sich noch nicht sicher, ob die Flügelanstellung um ein oder zwei Stufen fallen soll. Seit dem Mercedes-Sieg in Interlagos traut man der eigenen Simulation nicht mehr so ganz. Mercedes hat in Brasilien mehr Abtrieb gewählt als die meisten anderen Teams und einen Sieg gefeiert. In Abu Dhabi war die Lage nicht ganz so klar. Red Bull und Mercedes probierten am Freitag unterschiedliche Flügelanstellungen aus.

Pirellis Entscheidung für die drei weichsten Mischungen zeigt eigentlich, dass der Yas Marina Circuit für die Reifen eine eher einfache Prüfung ist. Doch dann die Böse Überraschung. Die Reifenabnutzung war durch das komplette Feld höher als im vergangenen Jahr und definitiv kritischer als erwartet. "Im Moment rechnen wir eher mit einem Zweistopp-Rennen als einem Stopp", verrät Alpine-Sportdirektor Alan Permane.

Der Soft-Reifen wird nach Permanes Aussage nur in einem Szenario zum Einsatz kommen: "Wenn es in Runde 45 ein Safety Car gibt. Sonst ist der Soft-Reifen für das Rennen zu weich."

Longruns GP Abu Dhabi 2022

Fahrer ⌀ Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Russell 1.30,348 min 7 soft 2
Sainz 1.30,613 min 4 soft 1
Bottas 1.30,847 min 3 soft 1
Stroll 1.31,092 min 10 soft 1
Alonso 1.31,348 min 8 soft 1
Gasly 1.31,401min 8 soft 1
Norris 1.31,614 min 8 soft 1
Latifi 1.32,905 min 7 soft 1
         
Verstappen 1.30,477 min 10 medium 1
Russell 1.30,506 min 7 medium 1
Hamilton 1.30,695 min 8 medium 1
Perez 1.30,713 min 11 medium 1
Sainz 1.31,024 min 10 medium 2
Alonso 1.31,348 min 4 medium 2
Leclerc 1.31,444 min 15 medium 1
Gasly 1.31,595 min 6 medium 2
Ocon 1.31,764 min 15 medium 1
Vettel 1.32,051 min 11 medium 1
Latifi 1.32,301 min 9 medium 2
Zhou 1.32,763 min 14 Mmedium 1
Schumacher 1.32,857 min 12 medium 1
         
Norris 1.31,398 min 5 hart 2
Tsunoda 1.31,827 min 15 hart 1
Albon 1.32,152 min 15 hart 1
Magnussen 1.33,038 min 12 hart 1
Fahrer ⌀ Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Russell 1.30,348 min 7 soft 2
Sainz 1.30,613 min 4 soft 1
Bottas 1.30,847 min 3 soft 1
Stroll 1.31,092 min 10 soft 1
Alonso 1.31,348 min 8 soft 1
Gasly 1.31,401min 8 soft 1
Norris 1.31,614 min 8 soft 1
Latifi 1.32,905 min 7 soft 1
         
Verstappen 1.30,477 min 10 medium 1
Russell 1.30,506 min 7 medium 1
Hamilton 1.30,695 min 8 medium 1
Perez 1.30,713 min 11 medium 1
Sainz 1.31,024 min 10 medium 2
Alonso 1.31,348 min 4 medium 2
Leclerc 1.31,444 min 15 medium 1
Gasly 1.31,595 min 6 medium 2
Ocon 1.31,764 min 15 medium 1
Vettel 1.32,051 min 11 medium 1
Latifi 1.32,301 min 9 medium 2
Zhou 1.32,763 min 14 Mmedium 1
Schumacher 1.32,857 min 12 medium 1
         
Norris 1.31,398 min 5 hart 2
Tsunoda 1.31,827 min 15 hart 1
Albon 1.32,152 min 15 hart 1
Magnussen 1.33,038 min 12 hart 1
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