Charles Leclerc - GP Aserbaidschan 2022 Motorsport Images
Sergio Perez - Red Bull - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
Sergio Perez - Red Bull - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
George Russell - Mercedes - GP Aserbaidschan 2022 - Baku 21 Bilder

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Taktikcheck GP Aserbaidschan 2022

Taktikcheck GP Aserbaidschan 2022 Um Super-Finale betrogen

GP Aserbaidschan 2022

Das Rennen in Baku wurde um ein großes Finale betrogen. Mit der Frage, ob Charles Leclerc seine Führung gegen Max Verstappen hätte verteidigen können, verbindet sich auch die Frage, ob es richtig war während der VSC-Phase zu stoppen. Der Taktik-Check liefert die Antworten.

VSC-Phasen sind Geschenke für Fahrer, deren Boxenstopp-Timing idealerweise in einen solchen Rennabschnitt mit reduziertem Renntempo fällt. In Baku kostete ein Reifenwechsel unter VSC zehn Sekunden weniger Zeit in Relation zu vollem Renntempo.

Natürlich nur wenn man nicht gleichzeitig den Boxenstopp versemmelt wie Ferrari mit Charles Leclerc und Red Bull mit Sergio Perez. Der eine stand 5,4, der andere 5,7 Sekunden. In einem Fall hing das bereits abgefertigte Auto auf den Wagenhebern fest, im anderen funktionierte ein Schlagschrauber nicht.

Als Carlos Sainz seinen Ferrari in der neunten Runde mit einem Hydraulikschaden in einer Auslaufzone parkte, da nahmen gleich zehn Fahrer das Präsent dankend an. Sie waren allesamt auf Medium-Reifen losgefahren.

Neun Runden war zwar ein bisschen früh, doch immer noch verlockend genug, die Einladung anzunehmen. "Wenn du weißt, dass der harte Reifen eine Renndistanz übersteht, machst du es", erzählten die Mercedes-Strategen, die mit George Russell und Lewis Hamilton gleich beide Autos abfertigten.

Ferrari - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
xpb
Der Ausfall von Carlos Sainz sorgte für eine frühe VSC-Phase.

Verstappen machte das Gegenteil von Leclerc

Auch Ferrari versuchte die VSC-Phase zu seinen Gunsten zu nutzen. "Es war knapp, aber unsere Strategen haben richtig reagiert und Charles reingeholt", lobte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto seine Truppe, die sich in Monte Carlo noch so viele Ohrfeigen abholen musste.

Red Bull hätte mit Sergio Perez gerne das gleiche gemacht, doch bis den Mexikaner die Nachricht erreichte, war es schon zu spät. Manchmal wäre es besser seine Funksprüche weniger zu codieren. Der Gegner hätte sowieso gesehen, was Perez vorhat.

Max Verstappen wurde angewiesen das Gegenteil von Leclerc zu machen. Aus seiner Sicht verständlich, nachdem er trotz DRS und weniger Reifenabnutzung auf den Medium-Gummis nicht am Ferrari vorbeigekommen ist.

So wechselte Leclerc nach neun Runden auf harte Reifen und Verstappen erst nach 18. Red Bull ist überzeugt, dass das Reifendelta ausgereicht hätte, Leclerc vor der Zielflagge noch abzufangen. Ferrari zweifelt. Der Ferrari harmonierte mit Pirellis C3-Mischung besser als mit der Medium-Version.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
Wilhelm
Nach der ersten Runde der Boxenstopps übernahm Charles Leclerc die Führung.

Alonso wie Verstappen

Auch wenn die Autos nicht vergleichbar sind, kann man das Szenario mit Pierre Gasly und Fernando Alonso nachspielen. Gasly nutzte wie Leclerc die erste VSC-Phase zum Boxenstopp. Alonso wartete wie Verstappen bis Runde 18. Danach hatte der Alpha-Tauri-Pilot 17,9 Sekunden Vorsprung auf den Alpine. Im Ziel waren es 11,3 Sekunden. Alonso hat also dank der frischeren Reifen 6,6 Sekunden gutgemacht. Für Verstappen hätte das nicht gereicht, denn Leclerc hatte in der 19. Runde noch ein Polster von 12,9 Sekunden auf seinen WM-Gegner.

Andererseits war der Red Bull auf den Medium-Reifen das schnellere Auto. Und Verstappen hätte im Finale dank der frischeren Reifen in Kurve 16 dichter am Ferrari dranbleiben und dann mit seinem Top-Speed-Vorteil vorbeiziehen können.

Ferrari war der Meinung, dass sich der Rennspeed auf den harten Reifen egalisiert hätte. Dem spricht entgegen, dass Perez auf seinen frischen harten Reifen schneller losgelegt hat als Leclerc. Doch der Ferrari-Pilot fuhr da schon mit Blickrichtung Reifenmanagement. Er wusste, dass Verstappen den längeren Atem haben würde.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
Motorsport Images
Der Ausfall von Leclerc brachte die Fans um ein spannendes Finale.

Hätte Leclerc die zweite VSC-Phase benutzt?

Natürlich tendieren die Beteiligten zu der Einschätzung, dass es für ihren Mann gerade so gereicht hätte. Versuchen wir es deshalb mit einem neutralen Urteil. Der Mercedes-Kommandostand hat hochgerechnet, dass Verstappen im Finale Leclerc geradeso geschlagen hätte.

Doch bei jedem Safety-Car hätte Leclerc gewonnen. Da es in Runde 32 eine weitere VSC-Phase gab, ist das Rechenexempel noch schwieriger. Bei einem angenommenen Nachteil von drei Zehntel pro Runde auf Verstappen hätte Leclerc in dem Moment immer noch neun Sekunden Luft gehabt.

Verstappen hatte zu dem Zeitpunkt einen Vorsprung von 10,0 Sekunden auf Perez und 28,5 Sekunden auf George Russell. Der Weltmeister hätte sich also locker dank VSC einen Boxenstopp ohne Platzverlust leisten können.

Für Leclerc wäre es schon schwieriger geworden. Wenn er die zweite VSC-Phase in einen Reifenwechsel investiert, hätte er die Führung riskiert und für die Restdistanz von 18 Runden einen Satz Medium nehmen müssen. Er hatte noch einen frischen in der Hinterhand.

Verstappen wäre dann vermutlich auf der Strecke geblieben und hätte mit rund sechs Sekunden Vorsprung die Führung übernommen. Jetzt wäre sein Reifennachteil nicht nur die um eine Stufe härtere Mischung gewesen, sondern auch eine Laufleistung von 15 Runden.

So oder so: Es wäre ein irrer Schlagabtausch in den letzten Runden geworden. Perez hätte keine Rolle gespielt. Er war zu langsam. Sein Auto fraß die Hinterreifen. Teamchef Christian Horner meinte, der Mexikaner hätte sein Setup ein bisschen zu stark Richtung eine Runde im Qualifying ausgerichtet.

Ocon - Hamilton - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
Wilhelm
Hamilton kam zwei Mal an die Box und musste seine Zweikampfstärke zeigen.

Kalkuliertes Risiko für Hamilton

Die zweite VSC-Phase war für sieben Fahrer der Befehl zum Boxenstopp. Max Verstappen, Sergio Perez und George Russell nahmen den Reifenwechsel ohne Opfer war. Sie blieben in ihren Positionen festgemauert.

Lewis Hamilton wusste, dass er einen Platz an Yuki Tsunoda verlieren würde. Für Daniel Ricciardo, Esteban Ocon und Valtteri Bottas war es die ideale Fügung des Schicksals. Sie waren auf harten Reifen gestartet und konnten sie nun zur perfekten Zeit gegen die Medium-Gummis tauschen.

Hamiltons Boxenstopp war kalkuliertes Risiko. "Wir wussten, dass Alpha Tauri nur noch gebrauchte Soft-Reifen in der Hinterhand hatte und deshalb nicht an die Boxen kommen würden. Wir haben gesehen, wie viel schneller Albon auf frischen Reifen geworden ist. Wir wussten auch, dass Lewis auf den frischen Reifen eine Sekunde pro Runde schneller sein würde als die Alpha Tauri. Das Delta reichte zum Überholen", erklärten die Strategen.

Hamilton hatte Tsunoda nach dem Boxenstopp direkt vor der Nase. Es dauerte nur drei Runden, dann war er wieder vorbei. Danach waren immer noch 15 Runden zu fahren um 9,3 Sekunden Rückstand auf Gasly wettzumachen. Nach acht Runden war der Job erledigt. Was wieder einmal zeigt: Motorsport ist ein Schachspiel mit vielen Variablen. Wer nicht alle 20 Fahrer im Blick hat, wird irgendwann die falsche Entscheidung treffen.

Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Aserbaidschan 2022 - Baku - Rennen
Wilhelm
Durch seinen Verbremser verlor Sebastian Vettel einen möglichen fünften Platz.

Ricciardo-Schachzug zahlt sich aus

Mercedes hatte kurz überlegt Hamilton auf den harten Reifen starten zu lassen, auch weil beide Autos mit unterschiedlichen Boden-Spezifikationen und Setups unterwegs waren. Trotzdem ließ man davon ab. "Das Risiko beim Start Plätze zu verlieren war zu groß. Und die Chance durch welche Strategie auch immer Positionen zu gewinnen zu gering."

Für Daniel Ricciardo hat es sich trotzdem ausgezahlt. Er konnte Lando Norris trotz der härteren Reifen bis zum Boxenstopp folgen und dann genug Tempo machen, während der Teamkollege im Verkehr feststeckte. Mit dem VSC-Bonus zusammen kam Ricciardo vor Norris wieder auf die Strecke und war dann dank der Medium-Reifen auch noch schneller. Zum Teamplay gegen Fernando Alonso kam es nicht mehr.

Alonso hatte schnell gemerkt, dass es sinnlos war Sebastian Vettel zu folgen. Der Aston Martin war zwei Zehntel pro Runde schneller. Damit richtete sich Alonsos Blick nach hinten. Er schonte seine Reifen so effizient, dass er im Finale die McLaren trotz älterer Reifen auf Distanz halten konnte. Als McLaren die Aussichtslosigkeit einsah, bliesen sie die Stallregie wieder ab.

Sebastian Vettel trauerte seinem missglückten Angriff auf Ocon nach. "Der Ausrutscher in den Notausgang hat mich sieben Sekunden gekostet. Später habe ich hinter Ocon noch einmal Zeit verloren. Ich hätte Gasly vom fünften Platz stoßen können, weil ich noch bessere Reifen hatte."

Einziger Unsicherheitsfaktor: "Die Alpha Tauri waren sauschnell auf den Geraden." Trotzdem durfte Vettel zufrieden Bilanz ziehen. Sein Aston Martin war auf Top-Speed getrimmt, und er hielt trotzdem die Reifen besser in Schuss als die Alpine, Alpha Tauri und McLaren.

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