Hamilton vs. Verstappen - GP Niederlande 2022 Motorsport Images
Start - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
George Russell - Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
Charles Leclerc - Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022 21 Bilder
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Taktik-Check GP Niederlande 2022

Taktik-Check GP Niederlande 2022 Hatte Mercedes eine Siegchance?

GP Niederlande 2022

Mercedes hat mit einer Einstopp-Strategie alles auf eine Karte gesetzt. Als Safety-Car-Phasen den Plan durchkreuzten, setzte Mercedes seine Risikostrategie fort und splittete die Taktik. Wäre ein Doppelstopp am Ende besser gewesen?

Es war die Story des Rennens von Zandvoort. Zwei Mercedes gegen einen Max Verstappen. Ferrari spielte keine Rolle. Auch Mercedes hätte mit der gleichen Taktik keine Chance gegen den Red Bull mit der Startnummer 1 gehabt. "Vom reinen Rennspeed her war uns Verstappen zwei Zehntel voraus."

Damit war klar: Nur eine alternative Strategie konnte zum Ziel führen. "Das haben wir mit den Fahrern am Morgen so abgemacht", verrät Teamchef Toto Wolff. "Wir waren bereit einen Podestplatz für eine Siegchance zu opfern." Die Ingenieure untermauerten das: "Wir hatten nicht das schnellste Auto. Aber wir konnten mit einem Stopp gewinnen. Und wir konnte es, wenn wir bei Safety-Cars auf Risiko spielen."

Von den Startplätzen 4 und 6 aus mussten beide Fahrer mit einer Einstopp-Strategie ins Rennen gehen. Bei besseren Startplätzen hätte Mercedes seine Taktik vielleicht geteilt. Um mit einem Reifenwechsel über die Runden zu kommen, musste man beim Start den Medium-Reifen nehmen und ihn bis zu einer hohen 20er Runde bringen, bevor man auf den harten Pirelli umstellen konnte. Mercedes hielt bis zu den Runden 29 (Hamilton) und 31 (Russell) durch.

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
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Bei Carlos Sainz geriet Ferrari unnötig in Hektik.

Mercedes macht seine Hausaufgaben

Wieder einmal hatten viele Teams ihre Hausaufgaben am Freitag schlecht gemacht. Red Bull und Ferrari entschieden sich da schon dafür, den harten Reifen möglichst nicht anzugreifen. Er war ihrer Meinung nach zu langsam. Nur Mercedes, Alpine und McLaren bezogen Pirellis C1-Mischung in ihre Planungen mit ein. Und nur Mercedes war so konsequent, sich einen Boxenstopp zuzutrauen.

Spätestens Fernando Alonso, der schon nach 13 Runden auf harte Reifen umstellte, hätte allen die Augen öffnen müssen. Der Spanier war ungewöhnlich schnell damit. "Es war das zweite Mal nach Ungarn, dass wir den harten Reifen richtig eingeschätzt haben. Dort mit der Erkenntnis ihn nicht zu nehmen, diesmal mit dem Ergebnis, dass es ein sehr guter Rennreifen sein würde, weil er die konstantesten Rundenzeiten erlaubte", erzählten die Mercedes-Strategen.

Mercedes nahm in Kauf, dass einer nach dem anderen mit Undercuts Hamilton und Russell virtuell überholte. Doch schnell wurde klar, dass die Silberpfeile auf dem richtigen Kurs lagen. Die Konkurrenz wurde auf frischeren Medium-Reifen nicht schneller als Hamilton und Russell auf den alten. Eher das Gegenteil.

Als die Mercedes-Fahrer ihre Boxenstopps abgewickelt hatten, kamen sie hinter beiden Red Bull und Leclerc auf die Strecke zurück. Hamilton lag bereits in der 32. Runde mit 18,7 Sekunden Rückstand im Boxenstopp-Fenster von Verstappen. Und Russell rutschte in Runde 43 rein. Perez war kein Gegner für die Mercedes-Piloten. Der Mexikaner wurde regelrecht inhaliert. Und Leclerc bog zum zweiten Boxenstopp ab, bevor ihm das gleiche passieren würde.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
xpb
Mercedes hielt im ersten Stint lange auf dem Medium-Reifen aus.

Einstopper war einzige Chance

Inzwischen war der Groschen auch bei den anderen gefallen. Perez und Leclerc bekamen für den dritten Stint die harten Reifen verpasst. Und Verstappens Vorsprung schrumpfte. Auf 13,7 Sekunden zu Hamilton und 16,1 Sekunden zu Russell in Runde 47. Die Strategie-Software rechnete hoch, dass Verstappen nach seinem zweiten Reifenwechsel zwei Mercedes vor der Nase haben würde. "Er wäre acht Sekunden hinter Lewis und sechs Sekunden hinter George rausgekommen und hätte beide auf der Strecke überholen müssen. Dafür hätte er Reifen gehabt, die 20 Runden frischer gewesen wären."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff glaubt, dass es sechs Runden vor dem Ziel zum Zusammenschluss gekommen wäre. Christian Horner schätzt, dass es schon 15 Runden vor Schluss passiert wäre. Die Mercedes-Ingenieure zweifelten: "Wenn wir uns die Reifenverschleißkurve von Max anschauen, hätte er uns wahrscheinlich eingeholt und überholt. Trotzdem war der Plan richtig. Wir hatten von dem Trio an der Spitze das langsamste Auto. Ein Stopp war unsere einzige Chance vor den Red Bull zu kommen."

Eine VSC-Phase in Runde 48 machte den schönen Plan zunichte. Aus Sicht von Verstappen blieb Yuki Tsunoda im richtigen Moment am richtigen Ort stehen. Der Boxenstopp unter VSC hätte ihm acht Sekunden geschenkt. Damit hätte er seine Führung behauptet. Und es war klar, dass die VSC-Phase die Mercedes ebenfalls an die Boxen zwingen würde, weil es keinen Sinn gemacht hätte am Einstopp-Rennen festzuhalten und mit fast 20 Runden älteren Reifen hinter dem Holländer herzufahren.

George Russell - Mercedes - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
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Russell kam in der Safety-Car-Phase an die Box, Hamilton nicht.

Lieber Siegchance als Zweiter und Dritter

Bei einem Rückstand von 15,4 Sekunden (Hamilton) und 21,8 Sekunden (Russell) war das Rennen für die Silberpfeile auf den Plätzen zwei und drei eigentlich gelaufen. Auch wenn man jetzt den Medium-Reifen drauf hatte und Verstappen den harten Gummi, der auch am Red Bull exzellent funktionierte. Verstappens Vorsprung schrumpfte bis zur 55. Runde auf 10,7 Sekunden (Hamilton) und 14,0 Sekunden (Russell). Kein Grund zur Sorge. Verstappen fuhr nur so schnell wie er musste.

Dann machte Valtteri Bottas seinem Ex-Team ein unfreiwilliges Geschenk. Der Sauber des Finnen blieb auf der Zielgerade mit einem Motorschaden stehen. Das löste ein echtes Safety-Car aus und brachte neue Dramatik ins Spiel. Als sich Verstappen mit gebrauchten Soft-Reifen für die finalen zwölf Runden eindeckte, hatte Mercedes vier Optionen. Der Herausforderer wählte die mit dem größten Konfliktpotenzial. Nach Meinung der Strategen aber die mit der besten Siegchance.

Aus Sicht von Toto Wolff gab es zwei Möglichkeiten: "Sicher Zweiter und Dritter werden oder Lewis die Chance geben das Rennen zu gewinnen. Lewis hatte Medium-Reifen drauf, die erst fünf Runden im Renntempo hinter sich hatten." Auf dem Papier war der Medium kein schlechterer Reifen als ein gebrauchter Soft, den Verstappen, Russell und Leclerc mit auf die Reise bekamen. Frische Softs gab es nicht mehr.

Hamilton vs. Verstappen - GP Niederlande 2022
xpb
Beim Restart war Hamilton im falschen Motormodus. Verstappen zog locker vorbei.

Geschenk an Hamilton funktionierte nicht

Doch war es die beste Taktik Hamilton auf der Strecke zu halten und Russell wie Verstappen auf Soft-Reifen zu stellen? Gehen wir die Optionen durch: Beide draußenhalten? Es ist nicht einmal sicher, ob dann beide Mercedes vor Verstappen gelandet wären. Hamilton hatte 3,9 Sekunden Vorsprung auf Russell, ging aber am Red Bull erst vorbei, als Verstappen an der Boxenausfahrt lag. Für Russell hätte es womöglich gar nicht gereicht, wäre er auch auf der Strecke geblieben.

Beide stoppen? "Dann fallen wir hinter Verstappen. Mit unserem Topspeed wäre es schwer geworden ihn auf gleich guten Reifen zu überholen. Bei George wäre es knapp geworden vor Leclerc rauszukommen", sagen die Ingenieure.

Nur Hamilton frische Reifen geben? "Dann hätte er die Position gegen George und Verstappen verloren und wir hätten ihm die Siegchance genommen. Stellen Sie sich vor was passiert wäre, wenn stattdessen George gewonnen hätte. Lewis war bis dahin exzellent gefahren. Er hatte die Siegchance, unsere einzige, verdient. Wir dachten, dass Lewis Verstappen drei, vier Runden aufhalten könnte. Dann hätte Max unser zweites Auto im Getriebe gehabt, was seinen Job schwer gemacht hätte. Das hätte Lewis vielleicht genug Luft zum Atmen gegeben."

Als Hamilton realisierte, dass sein Rennen verloren war, nahm er sein Team schwer unter Beschuss und sprach vom größten Fehler seit Jahren. Erst nach der Zielflagge beruhigte er sich wieder. Ein Teil des Frusts rührte auch daher, dass er beim Re-Start selbst zwei Fehler gemacht hatte. Er zog ihn zu früh an und gab damit Verstappen den perfekten Windschatten. Und er wählte aus Versehen den falschen Motor-Modus, weil er den Schalter falsch herum drehte.

Die Strategen gaben im Rückblick zu: Wir hatten nicht damit gerechnet, dass Lewis drei Positionen verliert. Stattdessen gingen wir davon aus, dass es höchstens eine sein würde. Wir können mit Lewis fühlen. Für ihn waren es emotionale Schmerzen." Auch Wolff sah seinem teuersten Angestellten die öffentliche Manöverkritik nach. "In der Hitze des Gefechts passiert so etwas schon mal."

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2022
xpb
Carlos Sainz sorgte am Ende für viel Arbeit bei den FIA-Kommissaren.

Warum Sainz-Boxenstopp so kurzfristig?

Ferrari fand in Zandvoort nur am Samstag statt. Da hatte Charles Leclerc die Pole Position auf dem Fuß. Ohne den Fehler in Kurve 9 hätte er sie auch geholt. Auf eine Runde fand Ferrari zurück zu alter Form. Im Rennen nicht. Im ersten Stint musste Leclerc nach zehn Runden abreißen lassen. Wieder brachen die Reifen am Ferrari früher ein als bei Red Bull und Mercedes. "Das muss uns Sorgen machen, weil es uns jetzt schon ein paar Mal passiert ist", gab Teamchef Mattia Binotto zu.

Mehr als in dritter Platz lag für Leclerc nicht drin. Carlos Sainz hätte den 5. Platz verdient gehabt, doch der Spanier wurde Opfer weiterer Pannen im Ablauf der Boxenstopps. Als er in Runde 15 an die Boxen gerufen wurde, lag der linke Hinterreifen nicht bereit. Der Stopp kostete ihn rund zehn Sekunden. Binotto entschuldigte seine Crew damit, dass die Aufforderung zum Reifenwechsel zu spät kam, um allen Mechanikern Zeit zu geben, die Reifen bereitzustellen.

Da stellt sich die Frage, warum Ferrari Sainz überhaupt so kurzfristig an die Boxen rief. Die Gefahr eines Undercuts von Sergio Perez bestand schon die gesamte Runde davor. Auf Alonsos Stopp zu den harten Reifen konnte man gar nicht reagieren, weil die ersten Sektorzeiten des Alpine-Piloten noch zu wenig Aufschluss über diese Gummimischung gaben. Und Ferrari wählte ohnehin den Medium-Reifen für den zweiten Stint.

Sainz stand später noch zwei Mal im Fokus. Erst als er Esteban Ocon bei doppelt geschwenkter gelber Flagge kurz vor dem liegengebliebenen Alfa Romeo von Bottas überholte. Alpine reichte einen Screenshot bei den Sportkommissaren ein. Die beharrten darauf: Dort, wo die Gelbzone begann, hatte Sainz hatte die Nase seines Ferrari 30 Zentimeter vorne. Keinen Pardon kannten die Schiedsrichter beim letzten Boxenstopp, als Ferrari seinen Spanier in die Spur von Alonso schickte. Das brachte Sainz eine Fünfsekunden-Strafe und den Verlust von drei Positionen ein.

Fernando Alonso - Alpine - GP Niederlande 2022 - Zandvoort
Wilhelm
Dank einer aggressiven Strategie gewann Alonso das Duell gegen Norris.

Mercedes-Dilemma auch für McLaren

Im Duell Lando Norris gegen Fernando Alonso standen McLaren und Alpine in der Safety-Car-Phase vor dem gleichen Dilemma wie Mercedes. Stoppen oder nicht? Die beiden Kontrahenten im Kampf um Platz 6 lagen ewig innerhalb von zwei Sekunden. Alpine brachte Alonso nach einem schwachen Start mit einem frühen Stopp und dem Wechsel auf die harten Reifen aus dem Verkehr, aber dadurch auch 25 Runden später in den Windschatten des McLaren. Als McLaren merkte, dass die Gefahr nicht von Ocon drohte, wählte man auch die harten Reifen für den zweiten Stint. Jetzt war es Alonso, der abgewehrt werden musste.

Norris und Alonso wechselten in der VSC-Phase parallel auf Soft-Reifen. Mit dem Unterschied, dass Alonso noch eine frische Garnitur hatte, Norris aber nicht. Deshalb konnte sich Alpine beim Safety-Car das Risiko leisten, Alonso auf der Strecke zu lassen. McLaren ging auf Nummer sicher und gab Norris einen zweiten Satz angefahrener Soft-Gummis mit auf die Reise. Das war der Platztausch. "Wir hatten Angst, dass wir von hinten aufgefressen werden, wenn wir draußen bleiben", begründete Teamchef Andreas Seidl den Schritt.

Immerhin landeten nicht beide Alpine vor Norris. Ocon musste das Geschenk des Safety-Cars annehmen, weil seine harten Reifen schon 40 Runden alt waren. Er hätte die letzten zwölf Runden nie Alonso und Norris hinter sich halten können und dann sogar noch einen Platz gegen Lance Stroll riskiert.

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