Red Bull - Diffusor - F1-Test - Barcelona - 2020 Stefan Baldauf
Red Bull - Profil - F1-Test - Barcelona - 2020
Mercedes - Diffusor - F1-Test - Barcelona - 2020
Mercedes - Profil - F1-Test - Barcelona - 2020
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Ist „High Rake“ das falsche Konzept?

Drei Teams senken die Anstellung

Red Bull hat das sogenannte „High-Rake“-Konzept salonfähig gemacht. Das Auto steht hinten deutlich höher in den Federn als vorne. Zuerst haben mit Ausnahme von Mercedes alle Adrian Neweys Idee kopiert. Doch jetzt haben sich mindestens drei Teams davon abgewandt.

Adrian Newey ist der Vater des „High-Rake“-Konzepts. Er stellte schon in den 90er Jahren seine Autos stark von vorne nach hinten an. So wird das ganze Auto zum Diffusor. Das Prinzip funktioniert aber nur, wenn man es schafft, den Boden seitlich zu versiegeln und von Luftwirbeln freizuhalten.

Ab 2010 fanden die Ingenieure immer neue Wege, verwirbelte Luft daran zu hindern, unter das Auto zu strömen. Zuerst mit Hilfe der Auspuffgase, dann mit absichtlich erzeugten Wirbelschleppen. Die Autos standen damit hinten immer höher in den Federn.

Der aktuelle Red Bull RB16 ist ein extremes Beispiel für diesen Weg. Aus der Heckansicht sieht man den kompletten Boden bis zum T-Tray vorne. In den letzten zehn Jahren sind immer mehr Ingenieure Neweys Weg gefolgt. Nur Mercedes behielt eine moderate Anstellung. Als Gegenmaßnahme wurde der Radstand verlängert um mehr aerodynamische Fläche zur Erzeugung von Abtrieb zu schaffen.

Obwohl Mercedes in den letzten sechs Jahren mit Abstand die meisten Rennen gewonnen hat, folgte die Konkurrenz lieber dem Red Bull-Vorbild. Lange glaubte man, das Mercedes-Geheimnis liege allein im überlegenen Motor.

Doch als Ferrari beim Motor vorbeigezogen war, Renault und Honda aufholten, wurde vielen klar: Mercedes baut auch verdammt gute Autos. Und so manchem dämmerte, dass der konservative Aerodynamik-Ansatz der Seriensieger vielleicht doch besser ist.

Racing Point - Profil - F1-Test - Barcelona - 2020
Stefan Baldauf
Racing Point kopiert Mercedes: Das rosa Auto liegt nun praktisch auch eben auf dem Asphalt.

Zu viel Abtrieb für die Reifen

In dieser Saison sind Racing Point, Renault und McLaren wieder Richtung Mercedes-Konzept gegangen. Racing Point am extremsten, was aber daran liegt, dass man den Mercedes von 2019 nachgebaut hat. Renault-Technikchef Marcin Budkowski bestätigt: „Auch wir haben die Anstellung zurückgenommen, um unser Problem mit den Balanceverschiebungen in lang gezogenen Kurven zu kurieren.“

McLaren-Teamchef Andreas Seidl verrät: „Wir fahren hinten weniger hoch.“ Das Vorjahresauto von McLaren reagierte ebenfalls zu sensibel in Kurvenfahrt. „Der Abtrieb muss in allen dynamischen Zuständen, in allen Kurventypen verfügbar sein. Da gab es bei uns zu viele Schwankungen“, erzählt Seidl. Das scheint mit dem neuen Auto deutlich weniger stark ausgeprägt zu sein.

Racing Point-Teamchef Andy Green glaubt, dass die Zeit der Autos mit starker Anstellung mit diesem Reglement abgelaufen ist. Das war mit ein Grund, den Mercedes von 2019 weitgehend nachzubauen und damit logischerweise das Mercedes-Konzept zu übernehmen.

Der Engländer erklärt, was dem „High Rake“-Konzept Probleme bereitet: „Die Reifen können einfach nicht mehr mit dem Abtrieb mithalten. Pirelli pumpt sie als Reaktion mehr und mehr auf. Damit wird es immer schwerer, den Anpressdruck konstant zu halten, wenn du hinten hoch stehst. Es ist besser, du verzichtest ein bisschen auf Abtrieb, hast aber ein besser ausbalanciertes Auto.“

In der Galerie zeigen wir Ihnen, wie hoch die einzelnen Autos mit dem Heck über der Straße schweben.

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