Audi hofft auf den Ketchup-Effekt. Dieses Phänomen beschreibt etwas, das speziell in der Grillzeit aktuell jeder kennt: Erst kommt trotz wilder Schüttelversuche gar nichts aus der Flasche – dann fließt die Sauce nahezu unkontrolliert auf den Teller. Im Fall des deutschen Teams sollen es natürlich Zähler sein. Nach sieben Rennen ohne Punkte konnte Audi nun zweimal hintereinander einen achten Platz feiern.
Für die Erfolge in Silverstone und Spa war jeweils der Youngster Gabriel Bortoleto zuständig. Der 21-Jährige konnte bereits zuvor drei starke Rennen am Stück zeigen, die mit elften Plätzen allerdings unbelohnt blieben. "Es bringt uns allen einen massiven Schub. Es fühlt sich großartig an, aus eigener Kraft solche Resultate einzufahren und in den Top 10 zu kämpfen. Dort wollen wir hin, dort gehören wir hin. Und wir gasen weiter an – beginnend mit Budapest am kommenden Wochenende."
Die Einschätzung des Brasilianers klingt zwar etwas übermütig. Aber sie passt zum Juli des neuformierten Rennstalls. Nachdem er in Großbritannien noch knapp die besten zehn Startplätze verpasst hatte, klappte der Sprung in Belgien locker. Die beiden Grand-Prix-Verläufe meinten es dann auch zum Teil gut mit Audi. So profitierte man von einem Virtual-Safety-Car am vergangenen Wochenende. Dazu stimmte aber auch die notwendige Pace.

Momentan sind die Racing Bulls der Maßstab des Mittelfelds. Ein Update (siehe Überrollbügel von Arvid Lindblad, vorne) steht für den rasanten Entwicklungsplan.
Audis neues Erfolgsrezept
Allan McNish, der Renndirektor von Audi, beschrieb: "Wir haben bewiesen, dass wir die Racing Bulls schlagen, wenn wir vor ihnen stehen. Uns hilft, dass wir das Upgrade-Paket seit Österreich wie erhofft nutzen können. Zudem holt das Team alles aus den Gegebenheiten heraus." Besonders stolz war er auf die Boxenstopp-Performance seiner Mannschaft. "Trotz der Stausituation in der Box mit beiden parallel einbestellten Autos arbeitete sie Gabriel in 2,1 Sekunden und Nico in 2,7 Sekunden ab. Der Druck hätte kaum höher sein können!"
Der Schotte gab aber auch zu: "Wir dachten nicht, dass uns der Kurs mit seinen langen Geraden liegt. Deswegen nimmt das Team sehr gerne die Zähler und die positiven Erkenntnisse mit." Dass der Punkte-Ketchup jetzt schon herausströmt, wird seine Arbeit und die von Oberboss Mattia Binotto stark erleichtern. Bei Audi selbst wurde noch keiner richtig nervös, weil das Team stets betonte, auf lange Sicht positive Resultate feiern zu wollen. Dennoch wird von der Sportabteilung traditionell viel erwartet.
Obwohl Audi in der WM-Wertung 51 Zähler auf die Racing Bulls und Alpine als beste Nicht-Top-Teams fehlen, ist man im Rennalltag nah dran. Regelmäßig haben die Tabellenneunten die tabellarisch noch vor ihnen liegenden Williams und Haas schon im Griff. Einen Sprung an die Spitze des Mittelfelds will McNish nicht beschwören. "Der Kampf hat erst angefangen. Unsere Rivalen werden mit Updates etc. zurückschlagen."

Helm geraderücken und weitermachen: Nico Hülkenberg erlebt aktuell keine gute Zeit. Trotz Technik-Ärger etc. hält er seine Motivation hoch.
Das lief bei Hülk schief
Durch erneute technische Probleme bleibt Nico Hülkenberg derweil im Ketchupflaschen-Schüttelmodus. Während des Q1 passte erst die Synchronisation des Getriebes nicht, der zweite Qualifying-Abschnitt sah dann den Zusammenbruch der Hydraulik. Trotz einer guten Renn-Pace fehlte mal wieder das Glück. Der Emmericher verbuchte nur Position 13 und bleibt im punktelosen Niemandsland.
"Wir haben den Preis für die hintere Startposition und die verlorenen Plätze am Start bezahlt. Ab da war es bereits hart, sich nach vorne zu arbeiten. Eine längere VSC-Phase hätte mir sicher geholfen. Ich kam beim Stopp hinter Pierre Gasly und Liam Lawson raus. Mangels Topspeed konnte ich bei ihnen nicht mitmischen."
Im Anschluss an die vermeintlichen Angststrecken steht nun Audis theoretisch zweitbester Kurs nach Monaco an. Der kurvenlastige, kompakte Hungaroring kommt den Stärken des R26 genau entgegen. Viele Rivalen berichteten zuletzt: "Dieses Auto ist in den Kurven unglaublich schnell!" Wenn der Neuling weiterhin operativ stabil agiert – gegensätzlich zur vertanen Chance an der Côte d'Azur –, rückt der Schritt zum Titel "Best of the Rest" näher.












