Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 12. Dezember 2021 xpb
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Lewis Hamilton Formel 3 2004
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Kommentar zu Rücktritts-Spekulationen um Hamilton

Kommentar zu Rücktritts-Spekulationen Hamilton will zurück auf den Thron

Der Verlust des Titels schmerzt Lewis Hamilton. Umso mehr, weil im Saisonfinale nicht alle Regeln eingehalten wurden. Spekulationen schießen empor, dass er vielleicht sogar der Formel 1 den Rücken kehren könnte. Was für ein Blödsinn. Der Rekordsieger wird sicher nicht mit einer solchen Niederlage abtreten wollen.

Die Formel 1-Saison ging stürmisch zu Ende. Bis sechs Runden vor Schluss sah Lewis Hamilton wie ein sicherer Weltmeister aus. Er lieferte das vierte perfekte Rennen in Serie ab. Bis Nicholas Latifi seinen Williams in die Leitplanke schmiss, Rennleiter Michael Masi das Safety Car rausschickte, Max Verstappen die Reifen wechselte, Hamilton nicht, und Masi das Finale zur Verwunderung von Mercedes doch noch einmal freigab.

Auf den letzten Metern verlor Hamilton den achten Weltmeistertitel. Er fühlte sich im Cockpit wohl genauso ohnmächtig wie seine Mannschaft am Kommandostand und in der Garage. Alles war doch schon angerichtet für die große Feier. Stattdessen herrscht im Lager des Serienweltmeisters große Trauer und Frust, obwohl man mit dem achten Konstrukteurs-Pokal in Folge weiter am Vermächtnis als eine der größten Sportmannschaften der Geschichte geschrieben hat.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2021
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Lewis Hamilton hat keinen Grund, die Formel 1 zu verlassen.

Zum Siegen gehört das Verlieren

Hamilton schweigt seither. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach davon, dass sein teuerster Angestellter und er desillusioniert seien. Weil die Formel 1 sich nicht an alle Paragraphen des Reglements gehalten hat. Sondern stattdessen der Show den Vortritt gab. Das ist aus Sicht des Verlierers mehr als verständlich. "Ich glaube nicht, dass wir jemals den Schmerz überwinden werden."

Mercedes verzichtet zwar auf eine Berufung. Trotzdem schreibt man weiter Schlagzeilen. Wolff wich den Fragen aus, ob er eine Garantie abgeben könne, dass Hamilton 2022 am Start stehen werde. Ob der entthronte Weltmeister nach dem Chaos-Finale von Abu Dhabi und der gefühlten Ungerechtigkeit vielleicht nicht sogar hinschmeiße. Es folgte eine halbgare Antwort. "Sein Herz wird ihm als Racer sagen, dass er weitermachen soll. Weil er auf der Spitze seines Schaffens ist."

Wenn man die Medien gerade so durchforstet, vor allem die englischen, dann wird das Horror-Szenario von einem Hamilton-Rücktritt offenbar sehr gerne an die Wand gemalt. Weil es ganz bestimmt Klicks und Abrufe bringt. Es wird sogar schon über den möglichen Plan B von Mercedes geschrieben. Doch warum sollte Hamilton zurücktreten? Es gehört zum Leben eines Spitzensportlers dazu, auch mal schwere Niederlagen einzustecken. Zum Siegen gehört auch das Verlieren.

"Recht und Unrecht wird immer passieren", sagt Wolff. Für mich ist das der springende Punkt. Die FIA kann eine Kommission ins Leben rufen. Sie sollte die Regeln straffen, sie vereinfachen, sie klarer formulieren. Sie sollte Rennleiter Michael Masi entlasten. Doch egal, was sie unternimmt. Ein sportliches Reglement wird von Menschen gelesen. Von ihnen interpretiert und ausgelegt. Es wird nie eine 100-prozentige Schlüssigkeit geben. Weil nie jeder Fall gleich ist.

Hamilton in der Opferrolle

Hamilton hat in seiner Laufbahn sieben Weltmeisterschaften gewonnen. Er hat 103 Siege und 103 Pole Positions auf dem Konto. Er wurde zum Ritter geschlagen. Er hat alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Satt macht ihn das nicht. Hamilton ist ein Kämpfer, der nach immer neuen Höhen strebt. Einer, der sich Jahr für Jahr verbessert, und aus Rückschlägen stets neue Energie gezogen hat.

Die neuen Autos sind eine zusätzliche Motivationsquelle. Der dann 37-Jährige will es seinen jungen Widersachern um Weltmeister Max Verstappen und Neu-Teamkollege George Russell noch einmal zeigen. Nicht umsonst hatte er seinen Vertrag erst im Sommer bis einschließlich 2023 verlängert. Mercedes wird als Team nach der schmerzvollen Erfahrung umso härter arbeiten – und will umso härter zurückschlagen. Wer diesen Fahrer und dieses Team kennt, weiß, dass es genau so ist. Da macht jetzt keiner einen Rückzieher. Der König will zurück auf seinen Thron.

Mercedes wurde im Finale gewissermaßen zu einem Opfer. Man gewinnt den Eindruck, dass der Seriensieger der Formel 1 genau diesen Umstand nutzt, um Kraft zu schöpfen. Und dass es dem Team zumindest nicht ungelegen kommt, wenn die Leute erzählen, dass schlussendlich ein Schurkenstück die Übermächt zu Fall gebracht habe. Bestimmt taugt es auch Hamilton mehr, dass nicht wenige von einem geraubten Weltmeistertitel sprechen, als dass es heißen würde, der Rekordweltmeister habe in einem jungen Wilden seinen Meister gefunden.

Lewis Hamilton - Mercedes - Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 12. Dezember 2021
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Lewis Hamilton wird es den jungen Wilden um Max Verstappen noch einmal zeigen wollen.

FIA sollte nicht nachtreten

Jedenfalls hat Hamilton bewiesen, dass die Titelvergabe weiter über ihn läuft. Wenn er das Auto dazu hat. Davon ist aber jeder andere Fahrer auch abhängig. Ohne ein konkurrenzfähiges Auto wird in der Formel 1 keiner Weltmeister – auch nicht die Überflieger wie Verstappen und Hamilton.

So ein bisschen erinnert Branchenkenner die Situation an den Winter 1992/1993. Damals war ein gewisser Ayrton Senna unzufrieden. Weil ihm Alain Prost das Cockpit bei Williams vor der Nase weggeschnappt hatte. Weil McLaren-Chef Ron Dennis ihm das Gehalt kürzen wollte. Weil drohte, dass er im McLaren gegen Williams nicht um die Weltmeisterschaft würde fahren können: Was ja auch eintrat. Und weil er im Allgemeinen einen Groll gegen die Formel 1 hatte.

Sauer ist auch Hamilton. Dass er und Wolff der FIA-Gala fernblieben, aus Unmut und Protest gegenüber dem System, ist allerdings unverständlich. Es gehört dazu, als Zweiter bei der Krönung des Weltmeisters dabei zu sein – egal, wie frustriert man ist. Hamilton hat auf dem Podest von Abu Dhabi Größe bewiesen, hier hat er sie vermissen lassen. Genauso aber sollte die FIA um den neuen Präsidenten Mohammed Ben Sulayem nicht nachtreten. Es sollte ein Schlussstrich gezogen werden. Wem würde es etwas bringen, Hamilton für sein Fernbleiben zu bestrafen?

Es gibt für Hamilton überhaupt keinen Grund, die Formel 1 zu verlassen. Er könnte an keinem besseren Platz sein als bei Mercedes. Er wird fürstlich entlohnt. Er hat mit Mercedes einen Partner, der ihm immer zur Seite steht. Der ihm immer Rückendeckung gibt, und ihn bei Herzensprojekten unterstützt. Das sind ein paar Unterschiede zur damaligen Situation von Senna.

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