Formel 1: Kritik von Helmut Marko: "Das Qualifying hat seinen Reiz verloren"

Helmut Marko kritisiert Formel 1
„Das Qualifying hat seinen Reiz verloren“

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 15.05.2026
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Helmut Marko - Red Bull - 2025
Foto: Red Bull

Die Mehrheit der Fahrer schimpft über die neuen Regeln, auch die Fans sind in zwei Lager gespalten, nur Formel-1-Boss Stefano Domenicali will von Problemen nichts wissen. Ist die aktuelle Formel 1 mit ihrem hohen Elektro-Anteil der richtige Weg in die Zukunft oder sollte man nicht lieber eine Rolle rückwärts machen?

Vor Miami gab es bereits ein wenig Kosmetik am Reglement. Nachjustiert wurde aber nur an den Parametern des Energiemanagements Zur kommenden Saison werden größere Geschütze aufgefahren. Dank eines höheren Benzindurchfluss-Limits sollen die Phasen für Lift-and-Coast und Superclipping endlich spürbar zurückgehen. Um in den Kurven leichter Energie zu rekuperieren, steht dazu noch eine Reduzierung des Abtriebs in der Diskussion.

Für die ferne Zukunft wird aber bereits über eine komplette Abkehr vom aktuellen Hybrid-Format diskutiert. Der Elektro-Anteil soll drastisch sinken. Statt eines V6 soll im nächsten Jahrzehnt ein V8 für Vortrieb sorgen. Der Umstieg auf die nächste Motorengeneration ist turnusmäßig allerdings erst 2031 eingeplant. Bis dahin müssen sich Fans und Fahrer noch mit dem aktuellen Material abfinden.

Helmut Marko - Red Bull - 2026
Red Bull

Noch krasser als erwartet

Einer, der schon länger vor den Folgen des Elektro-Trends gewarnt hatte, ist Helmut Marko. Der ehemalige Red-Bull-Sportchef bekam bereits während der langwierigen Entwicklungsphase eine Vorstellung davon, was auf die Königsklasse zukommt. Nach seinem Abschied aus dem Formel-1-Fahrerlager verfolgt der "Doktor" das Geschehen immer noch interessiert aus der Ferne.

In den ersten Saisonrennen wurde aber auch der Experte etwas von den Auswirkungen überrascht, wie er im Interview mit "Motorsport Magazin.com" verriet: "Es war klar, dass sich mit diesem Motorenreglement sehr viel ändern wird, aber dass beispielsweise die Herangehensweise in der Qualifikation so krass ist, das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet."

Der Vollblut-Racer gibt zu, dass er sich nun immer weniger Grands Prix im Fernsehen anschaut, was auch mit der Entwicklung der Formel 1 zu tun hat: "Das Qualifying hat seinen Reiz verloren", kritisiert Marko. In den ersten Rennen mussten die Fahrer auf ihren schnellen Runden immer wieder aktiv vom Gas gehen. Erst in Miami sorgten das Streckenlayout und die geänderten Regeln für etwas Entspannung. Ob echte Fortschritte erzielt wurden, wird man aber erst in Montreal sehen.

Max Verstappen - Helmut Marko - Red Bull - 2025
Red Bull

Überholen nicht mehr wie früher

Auch an den Rennen hat Marko etwas auszusetzen, auch wenn der Unterhaltungsfaktor für ihn stimmt: "Die Rennen sind dank Ferraris Startüberlegenheit gut, aber die Überholmanöver sind nicht mehr das, was sie waren – wo es darum geht, wer am spätesten bremst oder am frühesten auf dem Gas steht. Dieses absolute sich am Limit zu bewegen. Das ist jetzt alles Energiemanagement und dafür haben wir die Formel E."

Ganz hat Marko aber nicht die Hoffnung aufgegeben, dass es mit den geplanten Änderungen in Zukunft besser wird: "Wenn man die elektrische Energie vernünftig reduziert und zeitgleich den Verbrenner verstärkt, dann kann man es noch halbwegs hinkriegen."

Helmut Marko - Red Bull - 2025
Red Bull

Marko geht mit der Zeit

Der 83-Jährige erklärt im MSM-Interview, wie es zu dem Geburtsfehler kommen konnte: "Das Reglement diente dazu, dass Porsche und Audi einsteigen. Dann kam auch Cadillac dazu. Mittlerweile ist der Verbrennungsmotor wieder auferstanden, was mit dem CO₂-neutralen Benzin auch gerechtfertigt ist." Marko hofft, dass sich die nachhaltigen Kraftstoffe auch in der Serie durchsetzen.

Dabei betont er, dass Elektroautos nicht per se etwas Schlechtes sind: "Ich fahre selbst einen Mini E, aber im Winter sinkt die Reichweite damit drastisch. Im Stadtverkehr ist das Auto im Vorteil. Er ist klein, wendig und in der Stadt gibt es auch genügend Ladestationen. Ich gehe mit der Zeit, aber auf dem Land würde ich damit nicht fahren."

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